02.07.2008

Andrea Adventure

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Liebe Sophie,

 

Kennst du dieses Gefühl, wenn du über die Straße läufst und ein Auto kommt herangeprescht und du schaffst es gerade noch die andere Seite zu erreichen?

 

Ich kenne dieses Gefühl sehr gut, aber wenn mir  damals jemand erzählt hätte, dass es fahrende Maschinen gibt, die von Menschenhand gesteuert werden, hätte ich wahrscheinlich nur den Kopf geschüttelt und darüber gelacht.

 

Ich komme aus einem kleinen Dorf, fern von all dem Maschinen-Lärm und den Menschen, die keine Zeit mehr für die schönen Dinge im Leben haben. In unserem Dorf gab es eine kleine Schule in die wir gehen mussten um Schreiben und Lesen zu lernen. Mehr wurde uns nicht beigebracht. Man hatte uns nie erzählt, dass es weit hinter den schützenden Bergkuppen Menschen gab, die nicht mehr darauf angewiesen waren, Tag für Tag für ihr tägliches Brot auf Feldern und in den Küchen zu schuften. Meine Eltern waren früh an einer unheilbaren Lungenkrankheit gestorben und ich lebte mit meinem großen Bruder David in einem kleinen Haus, das sie uns hinterlassen hatten. Damals war ich erst 10 Jahre alt doch kannte ich meine Rolle in der Dorfgemeinde gut. David hatte sich nach dem Tod unserer Eltern um eine Arbeit bemüht. Es dauerte einige Zeit bis er bei einem Nachbarn als Schafhirte eingestellt wurde. Ich kümmerte mich derweil um das Haus und das Essen. Zwei Jahre lang lebten wir so ganz gut von unserer eigenen Arbeitskraft, doch dann geschah es.

 

David war einem Schaf gefolgt, das sich von der Herde entfernt hatte. Er folgte ihm über viele Stunden und fand es schließlich mit gebrochenem Vorderbein, nahe einer riesigen Felsspalte. David, der schon immer neugierig gewesen war ging einige Meter in die Felsspalte hinein und sah dort das Unglaubliche. Hunderte von leuchtenden Steinen habe er gesehen, erzählte er mir abends. Doch leider war dies auch schon das Ende von Davids toller Geschichte. Als er mit dem Schaf zurückkehrte und der Besitzer das gebrochene Vorderbein erkannte, wurde er wütend. Er verstieß David und verbaute ihm somit jegliche Möglichkeit in unserem Dorf jemals wieder Arbeit zu finden. David schien das nichts auszumachen. Ich sorgte mich um ihn. Er sprach nur noch von der sonderbaren Felsspalte, von der überwältigenden Schönheit der sonderbar glänzenden Steine und seinem Wunsch dorthin zurück zu kehren. Ich war überzeugt davon, dass er im Wahn sprach, doch ich irrte mich. Am nächsten Morgen stand er auf und richtete sich. Mit strahlenden Augen sagte er: „Ich werde jetzt einen dieser Steine holen! So dass jeder mir glauben wird!“ ich sah ihm nach. Ich hatte es nicht übers Herz gebracht ihn zurück zu halten.  Seit dem Tod unserer Eltern hatte ich ihn nicht mehr so glücklich gesehen, aber dennoch verließ mich dieses merkwürdige Gefühl nicht mehr. Als David am Abend nicht nach Hause kam, sorgte ich mich ein wenig, doch ich besonn mich darauf, dass er schon früher manchmal nicht nach Hause kam und ging schweren Herzens schlafen. Nach zwei Tagen machte ich mich auf den Weg ihn zu suchen. Die Dorfbewohner wollten mich zurückhalten, doch ich ließ nicht zu, dass sie mir das einzige, was ich noch wirklich hatte, kaputt redeten. Ich wollte David finden. Den Weg zu der Felsspalte fand ich spielend, David hatte die Nacht lang von nichts anderem geredet. Als ich ankam schauderte mir ein wenig vor der Spalte die nicht besonders einladend aussah. Hunderte von Spinnen hatten ihre Netze an den zackigen Rändern der Felsen gesponnen und nur widerwillig trat ich in das Dunkel, das sich vor mir aufbaute. Als ich durch den Eingang einige Meter gelaufen war, strahlten mir wunderschöne leuchtende Steine entgegen. Sie leuchteten in allen möglichen Farben und Formen.  Dann rief ich nach meinem Bruder, aber ich bekam keine Antwort. Meine Suche nach ihm trieb mich immer weiter  in die Spalte hinein. Ich war mir der zeit nicht mehr bewusst. Ich konnte nicht mehr bestimmen ob ich Stunden oder Tage unterwegs war. Ich hatte Hunger und meine Augen waren müde geworden. Ich lief noch ein Stück, dann legte ich mich auf den Boden und begann zu schlafen. Als ich aufwachte war ich umgeben von gleißend hellem Licht. Neben mir piepte eine komische Kiste und um mich standen viele unbekannte Gesichter. „Ist sie wach? Ist sie wach?“, hörte ich die Stimme meines Bruders durch das Wirrwarr der Eindrücke. Ich setzte mich auf und erkannte ihn. Ich sah ihm in die Augen und er strahlte. Die seltsamen Leute um mich herum ließen uns für einen Moment alleine. Dann erklärte er mir alles: „Wir sind nicht mehr in unserem Dorf. Das hier nennt man ein Krankenhaus. Diese Leute sind sehr nett, sie haben mich in der Höhle gefunden, als ich fast verhungert wäre. Andrea, das hier ist eine ganz andere Welt. Hier muss man nicht mehr selber Arbeiten, Es gibt Maschinen, die einem die Arbeit abnehmen, Das musst du sehen, es ist einfach wunderbar.“ Ich wunderte mich über alles was David erzählte. Als ich das Krankhaus endlich verlassen durfte, waren bereits drei Monate vergangen, seit dem Tag an dem ich mich aufmachte David zu suchen. Man sagte es sei ein Wunder gewesen, dass man uns in dem Bergstollen gefunden habe. In den Folgenden Jahren, lernte ich diese neue sonderbare Welt kennen. Sie war anders als die Welt die ich kannte. Sie war bequemer und auch einfacher. Aber dennoch war sie für mich Angst einflößender als alles andere.

Heute finde ich mich hier ganz gut zurecht. Doch wird mir immer noch mulmig bei dem Gedanken, dass eine Maschine, etwas das von Menschenhand gebaut wird, mir dem Menschen gefährlich werden kann.

Als man mir erzählte, dass man dich in einer ähnlichen Situation wie der meinen gefunden habe, entschied ich mich, mich um dich zu kümmern.  

Das war meine Geschichte, vielleicht bist du irgendwann so weit mir deine zu erzählen.

 

                                                                                    Andrea Adventure

 



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