18.04.2010

Das Schaf im Wolfspelz

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Es war einmal ein kleiner Wolf Namens Nici.Dieser liebte das Herumtollen mit seinen Kameraden über alles.Doch auch für einen kleinen Wolf mußte einmal der Ernst des Lebens kommen.Es war an dem Tag,an dem die stärksten und schnellsten Tiere des Rudels mit einer besonders großen Ausbeute der letzten Jagd heimkehrten.

Die Augen der Daheimgebliebenen waren groß und ehrfürchtig als sie dieses erblickten.Nur Nici verkroch sich bei deren Ankunft in das hinterste Eck seines Versteckes.Er haßte den Anblick der zerfetzten Körper und den letzten flehenden und Angst erfüllten Hauch in deren leeren augen.Er konnte den vermischten Geruch vom Schweiß der Jagd und des vergoßenen Blutes bis in seine kleine Höhle riechen.
Doch etwas war anders.
Diesmal wurden alle Jungtiere des letzten Sommers nach dem Bestaunen der Beute zum großen Rat,der aus den ältesten und weisesten Tieren bestand gerufen.
Nun konnte sich Nici nicht mehr verstecken!

Als sich alle versammelt hatten sprach das älteste Mitglied des Rates:"Jetzt ist die Zeit gekommen,das ihr bereit seid,die Kunst des Jagens zu
erlernen.Paßt gut auf und macht euren Lehrern keine Schande!"
In jedem Augenpaar konnte man die Vorfreude auf die erste Jagd sehen.Außer in einem.Der kleine Wolf konnte sein Entsetzen gerade noch rechtzeitig unterdrücken.Nun hatte sich das Herumtollen mit seinen Kameraden schlagartig geändert.Es wurden Jagden nachgespielt.die immer schneller und brutaler wurden.Nici gefiel das überhaupt nicht mehr,doch er mußte sich fügen,da er bei seinen Kameraden bleiben wollte.Er wollte sie nicht verlieren.
Dann kam der Tag der Entscheidung.

Das erste Jagdziel war eine Schafherde.Die Wölfe umkreisten diese nach ihrem bekannten System.Jeder junge Wolf hatte einen eigenen großen Begleiter neben sich.So auch Nici.Seine Position um ein kleines Lämmchen zu reißen war perfekt.Er hörte ein strenges und befehlendes "Los!" neben sich.
Kurz zögerte Nici,doch ihm blieb nichts anderes übrig als über eine wehrlose Kreatur herzufallen.Widerwillig packte er das Lämmchen am Genick und riß es herum.Dabei konnte er ein klares und kurzes "KNACK" hören.Die Tat war vollendet.Nicis Begleiter war stolz auf ihn doch ihm selber war elendig zumute.Als sie mit der Beute wieder heimkehrten wurde die erste erfolgreiche Jagd der jungen Wölfe kräftig gefeiert.

Im Trubel wollte Nici nur noch ganz weit weg von den anderen.Er lief so schnell er konnte über weite Felder und durch dunkle Wälder bis ihm seine Pfoten schmerzten.Hinter einem kleinen Busch rollte er sich winselnd ein.
Was sollte er nun machen?Wenn er zurück ging wurde von ihm erwartet weitere unschuldige Tiere zu töten!Das konnte er nicht noch einmal!
Aber wo sollte er nur hin?

Plötzlich vernahm er neben sich ein anderes Geschöpf.Er dachte ein anderer Wolf wäre ihm gefolgt,da er aus seinen Augenwinkeln ein graues Fell sah.Aber eigentlich war es ihm im Moment egal wer oder was es war.
Das fremde Geschöpf mit dem grauen Fell fragte ihn besorgt:"Was ist los mit Dir?"Schluchzend antwortete Nici ohne einen Augenkontakt zu suchen:"Ich mußte etwas Schreckliches tun,das ich eigentlich nicht wollte,nur weil es von mir erwartet wurde.Mir tut das so unendlich leid und ich wünschte ich könnte das wieder irgendwie gut machen!""Du bist anders wie die in Deinem Rudel oder?
Du hast deswegen Angst jemanden zu enttäuschen.Ich weiß genau wie Du Dich fühlst."
Nici sah nun dem Geschöpf in die Augen.doch was war das?
Verwundert stellte er fest das es ein Schäfchen mit grauem Fell war.Jetzt verstand er was es meinte.

Die anderen Schafe der Herde beobachteten dies aus sicherer Entfernung.Sie waren alle in erhöhter Alarmbereitschaft,denn ein Wolf war ja ein natürlicher Feind,und sei er noch so klein.So entfernten sie sich unauffällig immer wieder ein weiteres Stück.
Mit großen Tränen in den Augen,die ihm langsam über die Wangen kullerten,schmiegte sich Nici in die tröstenden Arme des Schäfchens.
Das echte Freundschaft in der Luft lag merkte nun auch die Schafherde,die sich wieder neugierig und erfürchtig dem ungleichem Paar näherte.
Anfangs wurde das Pärchen noch intensiv beäugt,doch nach einiger Zeit entspannte sich die Lage und es kehrte wieder ein wenig Normalität in die Herde ein.Wenn auch in vermeintlich sicherer Entfernung.
Wie unterschiedlich die zwei auch waren,sie teilten dennoch das gleiche Schicksal,nämlich anders zu sein wie die anderen.

Doch plötzlich hatte Nici ein seltsames Gefühl.Er fühlte sich auf irgendeine böse Art beobachtet.Als er sich umsah bemerkte er das sich von weitem sein Rudel anzuschleichen versuchte.Er kannte ja jetzt ihre Taktik.Er mußte seine ´neue Familie´irgendwie schützen.
Das war er seinem neuen Freund schuldig!
Er versuchte wie verwandelt auf die Schafherde zu wirken.Böse,agressiv,zu allem bereit.Den bösen Wolf spielen,der er ja eigentlich nicht sein wollte!
Der einzige Weg die Herde vor ihrem Verderben zu retten war, sie auf dem schnellst möglichen Weg zu vertreiben.
Sein verändertes Wesen erschreckte die Herde spontan,so das sie fluchtartig versuchten das Weite zu suchen.Das Schafchen war total verdutzt und lief deswegen als letzter los.Der Leitwolf war nun fast da und wollte sich gerade auf dieses stürzen,da sprang Nici sofort ohne zu zögern selbstlos dazwischen.Einmal im Leben wollte er das für ihn richtige machen.Er wurde wie eine Beute hart im Genick gepackt und herumgeschleudert,doch das war Nici in diesem Moment egal.Da die Herde und das Lämmchen nun in sicherer Entfernung war,lies der gepeinigte Wolf seine ganze Wut an Nici aus und richtete ihn auf übelste Weise zu.Die letzten Worte die er noch vernahm waren:"Laß Dich nie wieder bei uns blicken!"Dann wurde es ihm schwarz vor Augen.

Als er seine Augen öffnete fand er sich in Menschenhänden wieder.Seine schweren Wunden waren verbunden und er sah frisches Wasser und Nahrung vor sich.Das Schäfchen war ganz in seiner Nähe."Was ist passiert" fragte Nici schwach."Unser Hirte hatte uns beobachtet und Deinen tapferen Einsatz zur Rettung seiner Herde gesehen.Auch wenn Du ein Wolf bist,möchte er Dir eine Chance geben und Dich bei seinem Hirtenhund und uns haben.Sehen wie Du Dich so verhältsts.Weißt Du was das bedeutet?" fragte das Schäfchen mit
leuchtenden Augen.Nici mußte diese Frage nicht beantworten,sie wußten es bereits beide.
Nici war erleichtert den Worten seines Herzens gefolgt zu sein und schlief friedlich ein.



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