Donnerstag, 24 Mai 2012
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Spiegelherz
(Autor: )




Vom Waldflüstern

Piepmatz Design

Ich war in Gedanken verloren. Es war etwas geschehen, das ich nicht kontrollieren konnte. Dieser Gedanke machte mich hilflos und schwach. Ich hatte in den wenigen Minuten alles verloren für das es sich zu kämpfen lohnte. Alleine war ich nicht in der Lage den anderen zu helfen, noch konnte ich ungeschehen machen, was Tak geschehen war. Ich konnte nicht umhin in Tränen auszubrechen. Es war zu viel für mich allein, also hörte ich auf zu rennen. Langsam sank ich auf den moosigen Boden die Erschöpfung spürend. Mir war bewusst geworden, dass meine Beine mich nicht weiter tragen würden, nicht jetzt, nicht hier. Noch hatte ich nicht bemerkt, dass ich schon viele Kilometer hinter mir gelassen hatte und der drohende Wasserfall längst außer Sichtweite gekommen war. Ich legte mich hin und ruhte meine Beine aus während der Tag anbrach. Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf die Stimmen des Waldes. Ich hörte das ruhige Zwitschern der Vögel, das sanfte Rauschen der Blätter im Wind, das sanfte Fließen einer Quelle, unter normalen Umständen hätten mich diese Geräusche zur Ruhe gebracht, doch das Geschehene konnte nicht einmal von der völligen Harmonie aus meinen Gedanken vertrieben werden. Ich schlief ein. Im Traum wiederholten sich noch einmal die schrecklichen Geschehnisse der letzten Stunden. Demrion, der mich von der Klippe stürzte. Tak, der mir hinterher sprang, die Zweifelhaftigkeit seiner Unversehrtheit und dann das bösartige Brüllen Demrions der erkannte, dass ich den Sturz überlebt hatte. Und danach meine Flucht. Erschrocken wachte ich auf. Die Sonne stand schon hoch am Himmel als ich den Spiegelkristall in meiner Hand entdeckte. Ich hatte ihn so fest umklammert, dass sich seine Kanten in meiner Hand abgezeichnet hatten. Sofort wurde mir klar, das Tak geahnt hatte was geschehen würde. Ihm war klar, dass die Magier einen von uns gefangen nehmen würden. Plötzlich war ich wütend auf ihn, Ohne mir eine Wahl zu lassen hatte er entschieden, dass ich nicht in die Hände der Magier fallen durfte.  Ich konnte mir diese Wut nicht erklären. Fassungslosigkeit übermannte das Gefühl, weshalb hatte er das getan, weshalb er? Ich wollte eine Erklärung dafür haben. Ich stand auf, doch noch waren meine Beine zu schwach mich zu tragen. Ich fiel rücklings gegen eine alte Eiche, die sehr ehrwürdig über den anderen Bäumen thronte. Als ich die Eiche betrachtet fielen mir vor allem die großen starken Wurzeln auf.  Die umliegenden Bäume waren nicht so gesund wie dieser Baum und machten auch keinen so stattlichen Eindruck. Ich erschrak fürchterlich als plötzlich eine Stimme ertönte und anmerkte: „Während all die Bäume hier das Kämpfen aufgegeben haben, will diese Eichen den Lebensgeistern noch nicht abschwören. So wie du Aijako. Silka ist der älteste Baum hier, er hat schon viel erlebt in den 150 Jahren, in denen er hier steht.“ Die Stimme kam mir bekannt vor. Ich wandte meinen Blick von dem Baum und ließ ihn über das Gelände streifen: Hängen blieb er schließlich an dem reich verzierten Umhang mit Goldstickereien. Mein Blick wanderte auf das freundliche Gesicht, das mir nun entgegen lächelt. „Meine liebe Aijako, das ganze Königreich spricht von dir, was hast du nur wieder angestellt? In den Palast einbrechen und einen Elfenflüsterer befreien, ist es das was du unter einer friedlichen Lösung verstehst??“ warf er mir scherzhaft vor. „Bregon ist tot. Es war die einzige Möglichkeit, die wir hatten.“ Rechtfertigte ich mich.  „Mekron, war es die richtige Entscheidung Quellsore zu verlassen?“ wollte ich nun von dem weisen Mann wissen. „Ja, die richtige Entscheidung zum richtige Zeitpunkt. Auf meiner Reise hierher habe ich viele Menschen gesehen, die wieder lachen, also etwas tun, was sie die letzten 12 Jahre nicht getan haben. Und auch die Lebensgeister hier im Wald spüren die Hoffnung der Menschen, sie bemühen sich nun wieder um ihre Welt. Erinnerst du dich an den Kirschbaum, der in den letzte Jahren nicht mehr blühen wollte?“ Ich nickte. Der Baum war in voller Blüte gestanden, doch seit einigen Jahren blühte er nicht mehr und ohne Blüten trug er auch keine Kirschen mehr. „Zum Frühlingsfest vor einigen Tagen trug er die ersten Blüten seid Jahren, die Mensch atmen auf meine Liebe. Überall erwachen die Leute zu neuem Leben und mit ihnen erwacht die Natur. So viele stehen hinter dir, du bist nicht alleine. Und wenn die Zeit gekommen ist werden auch die Wälder in die Schlacht ziehen.“, zeigte er mir. Mir brannte eine Frage auf der Zunge, stärker denn je: „Du bist ein Waldflüsterer, einer der wenigen, die den Wald verstehen, oder?“ Er sah mich fassungslos an. Ihm war anzusehen, dass es eines der Mysterien war, die lieber unausgesprochen bleiben sollten, doch ich hatte keine Zeit lange Rücksicht darauf zu nehmen: „Mekron, du musst mir helfen, bring mich zur Matriarch der Waldflüsterer, ich bitte dich, noch ist es nicht zu spät zu kämpfen.  Alles was mir so lange verschwiegen worden ist muss doch einen Sinn gehabt haben. Bitte, ich muss versuchen meine Freunde zu retten.“ Ich sah wie Mekron bei meinem letzten Wort merklich zusammen fuhr. In Quellsore hatte ich keine Freunde. Ich war immer außen vorgelassen worden, das hatten schon die Kleinsten unter den Kindern bemerkt. Doch bis vor kurzem störte mich das gar nicht. Aber nun, in dem Moment, wo der neueste und beste teil meines Lebens zu verschwinden drohte, flehte ich den Mann an, zudem ich jahrelang aufgesehen hatte und der jahrelang ein fester Teil meines Lebens war. Fiel es mir schwer? Ein wenig, doch das Ziel, das ich damit erreichen wollte, war dieses kleine Opfer wert. Da ich nie gelernt hatte um einen Gefallen zu bitten, empfand ich es als Opfer, denn ich musste zugeben, das ich nicht stark genug war etwas selbst zu erledigen, das machte mich angreifbar und verletzlich. Aber durch Tak hatte ich gelernt, dass man seine Schwächen zugeben darf, denn nur so kann man stärker werden. Dann sagte ich zu Mekron: „Ich habe verstanden, was du mir all die Jahre über sagen wolltest. Man ist nicht schwach, wenn man eine Schwäche zeigt, sondern man zeigt, dass man stark ist. Und ich bin stark geworden, durch diese Menschen, sie haben mich aufgebaut nach Bregons Tod und waren für mich da. Mekron, mein Herz hängt an ihnen. Es würde zerspringen, wenn ich nicht alles versuchen würde sie zu retten. Die Wälder haben keine Zeit mehr lange zu zögern. Sie müssen jetzt in die Schlacht ziehen!“ Mekron nickte förmlich, wandte mir den Rücken zu und verschwand zwischen den Bäumen. Ich sah dem Schatten hinter her, doch der Schemen wurde heller und heller und verschwand schließlich. Was war geschehen? Ein Frage, die ich mir nicht erklären konnte. Plötzlich hörte ich hinter mir das Rascheln der Blätter. Ehe ich handeln konnte, riss mich eine starke Kraft von den Füßen. In der Luft hängend, erkannte ich unter mir eine Frau mit roten Haaren einem zarten Gesicht und grasgrüner Kleidung. Die Frau hatte etwas einer Waladras Elfe, doch war ihre Art anders. Mit ihren endlos tiefen Augen sah sie mich an. Ich verfing mich in ihrem Blick und wollte ihr aus vollem Herzen alles anvertrauen, das mich bekümmerte.  Als mich ihr Blick bannte, konnte ich meine Gedanken nicht mehr in Worte fassen. Ich fiel in das Dunkel ihrer Augen immer tiefer und tiefer, bis ich mich selbst letztlich ganz darin verlor. Als ich das Bewusst sein wieder erlangt hatte, befand ich mich in einer Hütte. Nur schwer konnte ich mich an die Geschehnisse der letzten Tage erinnern. Ich fühlte eine Lücke in meinem Gedächtnis, doch fand ich nichts, womit ich sie auffüllen konnte. Ich wusste, dass ich von meinen Freunden getrennt worden war, doch wusste ich genau, dass sie in Sicherheit waren. Mir wurde etwas mulmig bei diesem Gedanken, doch zweifelte ich nicht daran. Neugierig verließ ich die Hütte um zu sehen an welchen Ort meine Füße mich getragen hatten. Ein Dorf aus kleinen Waldhütten lächelte mir entgegen. Spielende Kinder liefen mir zu. Ein kleines Mädchen von etwa sieben Jahren lächelte mir mit einer Zahnlücke entgegen und frage: „Spielst du mit uns Prinzessin Aijako?“ Mich erstaunte, dass mich das Kind als Prinzessin erkannte, immerhin war ich in den letzten zwölf Jahren verschwunden gewesen. Während ich mit dem Mädchen sprach, beobachtete ich einen alten Mann, wie er mit der seltsamen Frau redete. Ich bemerkte, dass er sie nie direkt ansah und wunderte mich, was wohl der Grund für diese merkwürdige Geste sei. Als die Frau meinen Blick bemerkte, deutete sie mit dem Finger auf einen Brunnen, den ich erst durch ihre banale Gestik ins Auge fassen zu schien. Weshalb hatte ich ihn zuvor nicht bemerkt, schoss es mir durch den Kopf. Ich lief auf den Brunnen zu und roch bereits den angenehmen Duft des Wassers. Als ich meine Finger in das kühle Nass tauchte, hörte ich das zarte Lachen meiner Elfe. „Cascade, du bist hier!“, sprudelten die Worte aus meinem Mund. Aus dem Wasser schoss die kleine Elfe auf mich zu und setze mir zärtlich einen Kuss auf die Wange. „Wir alle sind hier! Alyria hat uns gepflegt nach dem Angriff der Magier, auch dich hat sie geheilt!“ Cascade deutete mit dem Finger auf die merkwürdige Frau. Schlagartig wurde mir bewusst, dass Mekron mich zur Matriarchin geführt hatte. Nun ging Alyria langsam auf mich zu und knickste nieder. Die umherstehenden Leute taten es ihr gleich. Ein Staunen ging um. Aus den Wortfetzen die an mein Ohr drangen, hörte ich heraus, dass sich Alyria niemals zuvor vor einem Menschen verbeugt hatte. Als ich sah, wie die Menschen reagierten, bat ich sie sich zu erheben und mir Auge in Auge entgegen zutreten. Jubel brach auf meine Geste hin aus. Ich war überrascht man feierte mich für meine Güte, den magischen Wesen gegenüber. Ich genoss die lobenden Worte der Umherstehenden. Während sich die Menschensammlung langsam wieder zerstreute, wollte ich nach dem Spiegelkristall an meiner Kette greifen. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich sie nicht mehr um meinen Hals trug. Panisch suchte ich mit den Fingern meinen Hals ab, doch änderte es nichts daran, dass der Spiegelkristall verschwunden war.  Plötzlich hörte ich eine weibliche Stimme durch meine Gedanken dringen: „Der Kristall ist in Sicherheit! Auch du bist nun sicher, das tödliche Gift, dass der Kristall die letzten Tage über abgegeben hat, hat nun seine Wirkung verloren!“ Ich sah mich um, konnte jedoch nur Alyria ins Auge fassen. War es ihre Stimme, fragte ich mich. Ich hatte ihre Stimme zuvor nie gehört. Sie schmunzelte als sie meine Verwirrung erkannte und löste das Rätsel für mich. „Ja, ich habe zu dir gesprochen“, sagte sie mit klaren ausformulierten Worten und sah mir dabei tief in die Augen.  Ohne meine Frage ausgesprochen zu haben, gab sie mir die Antwort: „Ich bin kein Elfenflüsterer und auch habe ich keinen Spiegelkristall. Du kannst mich verstehen, weil du schon als kleines Kind, als Teil unserer Welt angenommen wurdest. Ich war damals noch Anwärterin auf das Matriarchat und habe schon damals deine enormen Kräfte bestaunt. Der Wald war zu dir wie ein offenes Buch, du hast jedes Wort verstanden und deshalb, verstehst du mich auch heute, wenn ich im Forêtan spreche.“ Mit jedem ihrer Worte, zerfetzten sie meine Gedanken und sie zerplatzen wie Seifenblasen.  Welchen Gedanken ich mir auch immer gespannt hatte, so kannte sie die Antwort darauf. „Die Sprache der Waldflüsterer? Ich soll sie verstehen ich? Aber wie?“, fragte ich lauthals ohne darüber nachzudenken. Wieder lächelte sie nur und sagte: „Weil wir wussten, dass du uns eines Tages retten würdest. Es ist ein Teil der Magie, die dein Leben bestimmt kleine Aijako. Wir mussten dir diese Gabe geben. Denn du bist die Königin, auf die wir schon solange warten. Jeden Schritt den du gehst, jeden Laut den von dir gibst, jede Träne, bewegt etwas in dieser Welt, denn du bist diese Welt. Es klingt kompliziert, ich weiß, und es gibt nur einen Weg all das zu verstehen, du musst das Waldflüstern lernen!“ Alyria hatte völlig Recht, es war kompliziert zu verstehen und ich war mir nicht sicher, was sie von mir erwartete. Wieder versuchte ich meine Gedanken in klare Linien zu fassen, doch gelingen wollte es mir einfach nicht. „Wo ist mein Kristall?“, wollte ich aus heiterem Himmel wissen, „und was bedeutet, er habe mich vergiftet?“ Alyria war anzusehen, dass sie dieses Mal keine passende Antwort hatte. Langsam und stockend versuchte sie mir zu erklären: „Nicht dein Kristall, hatte dich vergiftet, der zweite, den du bei dir trugst, rieft nach seinem rechtmäßigen Besitzer  und erkannte dich als einen Feind.“ Dieses Mal fiel es mir nicht schwer meine Gedanken in Worte zu fassen: „Ein zweiter Kristall? Wessen Kristall ist das?“ Bei meinen eigenen Worten lief es mir kalt den Rücken hinunter, ich hatte keinerlei Erinnerungen an einen weiteren Spiegelkristall. Aus dem Schatten einer Hütte hörte ich ein Stimme, die ich als Mekrons erkennen konnte: „Alyria, was hast du getan? Bitte… Bitte sag mir, dass du nicht getan hast was ich denke!“ Sein stechender Blick traf Alyria direkt, doch sie wich ihm nicht, mied seinen Blick und sagte: „Nur so können wir diesen Krieg beenden!“ Erst wurde Mekron bleich, dann wurde seine Miene wutverzerrt.    

Totenstille brach an. Ich wusste nicht, was um mich geschah, sicherlich redeten die beiden in Forêtan. Mein Kopf war in einem sumpfigen Meer nebliger Gedanken gefangen. Mit einer tiefen Stimme sagte ich dann: „Alyria gib sie mir. Gib mir die Spiegelkristalle.“ Sie sah mich entgeistert an. Hatte sie etwa nicht damit gerechnet, dass ich kommen und ihr etwas entgegensetzen würde? Mir war es egal, ich wollte den Spiegelkristall in Händen halten. „Ich werde ihn dir nicht geben.“, sagte sie mit heißerer Stimme und verzog dabei die Mundwinkel „Erst wenn du das Waldflüstern, also das Gegenstück zum Navial beherrschst kann ich dir diesen verteufelten Kristall wieder in die Hände geben. Bitte versteh doch, du bist seiner Macht noch nicht gewachsen. Wir hatten nicht genug Zeit es dir zu lehren, doch nun müssen wir uns diese Zeit nehmen. Versteh das doch bitte. Der Prophezeiung nach heißt es: …“ Mekron stürmte nun auf sie zu und versuchte sie abzuhalten ihre Gedanken auszusprechen, doch er stürzte als zwei Wurzeln sich um seine Füße wanden und ihn ruckartig zurückhielten. „Tu es nicht Alyria, tu es nicht!“, flehte er. Ich hatte ihn noch nie so besorgt gesehen. Doch sie ließ sich nicht zurückhalten. „dass der Krieg nur beendet werden kann, wenn du die Kräfte aller Elemente beherrscht. Das kann nur gelingen wenn du in Harmonie mit der Welt, von der du diese Kräfte bekommst stehst. Du musst das Forêtan lernen, so wie du das Navial gelernt hast.“ Sie sah mich bei ihren Worten nicht an. Ich hatte ihre Worte klar und deutlich verstanden, doch konnte ich mir keinen Reim darauf machen. In mir kochte die Wut auf Alyria nur vor sich hin als Mekrons stimme plötzlich zu mir durchdrang: „Du kannst es doch schon längst meine Liebe. Du musst nur auf dein Herz hören, ich habe dir gezeigt wie. Alyria hat dir etwas genommen, was sie dir niemals hätte nehmen dürfen! Du kannst es aber nur zurück erlangen, wenn du das Forêtan beherrscht! Tu es, ich weiß dass du es kannst!“ Mekrons Worte kamen mir bekannt vor. Ich selbst hatte sie einmal gesagt. Ich versuchte mich an die Zeit in Quellsore zu erinnern. Schon einmal hatte ich das Forêtan gehört. Ich war mir nun sicher, dass Mekron Recht hatte. Ich legte meine Hand auf den Boden atmete tief ein und wieder aus. Es dauerte eine kurze Weile, bis ich in einen gleichmäßigen Rhythmus gekommen war, doch dann spürte ich das ruhige Beben der Erde und hörte die leise Stimme die sagte: „Eine solange Vergangenheit hat alles hier. Ein jedes Holz, ein jeder Stein. Sie alle haben eine Stimme. Höre sie, es ist dir bestimmt.“ Als ich die Augen aufschlug, fühlte ich Alyrias Angst. Ich hatte innerhalb weniger Augenblicke beweisen, dass ich das Waldflüstern beherrschte. Ich erhob mich. Währenddessen flehte Alyria mit ihren Augen um Vergebung. Ich wandte meinen Blick von ihr löste mit einer Handbewegung Mekrons Fesseln und half ihm auf. Mit einem letzten Blick zurück sagte ich zu Alyria: „Niemand geht auf diese Art mit meinen Freunden um, auch du, die du mir gleichgestellt bist nicht! Lass die Vergangenheit ruhen, mit Gewalt wirst du deine Tochter nicht rächen können. Denk an dein Volk es braucht dich so wie mich meine ganze Welt braucht. Deine Tochter wurde geliebt und sie wurde zum Opfer dieser Liebe, weil sie eben diese aus der Geborgenheit hier hinaus in die Welt tragen wollte. Sie hat die Prophezeiung mehr als verstanden! Gib mir den Kristall zurück, ohne ihn kann ich mich nicht retten! Verteufelt mag der Kristall wohl sein, doch er ist die einzige Möglichkeit diese Welt wieder ins Gleichgewicht zu bekommen. Hilf mir dabei Hand in Hand. Rette mit mir den Träger des anderen Kristalls und zieh mit uns in die Schlacht wenn die Zeit zu Kämpfen gekommen ist. Das ist es was Lyllewyns Prophezeiung zu bedeuten hat! Wir können nur mit vereinten Kräften diese Welt retten! Das ist die Harmonie, die zu Zeiten meiner Eltern die Angst in den Magiern hervor trieb. Diese Harmonie wurde zerschlagen, doch kann sie wiederhergestellt werden! Ich weiß es, denn ich habe es gehört als es mir die Menschen, die Bäume und das Leben zugeflüstert haben“ Als ich zu Ende gesprochen hatte, ging Alyria auf die Knie und brach in Tränen aus. Ich fühlte das Leid in ihrem Schluchzen. Mekron stand wie angewurzelt da und sah mich mit offenem Mund an. Ihm war anzusehen, dass ihm klar geworden war, dass ich mich seit dem Morgen in Quellsore bei meiner Abreise von dem kleinen Mädchen zu einer ernstzunehmenden Rivalin des Imperiums entwickelt hatte. Ich hatte ihm beweisen, dass es all die Jahre über richtig gewesen war mich zu verstecken und mir nicht zu sagen welches mein Schicksal war. „Aijako..“, drang leise Alyrias Stimme zu mir „Ich habe dir etwas genommen, was ich dir niemals hätte nehmen dürfen, doch nun, kann ich es dir nicht zurück geben.“ Ihre Worte ergaben keinen Sinn, soviel ich sie auch umherwälzte, konnte ich ihnen keine Bedeutung beimessen. „Was war es, was du mir genommen hast?“, fragte ich nun ungeduldig und unzufrieden. Sie sah mich nicht an, doch ihre Stimme war von Schuld getränkt: „Ein Teil deiner Erinnerung. Die Erinnerung an eine Person und an einige schicksalhafte Tage, an denen du dieser Person begegnet bist. Es war eine Erinnerung, die dir näher stand als alles andere. Noch ist sie nicht verloren, doch du nur alleine kannst sie zurückholen. Es steht nicht mehr in meiner Macht.“ Ich sah sie entrüstet an. In mir kocht meine Wut wieder hoch. Wieso hatte sie es gewagt über meinen Kopf zu entscheiden und mir eine meiner Erinnerungen zu nehmen? „Wie bekomme ich sie wieder?“, fragte ich sie nun ohne sie eines Blickes zu würdigen. Alyria gab mir keine Antwort. Als ich die Frage lauter wiederholte sagte das kleine Mädchen, das mich zum spielen aufgefordert hatte: „Lass meine Großmutter in Ruhe, lass sie doch endlich. So findest du keine Erinnerungen. Du musst dich auf den Weg machen und sie finden, denn sie findet sich nicht hier. Du kannst sie nur wiederfinden, indem du dieser Person noch einmal begegnest! Alles was wir dir geben können ist der Name. Such danach und du wirst finden wonach du suchst!“ Das kleine Mädchen sah mir tief in die Augen. Im selben Moment, wie sie meinem Blick standhielt, bat sie mit den Augen um die Vergebung ihrer respektlosen Worte. Ich hatte einen solchen Blick erst einmal im leben gesehen, als Mekron mir einen Spiegel vorhielt. Es war der Blick den alle Menschen einst hatten, voller Hoffnung und Toleranz den Menschen und sich selbst gegenüber. „Gebt mir den Namen und ein Pferd, ich werde im Morgengrauen aufbrechen. Alyria, meine Kristalle bitte. Ich werde gen Westen reiten zu den Mauern von Shunia. Ich habe meinem Freund Iros versprochen dort seiner Schwester zu helfen“, sagte ich in die Runde. Alyria flüsterte dem Mädchen etwas ins Ohr, woraufhin sie zu einer der Hütten lief. „Der Name der Person lautet: Takion. Doch glaube mir Prinzessin um ihn zu finden musst du weiter gehen als jemals zu vor und versuchen mit ungetrübtem Blick die Wahrheit beider Fronten zu sehen. Unser Schicksal liegt in deinen Händen, benutze sie nun um unser aller Schicksal zu verwirklichen!“ Als Alyria die letzten Silben von ihren Lippen gleiten ließ, streckte mir das kleine Mädchen die Spiegelkristalle entgegen. „Vielen Dank Marijaza, Perle der Waldflüsterer. Deine Mutter wäre stolz auf dich. Ich freue mich auf den Tag,  an dem du an meiner Seite über unsere Welt herrschst. Ich über die Menschen und du über die Wälder.  Ich werde bald zurück kehren und dann werde ich meine Erinnerung gefunden haben!“ Als ich dem Dorf der Waldflüsterer den Rücken zu wandte spürte ich das freudige Aufatmen der Bäume und hörte im leisen Rascheln des Windes, das Seufzen der Vergangenheit. Es war mir gelungen auch hier die dunklen Schatten der Vergangenheit zu vertreiben. Auf meinem Weg konnte ich sehen, wie die Natur auflebte. Bäume, die ausgetrocknet aussahen, streckten ihre Knospen der Sonne entgegen und verdorrte Grashalme saugten aus der Erde den frischen Atem des Lebens. Quellen die längst versiegt waren, sprudelten und übergossen die Menschen mit Hoffnung. Es waren Bild die sich tief in meine innersten Fantasien brannten und mich aufatmen ließen. Nach all dem Leid, dass meine Freunde und ich durchlebt hatten, war dies zwar nur ein kleiner Trost doch im Kampf gegen die Magier einer der größten Gewinne. Ich musste an meinen Unfall zurück denken. Es war ein glücklicher Zufall gewesen, dass ich in die Tanika stürzte und mir nichts getan hatte, andernfalls wäre mir dieses wunderschöne Leben entgangen. Ich lenkte die Schritte meines Pferdes in Richtung Shunia.

 





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