15.07.2017

Mord im Sommergarten

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Mord im Sommergarten

 

„Mörder! Mörder!“ raunte es in seinem Kopf. Bei jedem Schritt, den er mit konzentriertem Blick und gesenktem Kopf weiterging, glaubte er, die stummen Schreie der Getöteten zu hören. Es waren mittlerweile viel mehr als er erwartet und gewollt hatte.

Er war kein skrupelloser Mensch. Er tötete nicht aus Rache oder Gier. Es bereite ihm keine Freude, wieder und immer wieder ein Leben zu beenden. Er sah einfach keine andere Möglichkeit, das zerstörerische Treiben dieser Unholde zu verhindern, als sie ins Jenseits zu befördern.

Er fühlte sich eher als Beschützer. Seine vorrangige Aufgabe sah er darin, die ihm anvertrauten Wehrlosen vor Schaden zu bewahren. Sie waren nicht fähig, ihren Feinden zu entkommen. Sie standen fest verwurzelt an ihrem Ort. Sie konnten sich der Angriffe ihrer Peiniger nicht erwehren.

Es machte ihn traurig, jeden Morgen diesen Geschändeten gegenüber zu treten.

Und es machte ihn zornig. Zornig auf die Kreaturen, die nur eines im Sinn hatten, nämlich fressen, fressen, fressen. Und da spielte es keine Rolle, ob die Opfer jung oder alt, klein oder groß, gesund oder krank waren. Sie taten sich an allem gütlich, was ihnen in den Weg kam. Und es wurden ihrer immer mehr. Von Tag zu Tag stieg ihre Zahl. Besonders in diesem Sommer, der eigentlich nur die Fortsetzung des April war: feucht und kühl.

Sie waren zu nichts nütze, diese schwarzen und neuerdings zunehmend auch braunen Nacktschnecken. Sie stellten kein Glied in der Nahrungskette dar. Die Vögel verschmähten sie. Selbst die immer seltener werdenden Igel vermochten es nicht, die Invasion der Schleimer aufzuhalten. Lediglich den Indischen Laufenten sagte man nach, dass sie Nacktschnecken vertilgen. Aber wer kann sich schon so ohne weiteres Indische Laufenten halten? Er jedenfalls nicht.

„Sie (die Schwarzen Landwegeschnecken ) haben eine wichtige Funktion im Stoffkreislauf als Verarbeiter organischer, meist vegetarischer Reste, als Vorbereiter ihrer Mineralisation“, teilt der brandenburgische Pflanzenschutzdienst mit.

Ja, wenn es denn so wäre! Wenn sie sich denn an die Landwege gehalten hätten! Wenn sie sich auf Reste und Abfälle beschränkt hätten! Aber, nein, zielstrebig schoben diese Kriecher ihre schmierigen Leiber auf die jungen Salatpflanzen. Sie eroberten die zarten Knospen der Dahlien, nachdem sie zuvor schon das Blattwerk gelöchert hatten. Sie fraßen die frisch gepflanzten Herbstastern kahl und ließen nur die Strünke stehen. Sie erklommen die Kübel mit den Pelargonien und legten ihre Eier in die lockere Erde. Bis zu 400 Stück! Pro Schnecke! Nicht, dass er nachgezählt hätte. Aber belesen hatte er sich. Nicht auszudenken, wenn die alle aus ihren Gelegen hervorkröchen. Und nun auch noch die eingeschleppten braunen, die Spanischen Landwegeschnecken! Die hatten hierzulande überhaupt keine natürlichen Feinde! Dagegen schienen sie äußerst anpassungsfähig zu sein. Er hatte schon eng miteinander verschlungene, schwarze und braune Exemplare dieser hirnlosen Monster gefunden. Sie sollten zwar Zwitter sein und keine Partner benötigen, aber was er da gesehen hatte, sah sehr nach Sex aus und nicht, als ob sie sich gegenseitig fressen würden.

Er hatte das Ergebnis nicht abgewartet. Hatte dem Geschehen ein jähes Ende bereitet. Er hatte eine wirksame Methode gefunden, die Plagegeister schnell und wie er hoffte, schmerzarm, zu eliminieren.

Trotzdem plagte ihn sein Gewissen und er empfand Ungemach, wenn er allmorgendlich auf Schneckenjagd ging. Doch, was sollte er tun?



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Kommentar von Trixi:
(16.07.2017 um 20:09 Uhr)

Bin schon gespannt auf die nächste Geschichte

Kommentar von Trixi:
(16.07.2017 um 20:06 Uhr)

Ist ja echt gruselig.




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