12.09.2008

Im Kreis der vier Völker

() 1. Platz - Gsf 2008 Beitrag

Bild zu Mit starrem Blick sah Jillian die Mauer entlang. Tausende von Soldaten standen vor der Stadt, und aus dem großen Tor strömten immer mehr zu ihnen. Das Scheppern der Rüstungen und Schwerter klang bis zu ihm hinauf.

 

Langsam schweifte sein Blick weiter, den vielen Soldaten voraus. Die riesige Ebene entlang, entlang an den Schutzwällen und den Gräben. Hinter all dem breitete sich eine weitere Armee über die Ebene aus. Die schwarzen Fahnen über den Zelten zeigten das Wappen des Kaisers Konstantin. Er galt als eines der machthungrigsten Kaiser der Geschichte. Drei Reiche hatte er bis jetzt übernommen. Nun war Saronia an der Reihe.

 

„Majestät?“ Jillian fuhr erschrocken zusammen ,als eine schwere Hand ihn an der Schulter packte. „Geht es Ihnen nicht gut?“ Endlich drehte Jillian sich um. Neben ihm stand einer seiner Offiziere. Jillian versuchte, sich an seinen Namen zu erinnern, doch er wollte ihm einfach nicht einfallen. Schließlich schüttelte er den Kopf. „Nein, es ist alles in Ordnung.“ Erleichtert nahm der Mann seine Hand von Jillians Schulter. „Der Bruder Ihres Vaters ist eingetroffen. Er wünscht Sie zu sprechen.“ Jillian nickte und der Offizier salutierte.

 

Ein Feuer brannte im großen Kamin, als Jillian den Saal betrat. Er sah, wie sein Onkel sich eilig vom Thron erhob. Mit offenen Armen kam er ihm entgegengelaufen. „Jillian, was ist passiert? Was macht die Armee vor der Stadt?“ Ohne ihm zu antworten schritt Jillian an ihm vorbei. Erst beim Thron blieb er stehen und drehte sich um. „Du hast es gesehen. Es ist die Armee von Konstantin. Er will Saronia übernehmen.“ „Und wo ist mein Bruder?“ „Mein Vater ist tot. Er wurde von einem Werwolf getötet.“ „Ihr wart bei den Werwölfen? Warum?“ Jillian holte tief Luft. „Weil wir Verbündete brauchen.“ „ Saronia liegt seit Jahrtausenden mit diesen Wesen im Streit.“ „Jetzt nicht mehr.“ Sein Onkel rang nach Fassung. „Ihr habt euch verbündet?“ „Ja, und nicht nur mit ihnen. Auch mit den Drachenreitern und den Elfen. Sie haben versprochen, uns bei dieser Schlacht beizustehen.“ Sein Onkel schnaubte verächtlich. „Schattenwesen haben noch nie ihre Versprechen gehalten.“ Jillian schüttelte den Kopf. „Sie sind keine Schattenwesen. Sie denken wie wir. Sie sehen nur anders aus.“ „Jillian, du weißt was ich meine.“ „Ja. Aber das war in der Vergangenheit.“

Sein Onkel setzte sich auf die Stufe zum Thron. Eine Weile waren beide still. Dann stand Jillians Onkel wieder auf. „Jillian, lass mich das machen.“ Jillian sah ihn irritiert an. „Was?“ „Lass mich diesen Krieg führen. Und übergebe mir das Königreich, bis du alt genug bist.“ Jillians Blick wurde kalt. „Nein.“ „Jillian, du bist fünfzehn.“ „Ich denke mein Alter spielt keine Rolle. Ich habe es alleine geschafft, ein Bündnis mit den Werwölfen, Drachenreitern und Elfen zu erschaffen.“ „Ich würde dieses Bündnis ja auch akzeptieren.“ Jillian unterbrach ihn. „Das ist nicht dein Kampf. Kehre wieder zu deiner Burg zurück. Hier ist es zu gefährlich.“ Sein Onkel wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment wurde die Tür zum Thronsaal aufgestoßen. Ein Soldat eilte herein. „Majestät. Die Armee von Konstantin hat sich in Bewegung gesetzt. Er selbst reitet voran. Wahrscheinlich wird er uns vorschlagen, zu kapitulieren.“ Eilig erhob Jillian sich vom Thron und lief zu dem Soldaten. „Bring mir ein Pferd.“Der Soldat salutierte und rannte davon.

 

Der Himmel hatte sich verdunkelt, so als wüsste er, das bald etwas geschehen würde, das den Engeln verborgen bleiben sollte.

Jillian ritt durch die Menge der Soldaten, auf die Ebene hinaus. Konstantin wartete bereits auf ihn. Sein blutroter Umhang war auf der ganzen Ebene zu sehen.

Kurz vor Konstantin blieb Jillian stehen. Konstantin lächelte spöttisch. „Verzeih mir, wenn ich lache, aber ich wollte schon gerne mit dem König sprechen.“ Die Angst, die sich eben noch in Jillian breit gemacht hatte, war schlagartig verschwunden. Sein helles Lachen war auf der ganzen Ebene zu hören. „Verzeih, wenn ich lache, aber ich bin der König.“ Konstantin sah ihn kurz irritiert an, hatte sich jedoch schnell wieder im Griff. „Nun dann wird dir sicher klar sein, dass es das Beste wäre jetzt zu kapitulieren.“ Jillian lächelte noch immer. „Das Beste für dich.“ Konstantin verzog das Gesicht. „Oho, ein kleiner Held. Aber es ist deine Entscheidung.“ „Ich werde der letzte sein, der aufgibt.“ Konstantin zuckte die Schultern. „Das glaube ich kaum.“ Damit drehte er sein Pferd um und verschwand zwischen der Wand aus Soldaten.

 

Jillian stand bereits wieder auf dem Wehrgang, als die beiden Armeen auf einander prallten. Wie zwei kämpfende Drachen verkrallten sie sich ineinander. Und obwohl die Soldaten Konstantins als die besten galten, wichen Jillians Soldaten nicht zurück. Im Gegenteil, es schien eher so, als würden die anderen zurückgedrängt.

Plötzlich ging ein Hagel brennender Pfeile auf seine Soldaten nieder. Konstantins Bogenschützen waren wie aus dem Nichts am Rande des Kampfes aufgetaucht. Erschrocken klammerte sich Jillian an die Zinnen. Auch die Offiziere die sich ebenfalls auf dem Wehrgang eingefunden hatten, sahen schockiert auf die Schlacht. So schnell wie die Bogenschützen gekommen waren, so schnell waren sie auch wieder verschwunden.

„Was war das?“ Jillian konnte immer noch nicht glauben, was er gerade gesehen hatte. Einer der Offiziere trat vor. „Majestät. Ich kenne mich mit solchen Dingen nicht besonders gut aus, aber ich vermute, dass es Magie war.“ Jillian sah ratlos auf die Schlacht hinunter. „Wenn es wirklich Magie war, dann haben wir keine Chance.“ Wieder meldete sich der Offizier zu Wort. „Vorausgesetzt unsere Verbündeten kommen nicht bald.“ Jillian nickte. Ihre Verbündeten. Wo blieben sie bloß?

Wieder ging ein Pfeilhagel auf die Soldaten nieder. Jillian musste sich eingestehen, dass Konstantins Armee der seinen weitaus überlegen war. Doch er wollte nicht aufgeben, er konnte nicht aufgeben. All die Menschen hinter der Stadtmauer wären verloren. Er drehte sich zu seinen Offizieren um. „Geben Sie den Befehl zu einem langsamen Rückzug.“ Zwei der drei Offiziere eilten davon. Nur der dessen Namen sich Jillian nicht merken konnte, blieb neben ihm stehen. „Majestät. Denken sie ans Aufgeben?“ Jillian sah ihn hilflos an. „Ich weiß es nicht. Unsere Verbündeten sind noch nicht eingetroffen und Konstantin scheint Magier zu haben.“ „Hören Sie. Ich kann Sie gut verstehen, aber wenn Sie jetzt aufgeben, sind wir verloren. Wenn Sie nicht aufgeben und verlieren, dann sind wir zwar verloren, aber unsere Ehre ist es nicht. Außerdem glaub ich daran das unsere Verbündeten noch kommen werden.“ „Meinst du?“ „Oh ja Majestät.“ Jillian lächelte. „Ich denke, ich werde von meinen Soldaten gebraucht.“

 

Jillians Pferd galoppierte auf die Ebene hinaus, neben sich hörte er das Pferd seines Offiziers. Jillian führte sein Schwert so geschickt, als habe er nie etwas anderes gemacht.

Plötzlich schoss ein Schatten auf Jillian zu und riss ihn vom Pferd. Dumpf stürzte er zu Boden. Über ihm baute sich eine Gestalt auf. Ihr roter Umhang wehte im Wind. Jillian merkte, dass sich neben ihm etwas bewegte. Sein Schwert schoss in die Höhe. Er schnappte nach Luft. „Konstantin, du bist ein Magier?“ Konstantin beugte sich ein wenig zu ihm hinab. „Interessant, nicht wahr. Danke übrigens, dass du mir die Arbeit abgenommen hast, zu dir ins Schloss zu kommen. So ist es doch viel einfacher.“ Jillians Schwert senkte sich auf seine Brust. Konstantin lachte. „Ich brauche nur mit dem Finger zu schnippen und du bist Geschichte.“ Jillian atmete schwer. Plötzlich fiel ihm der Name des Offiziers wieder ein. Joel.

Auf einmal riss Konstantin sein Schwert in die Höhe. Gerade noch rechtzeitig konnte er einen Schwerthieb abwehren. Durch die Wucht wurde er ein Stück nach hinten geschleudert. Jillian rollte sich zur Seite und stand blitzschnell wieder auf den Beinen. Erstaunt sah er seinen Retter an. Er stand ihm direkt gegenüber, trotzdem brauchte Jillian einen Augenblick, um zu begreifen, dass er einen Elfen vor sich hatte. Dieser deutete eine Verbeugung an und verschwand unter den Kämpfenden.

Beinahe hätte Jillian gejubelt. Sie kamen.

Er blickte nach oben, die dunklen Wolken rissen an einigen Stellen auf und riesige Gestalten stürzten sich auf die Soldaten. Große Feuerbälle stoben aus ihren Nüstern und verbrannten die Zelte und das Lazarett Konstantins.

Joel tauchte neben Jillian auf, auch er sah gebannt in den Himmel. Doch sein Blick war auf den großen Vollmond gerichtet der hinter den Wolken aufgetaucht war. „Es ist Vollmond.“ Eine raue Stimme neben ihnen fügte hinzu: „Unsere Lieblingszeit“ Erschrocken drehte Jillian sich um. Neben ihm stand ein Wolf.

 

Joel stand neben ihm und sah auf die Ebene hinunter. Konstantins Soldaten zogen sich immer schneller zurück. Einige von ihnen waren dazu übergegangen, zu rennen. Ihnen auf den Fersen war eine Horde aus Menschen, Elfen, Werwölfen und Drachenreitern.

Die ersten Sonnenstrahlen blitzten über den Horizont, als die letzten Soldaten von Konstantin verschwunden waren. Jillian beobachtete einen Wolf, der etwas im Maul trug. Er schritt auf die Stadt zu und legte seine Errungenschaft vor die Mauer. Es war der Rest eines roten Umhanges. Der Wolf hob seine Schnauze gen Himmel und begann zu heulen. Nach und nach stimmten immer mehr Werwölfe mit ein. Schließlich brachen die Soldaten in Jubel aus.

 

Nur langsam drangen die Rufe in Jillians Bewusstsein. Sie hatten gewonnen.

 

                                                                                ©Rieka Heidmann



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Kommentar von Alill:
(23.11.2008 um 10:45 Uhr)

ist ja gut...

Kommentar von ronja:
(23.11.2008 um 10:44 Uhr)

yär yär je sdu hast gewonnen ...
wowo wow wow jawoll juhu jäs ....

Kommentar von anna:
(01.10.2008 um 19:01 Uhr)

Du gewinnst , baby ;)

Kommentar von Alill:
(21.09.2008 um 13:17 Uhr)

hey danke
es freut mich das euch meine geschichte gefällt

Kommentar von ronja:
(18.09.2008 um 18:34 Uhr)

ich find die geschichte ehrlich gesagt total gut, zb dass du ohne weitere erklärungen einfach anfängst und der leser sich erst mal in die geschichte rein lesen muss...von mir 5 *

Kommentar von kamerad:
(18.09.2008 um 14:00 Uhr)

sauber, du künstlerin

Kommentar von Brasil:
(17.09.2008 um 21:01 Uhr)

Die Geschichte ist total gut!

Kommentar von anna:
(17.09.2008 um 20:50 Uhr)

Heey
DU bist voll begabt :)




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