27.11.2007

Die Wildwasser Tour in British Columbia

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Um 7 Uhr morgens stand ich ihm Gemeinschaftsschlafraum in der großen Blockhütte in Golden auf. Die Sauna von gestern hatte Ihre Wirkung nicht verfehlt, ich fühlte mich topfit. Als ich die Sauna das erste Mal sah hätte ich das nicht gedacht. Dieses zusammengeflickte Holzhaus, das innen eine große Blechtonne und einen Steinofen beherbergte, sollte die Sauna darstellen, was ich mir gestern nur schwer vorstellen konnte. Trotzdem wagte ich den Schritt mit einigen anderen Gästen und ging in die selbstgebaute Sauna. Na gut 15 Minuten war mir klar der Inhaber der Lodge hatte alles richtig gemacht mit der Sauna. Ich fühlte mich entspannt dennoch von der Hitze erschöpft, als plötzlich mir jemand das Handtuch wegzog und sagte „jetzt aber raus ins kalte Wasser zum abkühlen“. Von der Masse aus der Sauna hergetrieben musste ich nackig und barfuss über den groben Kiesstrand ca. 25 Meter zum Fluss „Kicking Horse River“ laufen um in einem Nebenarm des Flusses mich abzukühlen. Natur pur sag ich nur. Es dämmerte da schon und die kanadischen Rockies tauchten in einen wunderschönen rot ein. Keine Minute später rannte ich so schnell ich konnte zurück und zog mich schnell an weil es eiskalt war. Das darauf folgende Lagerfeuer wärmte mich dann so richtig schön auf und ich genoss den Abend mit dem wunderschönen Sonnenuntergang mit einer schönen leckeren Bowle in der Hand. Ich schlief die Nacht über wie ein Baby.

Nun hatte ich gerade die Morgentoilette hinter mich gebracht und suchte die Gemeinschaftsküche auf, um eine Kleinigkeit zu frühstücken. Kurz darauf rief draußen der Scout alle Gäste auf in den Bus zu steigen um an die Ablege Stelle für die 8 stündige Wildwasser Tour zu fahren. Ich packte meine schnell meine Sachen und hielt mein Butterbrot mit dem Mund fest bis ich fertig war. Ich frühstückte auf den Weg zum Bus weiter und kam dann als vorletzter in den Bus.

30 Minuten später saß ich dann in einem Neoprenanzug, einer Schwimmweste und einem Paddel in einen der 2 großen Schlauchboote. Der Scout erklärte uns dass wir nur 4 wichtige Regeln zu befolgen haben.

1. Regel: Wenn das Paddel verloren geht nicht hinterher springen, sondern nur festhalten am äußeren Bootseil.

2. Regel: Falls man aus dem Boot fällt soll man sich gerade hinlegen und sich vom Wasser treiben lassen bis man wieder eingesammelt wird.

3. Regel: Bei dem Kommando „HOLD ON“ sich sofort an dem äußeren Bootseil festhalten

4. Regel: Bei dem Kommando „RIGHT“ oder „LEFT“ sollen die Leute die an den entsprechenden Seite sitzen so kräftig und schnell paddeln, wie es geht.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir, das ist ja ein Klacks, was sich später als nicht so einfach darstellte. Des weitern kündigte der Scout nach 4 Stunden eine 1 stündige Lunchzeit an.

Nach der Aufklärung des Scouts ging es endlich los. Wir wurden vom Ufer in den „Kicking Horse River“ abgestoßen und gelangten erstmal in seichtes Gewässer. Gut 45 Minuten trainierten wir die Regeln 3 und 4 so oft es ging, da bislang keine Stromstellen zu sehen waren. Dann endlich kamen die ersten leichten Stromstellen, die aber souverän gemeistert wurden. Der Fluss kam einen immer schneller und steiler vor. Dann plötzlich gelangte man wieder in seichtes Wasser und der Scout steuerte das Ufer an und meinte das es nun Mittag wäre. Ich konnte es nicht fassen, das die Zeit so schnell verging.

Am Ufer angekommen wurde ein großer Grill aufgestellt und ein großes Barbecue wurde vorbereitet. Währenddessen gingen wir ungefähr 200 Meter Flussaufwärts um mit den Anzügen in den Fluss zu schwimmen und die seichten 200 Meter treiben zu lassen, wo wir dann von einem anderen Scout wieder ans Land gezogen wurden. Warum diesen Scout war mir bis dato nicht bewusst. Also standen wir in einer Schlange hintereinander an und mussten laut Anweisung 3-4 Kraulschläge machen damit wir in die Mitte des Flusses kamen und uns dann treiben zu lassen.

Nun war ich an der Reihe und das Wasser war eiskalt. Ich warf mich in die Wellen aber schaffte nur lächerliche 1,5 Kraulschläge, da meine Arme und Beine sofort steif vor Kälte waren. Unfassbar ich konnte mich nicht mehr bewegen, ein unheimliches Gefühl. 200 Meter tiefer wurde ich dann von dem Scout, Gott sei Dank, angehalten, der mir aufhalf damit ich stehen konnte. Nass und kalt stapfte ich zum Ufer, wobei ich mir noch meine Knie an einer Kiessbank im Fluss einschlug. Das tat höllisch weh. Draußen angekommen warf ich den Anzug und die Weste sofort in die Sonne und versuchte mich am Feuer des Barbecue zu wärmen, was mir auch gelang.

Kurz darauf gab es lunch welches wir nach dieser Anstrengung genossen. Steak und Salat war nun genau das richtige für alle. Jeder Teilnehmer genoss das Mahl genüsslich. 30 Minuten und volle Mägen später mussten wir wieder in die immer noch nassen und nach fisch stinkenden Neoprenanzüge. Ein unbeschreibliches Gefühl - Ekel, Kälte und Nässe kombiniert – das sollte man einmal erlebt haben, dann weist man wie gut man es im Leben doch hat.

Als ich dann fertig war, dachte ich mir der Rest wird ein klacks werden. Weit gefehlt nun ging es richtig los.

Auf dem Fluss ging es nach 5 Minuten so richtig los kleine und mittlere Wasserfälle und Felsen kamen im Sekundentakt, bis ich im Lärm des Wassers die Kommandos des Scouts nicht mehr hören konnte. Genau dann kam der größte Wasserfall von ungefähr 3 Metern. Ich wusste nicht wie mir geschah ich kugelte im Boot umgehr und konnte mich nirgends halten. Unten angekommen wurde das Wasser seichter und ich böse Augenpaare schauten auf mich und fluchten. 2 Mann traf ich mit dem Ellenbogen in den Bauch, einem gab ich eine Kopfnuss mit meinem Knie einem anderen einen Kinnhacken mit meinem Fuß und den Rest streifte ich mit meinen umher fliegenden Arme. Ich lief sofort rot an, das alles war mir zu peinlich. Ich krabbelte wieder auf meine Position und lies das äußerste Bootseil den Rest der Tour nicht mehr aus meinen Händen.

Am Ziel angekommen merkte ich alle meine Glieder die bei dem Sturz im Wasserfall beteiligt waren und verfluchte den Fluss vor Schmerzen. Den anderen gab ich nach her ein Bier aus und entschuldigte mich unzählige Male, auch wenn sie schon verziehen hatten.

Diese Tour werde ich nie vergessen. 2 Wochen lang hatte ich am ganzen Körper blaue Flecken. Ich würde Sie immer wieder machen, auch wenn es schmerzhaft wird, das war eine richtig große Gaudi.



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Kommentar von bruno:
(29.11.2007 um 14:34 Uhr)

Hervorragend! Die Lust auf einen Abenteuerurlaub wird größer, nachdem man die Geschichte gelesen hat. Ich sehe mich schon an einem Felsen beim Free climbing hängen. So eine Floßfahrt mit ein paar kleinen Hindernissen in Form von gewaltigen Wasserfällen wäre natürlich auch nicht schlecht. Oder wie wäre es mit einem Bungeesprung von einer Brücke.

Kommentar von CattieBrie:
(28.11.2007 um 22:13 Uhr)

Sehr schöne Story, ein spannendes Erlebnis und gut wiedergegeben




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