21.03.2012

ein aberwitz

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 Ein aberwitz,

ganz sicher ein aberwitz war es, den ich erdachte, dieser einfall, dieses vorhaben war ein aberwitz, einer der mit ungewöhnlichkeit, jener größe, die mit einem leichten überschreiten des vorgegebnen karos, kleinkaros, des noch eventuellen erlaubten auf unsrem kontinent, dann aber ungewöhnlich zu stufenden umstandes, gegen die normierungswut, diese calvinistische, lustfeindliche reglementierungsgöttlichkeit schon längst verstoßene nichtgewöhnlichkeit, als liberales manterl dennoch zugelassne, in ausnahmefällen zugelassne umständlichkeit, erdreisende ungewöhnlichkeit, es war ein aberwitz, den ich begang. Schon längst keine ungewöhnlichkeit mehr, ein aberwitz.

Ich schrieb einen brief, eine geschäftsbrief nach kina, zu den unfassbar anhäufenden, geldanhäufenden säcken, einen sehr lapidaren businessbrief, in form, ductus, in allem als geschäftsbrief erkennbaren, zu wertenden brief eines anbieters, der ein angebot legte.

Längst schon, ich wußte dies, gab es in kina nicht diese, nur nach aufforderung akzeptierte, vorgangsweise einer geschäftsanbahnung, sie nahmen alles, alles, auch nur im entferntesten nach gewinn riechende, stinkende, nach bereicherung spürbar einzuschätzende geschäft.

Ich schrieb ein anbot, sie könnten von mir unicate erwerben, unicate, die es nur bei mir und ausschließlich von mir gab.

Morphogenetische, auf sie tief persönlich ins herz treffende, aufgemalte textzeichen, einzigartig, unwiederholbar, irreversibel gesetzt.

 

Eine probe dieser textzeichen legte ich bei.

Diese, es waren worte, gebräuchliche worte, aneinandergereiht zu einem satz, einem einzigartigem satz, mit einer etwas dickeren füllfederfeder aufgetragen, die hand diese feder führend, umfasste den schaft um einiges weiter oben, so ergab sich eine fast zeichnerische, malende bewegungsabläufigkeit, deren schwunghaftigkeit, breit ausladender kurvigkeit, bildhaftes erahnend, nichts mehr mit üblicher handschrift gemein hatte.

Ich dachte an ihren noch immer vorhandnen glauben an die bedeutung von schriftzeichen, im gefühl, in einem alten gefühl aus deren mythischen vergangenheiten, akribisch verborgenem wissen um die wahre bedeutung von gemalten schriftzeichen, den werten ihrer ahnen folgend, eingebrannt, weit weg von gierigem geldanhäufen, Macht, so wie sie es vom westen gelernt, neu gelernt, ihnen eingeimpft als neue seligkeit drängend und unumstößlich vermittelt, den wert, diesen neuen wert, geld, nach außen vor sich hertragend, scharf getrennt von ihrer archetypisch festgemauerten religiosität -  konvolukt aus aberglaube, verehrung, angst und demut vor den großen geistern, die alles bestimmten, alles leiteten, von diesen wundersamen mit langen pinseln höchst kunstvollen schriftzeichen, die soviel erzählten, die nur sehr wenige malen konnten, diesen schriftzeichen ähnlich, sandte ich meine textprobe, 4 zeilen.

Mit 50 erlernte ich mandarin, die von den meisten kinesen gesprochne sprache, hauptsächlich an der ostküste, dort wo die industrie zuhause war, mich ärgerten damals diese kleinen miniberockten kinesinnen, die dolmetschten, immer um mich zu haben, die in ihrer schleimigkeit unerträglich, die möglich auch nicht wirklich präzis übersetzten, vor lauter grins und beugungen, verbeugungen, vergaßen sie, so dachte ich, auf den sinn meiner redereien. Ich arbeitete für die europäische metallindustrie, war int. Consultant, ein geschäftsvermittler, ein aufspürer möglicher, fruchtbringender vernetzungen, fruchtbringender geldanhäufungschancen.

Ich spürte, mandarin sprechend, schreiben war unmöglich zu lernen, eine wissenschaft, für die mir die begabung abging, die zeit ohnehin, viel kinesische mentalität, beim zuhören vorallem. Sprechen konnte ich gut, realativ doch gut, spürte ihr denken, erfasste ihre eigenschaften, ihre begierden besonders, dieses gieren als wesenseigenschaft, hinter ihren vollgrinsschablonen.

Viele jahre später, war schon längst weg von dieser arbeit, hatte mich schon längst geflüchtet, kam mir die idee zu diesem aberwitz, diesen hechelnden kleinmenschen, diesen so unfassbar reichtumfixierten menschen ein bedeutendes anbot zu machen, ihnen meine texte, diese unikate aus einer anderen welt, aus meiner, nur aus meiner welt anzubieten.

Dabei konnten sie wählen zwischen einem textkonvolukt oder 2.

Eine texthäufung, diese so tief zugeordnete, ihnen zugeordnete ertextung, hatte den investitionspreis von siebenhunderttausend euro. Rabattlos.

5 wochen nachdem mein aberwitz tatsächlich abgeschickt, an 4 adressen, adressen von 4 magnaten, an diese sandte ich, jeweils mit einer unterschiedlichen textsetzung, meinen brief, das anbot, erhielt ich einen anruf, völlig unverständliches mandarin, in sagenhafter geschwindigkeit brüllte jemand ,übersetzt, er will ein unicat, sofort.

Blitzschnell, erkannte ich, gerade mit meiner fiskarshacke im holz, dürre äste von meinen bäumen schlagend, antwortet ich, nur schriftliche angebotsannahmen, /ming wen biuo na/  gelten, er müsse schreiben, ja auch ein mail wäre möglich. Innert einer halben stunde, gemächlich ging ich an den pc, war das mail eingetroffen.

In einer jeden kinesen schlagenden, übertreffenden, unverfrorenheit, europäisch-jüdischer chuzpe, focuisierter dolchstoßpräzision, rückenmarkreflexig, sensorisch-motorisch, antwortete ich , ohne ansatz, fern jedes gedanken, geschäftsmännnisch nüchtern, er müsse auf genanntes konto die hälfte des unicathonorars einbringen, danach sende ich per brief die fortsetzung zu meinen 4 probezeilen, die den anfang dieses textes darstellten, keine 2 minuten später, die überweisung sei bereits geschehen.

Keine weitere 2 minuten rief ich meine bank an, jene bank auf die meine pension eingeht, ob ein transferaviso auf meinem konto ersichtbar wäre, ja.

Ja, die dame sagte ja, ein nicht gekannter schwindel ließ mich auf den tisch, kopfüber, fallen, hart knallte mein schädel auf die holzplatte. 350tausend euro seinen von der shanghaier national bank limited am weg.

Und wieder bewies ich mir meine aberwitzige geschäftsbrutalität, wann ich über diese summe verfügen könne, sofort, die dame sagte sofort. Sofort.



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