Donnerstag, 24 Mai 2012
                                            Literaturportal - Gedanken sind frei
Literaturportal
Bescherung Folge unserem Portal auf Twitter  

Spiegelherz
(Autor: )




Von dieben und Königen

Piepmatz Design

Ich bemerkte nicht wie ich bei diesem Satz rot wurde, aber es veranlasste Tak zu einem Lächeln. Dann wandte er mir den Rücken zu und begann mich durch Lastia zu führen. Immer erschreckender wurde, dass ich Straßen erkannte und Gebäude wieder erkennen zu glaubte, die ich jedoch noch nie gesehen hatte. Obwohl ich Tak erst kurze Zeit kannte Vertraute ich ihm blindlings. Von ihm ging ein Gefühl von Ruhe aus, das sich schnell auf meine Stimmung und die Einstellung zu den Dieben auswirkte. Erst jetzt bemerkte ich, dass sein rechter Arm verbunden war, aber als ich den Grund erfahren wollte, schwieg er und ich merkte, dass ihm die Geschichte, wie es dazu kam, anscheinend peinlich war. Er zog sich den Ärmel seines Hemdes zu Recht und zog mich unermüdlich weiter durch die Gassen der zerfallenen Stadt. Je weiter Tak mich durch die Ruine führte, desto verwinkelter wurden die Gassen und umso bekannter wurden sie mir. Dann hielten wir plötzlich vor einer großen Villa, die einst einem bedeutenden Bürger Lastias gehören musste. An der Stelle, an der sich eine Eingangstür befinden sollte stand ein großer Spiegel. Nicht nur vor der Tür, auch vor den Fenstern hingen silbern leuchtende Spiegel. Ich hatte schon viele Spiegel gesehen, aber keiner war so strahlend klar wie dieser vor dem Eingangsportal. Als Tak meinen neugierigen Blick erkannte sagte er: „Sie sind Schutz gegen die Magier und Militaristen. Du solltest wissen, dass ein Spiegel davor schützt von den Magiern gesehen zu werden, aber leider trifft das nicht mehr auf alle Spiegel zu. Früher hatten alle Spiegel etwas Magisches an sich, weil nur Sandelfen in der Verbindung mit Feuerelfen Spiegelglas herstellen konnten, aber seid die Elfen verschwunden sind stellen die Zwerge alle Spiegel des Königreiches her, aber es sind nur Imitate ohne jegliche Magie. Bregon erzählte mir, dass dies hier die letzten magischen Spiegel sind. Der große dort vorne ist aus dem Palast. Eines der Stücke, das Bregon schon seit 12 Jahren besitzt.“ Er deutete dabei auf den großen Spiegel. Ich betrachtete mir den Spiegel näher. Im Palast hatte es also auch Elfenmagie gegeben. Der Spiegel war in einen Rahmen aus dunklem Eichenholz eingelassen und reich verziert. Das Zierwerk sah aus, wie das Astwerk eines lebenden Baumes und erweckte den Anschein über die Spiegelfläche zu wachsen. „Was wollen wir denn hier?“ fragte ich den Jungen, da ich nicht verstand was das Gebäude vor mir bedeutete. Tak wies auf den Spiegel und sagte: „Ein Gönner der Diebesgilde kann hindurch gehen ohne Furcht, ein Feind der Gilde wird abgewiesen, so ist das Gesetzt des Spiegels der Tränen.“ Ich blickte ihn verdutzt an, doch er nickte nur. Ich sah noch einmal den Spiegel an. Zögerlich berührte ich den Rahmen des Spiegels und ließ schließlich meine Finger über das Glas streifen. Erschrocken zog ich meine Hand zurück, als sie im Spiegelglas einsank. Tag lachte nun aus vollem Halse. Für ihn war das Durchqueren von magischen Spiegeln etwas alltägliches, aber für mich war es doch sehr erschreckend. Dann schob Tak mich in den magischen Durchgang. Er nahm mich bei der Hand und führte mich durch neblige Schwaden, deren  hinter denen dunkle Schatten zu erkennen waren. Ich schloss die Augen. Als ich sie wieder öffnete befand ich mich in einer riesigen Vorhalle voller unbekannter Gesichter, von dem eins furchterregender aussah als das andere, die mich erstaunt anstarrten.  Ich schrie auf, worauf hin Cascade aus meiner Tasche schnellte und um Tak und mich eine Wand aus Wasser aufbaute. Ich staunte nicht schlecht, als ich das Wasser vor meinen Augen geradewegs an die Decke sprudeln sah. Hinter dem Wasservorhang ging ein raunendes Flüstern um. Ich hörte jemanden rufen: „Hey Tak deine neue Freundin scheint ein kleiner Feigling zu sein!“  Ich beachtete den Ruf nicht, doch Tak schien es wütend zu machen. Ich wusste, dass wer immer auch gerufen hatte, Tak mit seinem Kommentar in Rage brachte. Ich wusste, dass ich ihn nicht bei mir halten konnte, wenn sich die Sache nicht sofort klärte. Ich wollte keinesfalls alleine in der Menge unbekannter Gesichter sein.  Ich befahl Cascade: „Lass das, ich bin nur erschrocken, ich gehe schließlich nicht jeden Tag durch Spiegel, reiß dich zusammen!“ Cascade hörte nicht und baute sich nun in Kampfstellung vor mir auf, als plötzlich der Wasservorhang vor mir in einen  faserigen Nebel verdampfte. Ein Mädchen mit einer Feuer Elfestand nun vor mir und rümpfte die Nase. Ich sah ihr tief in die Augen und wich ihrem prüfenden Blick nicht aus, dann sagte sie an Tak gewandt: „Tak, Bregon sucht dich, er klang ziemlich sauer! Stell ihm doch gleich die Neue vor.“ Dann drehte sie uns den Rücken zu und rief: „Incendie genug!“ Die Feuerelfe kehrte uns den Rücken und flog dem Mädchen hinterher.  Tak zeigte mir eine Tür, die wir eilig durchquerten.  Hinter der Tür befand sich ein rundlicher Raum in dem nur ein Sessel vor einem alten Kamin stand. Durch das fast abgebrannte Feuer war der Raum nur spärlich beleuchtet und der erste Eindruck hatte etwas Düsteres auf mich.  Ich betrachtete den Kamin auf dem ein Kerzenhalter stand, dessen Kerze schon längst verloschen war. Über dem Kamin hing ein Bild, es zeigte einen Mann mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm. Ich betrachtete das Bild lange und wandte meinen Blick erst ab, als Tak mich ansprach: „Du bist echt mutig, hätte ich von einem Engel wie dir nie gedacht! Niemand hatte es bisher gewagt Jaara die Stirn zu bieten. Sie ist eine der Stärksten hier aus der Gilde. Vor etwa 3 Jahren kam sie von Hoterme hier her.“ Dann rief er in den Raum: „Bregon, ich habe deine Anwesenheit längst bemerkt, begrüßt der Graf von Lariates so etwa seine Gäste?“ Er klang etwas verärgert. Ich hatte niemanden bemerkt, der sich im Raum befand, als ich plötzlich spürte, wie Magie wirkte und ein Alter Mann im Sessel vor dem Kamin erschien.  Ein kleiner Dunkelelf flog auf Tak zu und begrüßte ihn freundlich. Nun wusste ich was das Gefühl war, das ich hatte, als ich mit Tak Lastia durchquerte. Es war das Band zu seinem Seelenpartner, das ich gespürt hatte oder war es vielleicht mehr? Nun schenkte ich dem Alten Mann in dem Sessel meine volle Aufmerksamkeit. Ich spürte seine Blicke in meinem Nacken und wollte nicht unhöflich wirken. Als ich in seine Augen sah, kam mir ein Bild in den Sinn, das in seiner Erscheinungsart dem ersten Bild beim Anblick Lastias glich.  Ich sah diesen Mann, wie er von oben auf mich herab sah und lächelte. Ich  hörte ihn sagen: „Mein liebes Patenkind, dieser Spiegelkristall soll dir für immer Glück bringen, trage ihn stets bei dir und vergiss niemals, wer du bist!“ Ebenso schnell wie das Bild gekommen war verschwand es.  Ich hatte nicht bemerkt wie ich mit meiner Hand an den Anhänger meiner Halskette fasste. Ich wiederholte die Worte, die mir noch immer in den Ohren schallten. Bregon sprang auf und ging auf mich zu. „Zeig mir das doch bitte mal, was du um den Hals trägst!“ sagte er freundlich und ein Blick in Takatos Richtung verriet mir, dass ich keine Angst haben musste. Ich legte Bregon die Kette in die Hände. Es war das einzig wirklich wertvolle, das ich besaß. Ein Kleinod, das mich schon mein Leben lang begleitete, doch kannte ich weder seine Herkunft noch seine Bedeutung.  Tak riss weit die Augen auf, als er den Spiegelkristall erkannte. Dann sprangen seine Blicke von mir zu dem alten Mann. Der Mann nickte, als er Taks Blick bemerkt hatte, woraufhin Tak den Raum verließ. Obwohl mir unwohl dabei war mit dem alten Mann alleine zu sein, hinderte ich Tak nicht am Verlassen des Raumes stattdessen sah ich tief in die Augen des Mannes. Er sah freundlich zurück und begann mich nach dem Kristall auszufragen: „ Woher hast du diesen Stein mein Kind?“ Ich antwortete ihm wahrheitsgetreu. Da ich nicht wusste woher ich ihn hatte, noch was er bedeutete, war das nicht schwer. Bregon lächelte: „Dann will ich dir etwas über diesen Stein erzählen meine Liebe. Dieser Stein ist so alt wie das Königreich Lorian selbst. Er ist das Vermächtnis der Königsfamilie Lastias. Es gibt nur 4 Steine dieser Art auf der ganzen Welt. Einen trug ich einst. Einen trug König Dakion. Einen trug Königin Alkena. Und einen schenkte ich meiner Nichte an ihrem dritten Geburtstag heute vor 12 Jahren.“ Ich horchte auf. Ich hatte seinen Worten gelauscht. Während der Ereignisse der letzten Tage hatte ich völlig vergessen, dass heute mein Geburtstag war.  Auch Cascade hatte es vergessen, was aber daran lag, dass Elfen eine andere Zeitrechnung haben als wir Menschen. Bregon sprach weiter: „ Auch du hast heute Geburtstag nicht war? Fünfzehn Jahre wirst du heute.“ Ich starrte ihn erschrocken an. „Woher wissen sie das?“, fragte ich in beunruhigtem Ton. Die Antwort kam auf die letzte ausgesprochene Silbe:“ Aijako, ich weiß viel über ich. Zumindest bis zu deinem Verschwinden aus Lastia. Ich hielt dich für Tot, wie deine Eltern … doch nun habe ich wieder Hoffnung! Lorian und Lastia haben ihren Stern wieder.“ Ich verstand ihn nicht. Er erklärte: „ Ich bin Bregon von Lariates, der Bruder des ehemaligen König Dakion und du… du bist meine Nichte Prinzessin Aijako von Lorian, Tochter von König Dakion und Königin Alkena. Der Spiegelkristall ist der eindeutige Beweis dafür. Diese Insignie ist an königliches Blut gebunden. Wärst du keine Erbin des Könighauses könntest du es nicht tragen, es wäre eine zu schwere Bürde für einen normalen Menschen.“ Ich traute meinen Ohren nicht, ich sollte eine Prinzessin sein: „Wie kann ich denn eine Prinzessin sein? Eine Prinzessin ist zu Großem geboren, aber ich kann nichts Großes erschaffen.“, zweifelte ich die Worte Bregons an.  Er schmunzelte: „Das sagte deine Mutter auch, bevor sie das Königinnendasein antrat. Und König hat Großes vollbracht, sie gab dem Volk in der schweren Kriegszeit Hoffnung und diese Hoffnung gibt sie dem Volk auch heute noch durch ihre Geschichten. Auch du wirst Großes vollbringen glaube mir. Großes muss nicht immer alleine vollbracht werden.  Und du meine Liebe bist nicht länger alleine!“ In diesem Moment öffnete sich die Tür. Ich drehte mich um und beobachtete drei Leute den Raum betreten.  Es waren Tak Jaara und ein Mädchen, das ich noch nicht kannte. Sie traten neben mich ehe Bregon weiter sprach: „Diese Drei sind Elfenflüsterer wie du, doch sind sie anders. Durch deine Adern fließt königliches Blut, dies war es auch, das deine Wächter nach Lastia rief. Zu deiner Geburt wurden dir sechs Wächter zugeteilt Jaara ist deine Wächterin des Feuers.  Sie kontrolliert mit ihrer Elfe Incendie das Feuer wie kein anderer. Zudem ist sie eine Meisterin des Schwertkampfes. Sie kämpft mir zwei Schwertern und wird dich beschützen.“ Ich sah Jaara an. Auch ich erkannte nun die beiden Schwerter, die sie an ihrem Gürtel befestigt hatte.  Nun schwenkte ich meinen Blick auf das zweite Mädchen. „Calina“, warf Bregon ein „kommt aus Shadoras,  mit ihrer Elfe Obscura kontrolliert sie die Schatten der Zeit. Sie beschwört mit ihrem Stab die Geister der Vergangenheit und setzt sich mit ihren Schicksalen auseinander um aus ihren Fehlern zu lernen und ihre Kräfte eines Tages zu übernehmen.  Takato trägt kein Element. Er als Bürger Lastias kann mit seinem Stadtelf Butin alle Orte auskundschaften und kann Anhand seiner Kenntnisse bestimmen welche Elfenkräfte man kontrollieren kann.“ Ich schauderte. Mekron hatte mir einst erzählt, dass auch die Magier keine Elemente trugen. Das war einer der Gründe, die sie so mächtig machte.  Aber Tak ließ mich nicht erschaudern. Es war der Gedanke an die Magier und ihre Gefolgschaft die mich deshalb erschaudern ließen. Dann sah ich die Angst in Takatos Augen. Es schien als hätte er Angst vor seinen eigenen Kräften, doch ich konnte nicht herausfinden weswegen das so war. Calina beobachtete mit Adleraugen jede meiner Gestiken. Dann tippte sie Jaara an und verließ zusammen mit ihr den Raum. Als ich bemerkte, dass ihr Verlassen nichts mit mir sondern mit Bregons Bitte zu tun hatte, blickte ich Bregon fragend an. Ich verstand nicht, wieso er die beiden aus dem Raum schickte, da ich sie eben erst kennengelernt hatte. Dann erhob Bregon seine Stimme und Sprach weiter: „Sicherlich ist Taks Gabe furchteinflößend für dich Aijako, doch auch er hat Angst vor sich selbst. Tak erzähl Aijako doch weshalb du den Verband trägst, sie muss es wissen.“ Ich sah Tak an. Ich hatte ihn schon einmal auf den Verband angesprochen, doch hatte ich keine Antwort bekommen. Ich war erstaunt, als er mir erzählte, dass er sich mit einer Schar Karibons angelegt hatte. Karibons waren rücksichtslose, dennoch feige Vampire, die immer in Gruppen angriffen. Jeder der magische Kräfte hatte, wusste, dass man sich ihnen nicht nähern sollte, denn sie saugten jegliche Magie aus den Körpern ihrer Opfer und mit ihrer Magie verblassen die Gestalten, die sich ihnen näherten. Bregon gab mir meinen Spiegelkristall zurück und weiß Tak an, seinen Verband abzunehmen. Nach langem Erwehren gab Tak nach und zeigte mir die Wunde, die über den Arm gebrannt war.  Tak blickte mich erstaunt an, als er merkte, dass ich keine Angst vor der Verletzung hatte. Ich streckte meine Finger aus um sie zu berühren, doch Tak hielt mich davon ab indem er den Arm zurückriss. Dann erkante ich die Leere in seinem Blick. Ich ging auf ihn zu. Ich drängte ihn an die Wand des Raumes um seine Wunde zu berühren. Ich wusste nicht warum ich es tat. Doch war es das Richtige. In dem Moment als ich Taks Wunde berührte, schloss sie sich. Es blieb keine Narbe zurück, nichts, was je auf eine Wunde hätte schließen lassen. Dann schoss etwas aus der Deck e des Raumes auf Tak herab. Ich erkannte in einer hellen Lichtkugel einen weiteren Spiegelkristall. Bregon nickte zufrieden und raunte vor sich hin: „Hatte ich es doch all die Jahre gewusst. Die Sterne über Lastia werden bald wieder leuchten und sie bringen Hoffnung und Frieden mit sich, wie Lyllewyn es vorhergesagt hatte.“ Die Leere in Taks Augen wich und er blickte mich mit großen Augen an. Er selbst verstand nicht was geschehen war, doch ich lächelte nur zuversichtlich. Er war mehr als nur ein normaler Elfenflüsterer. Er war wie ich auserwählt den Spiegelkristall zu tragen. Mich wunderte das sehr da er nicht aus der königlichen Familie stammte, aber ich hatte im Moment kein Interesse daran zu erfragen, wie es dazu kam. Ich war froh mit der Bürde des Spiegelkristalls nicht alleine zu sein. Niemand hätte das im Moment verstehen können, also kostete ich den Moment aus. Ich wollte ihn nicht mit falschen Worten ruinieren. Aber Bregon schien das nicht zu verstehen, dann er sagte: „Eure Pflicht wird es sein, das Königreich wieder zu befreien. Ihr werdet eine lange Reise machen müssen, ehe ihr in der Lage dazu seid, doch wird diese Reise alle Kräfte der Spiegelkristalle offenbaren. Ihr werdet Lyllewyn, Alixa und Florin finden müssen, ohne sie geht es nicht. Sie werden euch die Kräfte der Elfen lehren, auch sie sind Bestandteil der Macht der Könige. Jedes Mal wenn ihr eine der Gaben der Könige oder eine der Kräfte des Spiegelkristalls erlernt, leuchten die Kristalle auf. Sie zeigen euch den Weg in der Dunkelheit zurück ins Licht und sie werden euch immer Beschützen, solange sie nicht in die Blutgetränkten Hände der Magier fallen. Das Kleinod der Könige geht somit an die nächste Generation über und  gewinnt das Licht der Hoffnung zurück durch die Erbin des Königs Dakion und seiner Gattin Alkena und dem Sohn des Lord Jaldrian von Lamystra.“ Auch Tak wurde neugierig als Bregon vom Jaldrian von Lamystra sprach. Ich verstand aus Bregons Worten, dass Tak der Sohn dieses legendären Mannes war, doch Tak schien das ebenso wenig zu wissen, wie ich, dass ich die Prinzessin von Lastia war.

 






Ihr Kommentar ...



security code