06.09.2008

Jolly Roger

() 2. Platz - Gsf 2008 Beitrag

„Hisst die Jolly Roger und dann kapern wir dieses vermaledeite Schiff!“ schrie der Captain über die Köpfe seiner Piratenmeute und der Trubel um mich herum begann. Ich war erst seit einigen Stunden auf dem Schiff, der Symphonika doch schon steckte ich mitten in einer Schlacht zweier der größten Piraten die unsere Meere kannten. Ohne zu zögern packte ich mit an. Ich setzte die Segel um unserem stolzen Zweimaster und begleitet vom Wind segelten wir geradewegs auf den Feind zu. Und schon hörte man das Knallen der Kanonen und das verzweifelte Geschrei der feindlichen Piraten. Unser Seegefecht dauerte etwa eine Stunde dann war alles vorbei. Wir rekrutierten von der gekaperten Mannschaft die Männer die wir übernehmen konnten die restlichen Männer ließen wir zurück. Den Captain des Schiffes lynchten wir und rissen seine Schätze an uns. Dann verließen wir erhobenen Hauptes und mit gehisster Jolly Roger das Schlachtfeld. Die Überreste der Piraten hinterließen wir der spanischen Armada. Captain Morgan ging unter Deck um die Männer zu begutachten. Ich folgte ihr und versteckte mich hinter einiger unserer Rumfässer und lauschte den Worten unserer Anführerin, der gefährlichsten Pirat auf den sieben Weltmeeren, Captain Ariana Morgan.

„Euer Captain ist tot! Ich stelle euch vor die Wahl: Schwört mir und meinem Schiff Treue und werdet Teil meiner Crew oder geht bei Sonnenaufgang über die Planke. Entscheidet euch klug.“, sagte sie in die Runde der verängstigten Piraten. Dann sagte sie plötzlich: „Dilian, komm hinter diesen Fässern hervor und mach dich nützlich. Du wirst die erste Wache schieben! Wenn sie nur eine falsche Bewegung machen weißt du was du zu tun hast.“ Ich nickte dann wandte sie sich ab. Ich griff zu meinem Säbel und setze mich auf eines der Rumfässer um die Leute im Auge zu behalten. Nach einigen Stunden konnte ich meine Neugier nicht mehr zurück halten. Dann ging ich auf die Piraten zu und setzte mich zu ihnen. >„Wie war euer Captain so?“ fragte ich die verdutzt dreinblickenden Menschen „los antwortet mir sonst werde ich sauer!“ Erst jetzt bemerkte ich die fahlen eingefallenen Gesichter der Menschen um mich. Ich stand auf. Trat zu einer der Kisten herüber und öffnete sie mit meinem Säbel. Die Kisten waren randvoll mit Lebensmitteln, wir hatten mehr als genug um einige Wochen auf See die Crew durchzufüttern. Da wir am nächsten Morgen in Tortuga anlegen wollten, verteilte ich nun großzügig Äpfel, Organen, Brot und geräucherten Fisch. All die Sachen hatte Captain Morgan von einem Überfall auf eine Handelsflotte erbeutet. Dankbar nahmen die Piraten das entgegen was ich ihnen reichte und wir feierten ein Festmahl unter Deck. Als meine Ablösung kam, überschlugen sich die Ereignisse. Zuerst schlug ein Blitz in das deck des Schiffes ein und ein Sturm tobte über das Meer. Dann Entdecke der erste Maat die leeren Lebensmittelkisten und verständigte Captain Morgan. Als sie unter Deck kam um sich das Desaster anzusehen. Wurde sie wütend. Sie zog eine lange Lederpeitsche von ihrem Gürtel ab und schlug einige Male auf mich ein. Unter höllischen Schmerzen brach ich zusammen. Mein weißes Hemd war Blut verschmiert und mein Hut riss mir vom Kopf. In Sekunden schnelle fiel mein kastanienbraunes Haar über meine Schultern und Captain Morgen schrak unmittelbar zurück. Sie hatte damit gerechnet einen ungezogenen Piratenlausbub zu bestrafen, doch vor ihr lag nun ein unscheinbares Mädchen mit Tränen nassen Augen und mit Striemen überzogener Haut. Ich gab mich nicht geschlagen. Mein Leben lang wollte ich Pirat werden und nun da ich es endlich geschafft hatte auf dem Schiff einer der berühmtesten Freibeuter angeheuert zu werden, wollte ich diesen Traum nicht aufgeben. Ich stand auf packte meinen Hut, stopfte meine blutigen Haare unter ihn und entschuldigte mich bei dem Captain für meinen Ungehorsam. Ich ließ mir den Schmerz nun nicht mehr anmerken. Ariana war immer noch fassungslos, doch dann wandte sie sich ab. Lauthals schrie sie über Deck: „Trotzt diesem Sturm! Wir müssen noch heute Nacht Tortuga erreichen. Ansonsten werden wir alle jämmerlich vor die Hunde gehen. Die Lebensmittel, die wir der Handelskolonne abgenommen haben, sind verfault und ungenießbar.“ Ich hörte ihre schweren Schritte über Deck. In dieser Nacht kam keine Ablösung mehr für mich. Ich traute mich nicht die Augen zu schließen. Ich hatte mit meinem Handeln den Captain der Symphonika verärgert. Dann fragte plötzlich ein etwas älterer Herr aus der Menschenmenge: „Kindchen wie alt bist?“ Stolz stand ich auf das Rumfass auf dem ich gerade noch gesessen hatte und sagte: „13 Jahre und ich bin Pirat ebenso wie ihr!“ Der Mann lächelte, dann sagte er freundlich: „Wir sind keine Piraten. Ich bin Schiffsbauer, dieser Jüngling dort drüben ist Schiffsarzt. Lass ihn deine Wunden versorgen.“ Ich sträubte mich erst widerwillig, doch dann ließ ich ihn meinen Rücken begutachten. Vor all den anderen Anwesenden zog ich mein Hemd aus und zeigte dem Schiffsarzt meinen Rücken. Er reinige die Wunden und verband sie. Danach zog ich mich wieder an und lauschte den Geschichten der Männer. Der Schiffsbauer nannte sich Pirro. „Zusammen mit Tigo, dem Schiffsarzt, Borio dem Schiffskoch und Teli unserem Captain machten wir uns auf ein Abenteuer zu suchen. Wir wollten nie Piraten werden und segelten nie unter einer Jolly Roger bis eines Tages William Breydon unser Schiff enterte. Er verpflichtete uns seiner Crew gegen unsere Leben und wir schwörten ihm Treue. Aber er ließ uns verhungern wie die Ratten unter Deck. Dann kamst du und hast die Schuld für all das auf dich genommen. Du hättest sie auch auf uns schieben können, so wie es jeder verlogene Pirat gemacht hätte. Aber du bist anders!“ Ich sah ihn offen an, dann sagte ich: „Ich lüge nicht!“ Der ältere Herr schmunzelte, dann murmelte er: „Du musst noch viel über dieses Leben als Pirat lernen! Ich verspreche dir, eines Tages werde ich dir ein stolzes Piratenschiff bauen. Eines das noch viel schneller und besser ist als es die Symphonika je sein wird. Aber du musst mir dafür versprechen in Tortuga von Bord zu gehen. Nur für einige Stunden, versprichst du mir das?“ Ich nickte ohne darüber nach zu denken. Dann plötzlich trat Ariana unter Deck und schrie in die Menge: „Na ihr Maden, habt ihr euch entschieden? Schwört ihr meinem Kahn und meiner Crew Treue?“ Wie im Chor stimmten die Männer ein und nach wenigen Minuten fuhren wir in den belebten Hafen der wohl größten Pirtanstadt ein: Tortuga! Wie versprochen ging ich von Bord unter dem Vorwand, dass ich mein Hemd waschen wolle um dem Captain nicht noch mehr Schande zu bereiten. Ich eilte über den Steg weg vom Schiff, weg von der Crew und hielt erst inne, als ich an einem etwas vom Hafen abgelegenen Brunnen, mein Hemd über den Kopf streifte und die roten verschmierten Flecken aus dem Hemd rieb. Stumm liefen mir Schmerzestränen über das bleiche Gesicht und ich übergab mich von den Schmerzen. Ich zog mir das triefnasse kühle Hemd über meinen schmalen Oberkörper und setze mich auf. Ich sah in das Wasser des Brunnens und erkannte darin mein Gesicht. Es war rot von den Tränen und leider immer noch das Gesicht eines verdammten Mädchens. Als ich mich entscheid zu meiner Crew zurück zu kehren dämmerte es schon und die Straßen von Tortuga wurden hell erleuchtet. Überall lagen betrunkene Piraten vor den Spelunken herum und innen feierte man wilde Feste. Konkubinen wuselten über die Gassen und warfen sich dem einen oder anderen Captain an den Hals. Mir gefiel die Spannung die in der Luft lag. Ich hatte zum ersten Mal so viele Piraten auf einem Fleck gesehen. Tortuga war unangetastetes Piratengebiet. Tortuga entsprach meiner Vorstellung von dem leben als Piratenbraut. Ich wollte nicht wie die Konkubinen enden sondern Piratin werden, so wie Ariana Morgan. In den entlegensten Winkeln des Pazifiks kannte man ihren Namen und raunte ihn nur, aus Angst, sie würde kommen um auch dort zu wüten. Das Parler-Recht war auf ihrem Schiff nicht anerkannt und jeder der es forderte lebte nicht lange genug um seiner Forderung nach zu kommen. Ich träumte ein wenig vor mich hin und träumte von dem schönen Schiff, das mir Pirro versprochen hatte. Als ich den Steg entlang lief, an dem wir angedockt hatten, erkannte ich im seichten Licht der Dämmerung nur Schemen. Auch wenn ich nicht weit sah, erkannte ich dass die Symphonika fehlte. Das Schiff meiner Träume würde warten müssen. Ich rannte den Steg entlang um mich zu vergewissern, dass ich mich auch nicht irrte. Dann sah ich das Massaker, das sich zugetragen haben musste. Ariana lag verwundet auf dem Boden und rang nach Luft. Ich eilte an ihre Seite und horchte ihren letzten Worten: „…ich hatte befürchtet… dass eine weitere Frau auf unserem Schiffärger bereiten würde… Der Schiffsbauer, ließ mich am Leben… damit ich dir eine Nachricht überbringe: Dein Schiff wird auf dich warten. Eines Tages, wirst du…..soweit sein, es über die Meere zu navigieren.“

Dann starb sie und ich blieb alleine zurück in einer Stadt voller Menschen, die mir meine Wut und meinen Zorn nicht stillen konnten. Mich erinnernd an den Dialog zwischen mir und dem Schiffsbauer, wandte ich mich ab und schenkte dem Tod einer gekaperten Piraten keine Aufmerksamkeit mehr…



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Kommentar von Alill:
(01.10.2008 um 19:17 Uhr)

oft ist es auch so das man geschichten am besten schreiben kann wenn sie parallel zum eigenen leben verlaufen, jedenfalls mache ich die erfahrung immer wieder wenn ich eine geschichte schreibe....

Kommentar von Aijako:
(30.09.2008 um 20:03 Uhr)

Danke

eigentlich bin ich auch nicht der absolute Piraten Fan ich fand aber das Thema Verlockung und Versuchung spannend. Und denke, dass ich das im Rahmen der Geschichte ziemlich gut ausdrücken konnte.

was auch wichtig für mich war, war der Konflikt der Hauptperson mit sich selbst, weil ich eine Freundin habe, der es ähnlich geht.

Kommentar von Alill:
(30.09.2008 um 17:24 Uhr)

hey deine geschichte ist echt voll spannend! eigentlich mag ich piraten nicht so gerne, aber die geschichte ist echt super




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