Spiegelherz
(Autor: Aijako)
Heldentod
Als ich aufwachte, war ich alleine. Regen prasselte gegen das Fenster und der Donner übertönte das Geräusch der klirrenden Schwerter. Aus der Ferne spürte ich eine starke Dunkle Macht immer näher kommen. Ich sprang auf. Auf dem Weg auf den Wall, rief ich immer wieder nach Cascade. Doch sie kam nicht. Als ich den Wall erreicht hatte, war mein Kleidung bereits völlig durchnässt. Die Mauer des Walls war rutschig geworden und eignete sich nicht mehr zum Kämpfen. Hilflos suchte ich den gesamten Wall nach den Elfenflüsterern ab, doch ich konnte sie nirgends finden. Ich hatte das Treffen mit Alixa für einen Traum gehalten, doch als ich dann den Spiegelkristall an meinem Hals spürte, war mir klar, dass sich nun alles zum Guten wenden würde. Ich lief durch die Stadt, bis an den Stamm, des Baumes, den ich als Mast verwenden wollte um die Stadt zum schweben zu bringen. Unter dem Baum hatten sich viele Bewohner der Stadt versammelt. Auch Marijaza und die Waldflüsterer erholten sich dort von den Strapazen des ständigen Kampfes. Calina und Jaara saßen weinend in Nalos nähe. Ich konnte Tak nirgends sehen. Als ich in die Menge trat, tuschelten die Menschen. Ich umklammerte den Spiegelkristall so sehr, dass sein helles Licht nicht aus meiner Hand wich und niemand erkennen konnte, welchen Schatz ich besaß. Als ich auf meinen Freunden zu lief, hatte ich unheimliche Angst davor, dass sie mir den Spiegelkristall entreißen würden. Ich setze mich zu den anderen und versuchte sie mit einem Lächeln aufzuheitern. Jaara sprach nicht mit mir und auch Calina versuchte mir auszuweichen. Ich wusste weshalb sie es taten und verstand sie auch nur allzu gut. Unreal fühlte sich die Situation an. Ich war nicht von Tak umgeben und seine Anwesenheit, lag nicht wie sonst in der Luft. Ich legte meinen Kopf auf die Knie und versuchte an nichts zu denken. Doch jeder Gedanke an Tak trieb mir die Tränen so sehr in die Augen, dass ich nur noch schluchzend da sitzen konnte. Niemand tröstete mich, bis plötzlich Nalo an meine Seite trat, ihre Arme um mich legte und mir ins Ohr flüsterte: „Es ist zu Ende Aijako, mit dem heutigen Tag, wird sich für Lorian alles ändern. Diese Stadt stirbt. Wir alle haben keine Hoffnung mehr“
Ich erstarrte als ich verdaut hatte, was Nalo mir damit sagen wollte. Die Leute hatten den Mut zu Kämpfen verloren. Ich stand auf. Mit tiefer Stimme, sagte ich: „Soll es das nun wirklich gewesen sein? Gestern noch war ich selbst der festen Überzeugung, dass dieser Krieg sinnlos sei. Doch ich habe mittlerweile erfahren, dass dieser Krieg erst sinnlos ist, wenn wir ihn nicht beenden. Ich bin vor meiner Verantwortung geflohen und habe meine Freunde verraten. Ich war in dem Moment nicht besser als jeder Magier. Ich musste erkennen, dass es keine genaue Grenze zwischen Gut und Böse gibt. Wir alle, haben Dinge getan, auf die wir nicht stolz sind, die andere verletzt haben und die uns selbst verletzten. Wir alle sind gleich, wir machen Fehler und wir bereuen sie. Ich werde Demrion nicht töten, denn das könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, doch ich werde ihn in die Verbannung schicken. An einen Ort, dem er nicht mehr entfliehen kann und in dem er machtlos ist. Umgeben von der weißen Magie der Elfen, wird er seine Strafe abbüßen und erfahren, was Menschlichkeit ist.“ Ich sah die Menschen um mich an. Sie sahen alle zu mir auf. Auch die Waldflüsterer schienen solche Worte noch nie gehört zu haben. Ich muss zugeben, meine Worte hatten mich selbst erstaunt. Leise hörte ich in meinen Gedanken, die ruhige vertraute Stimme Takions. „Danke, Aijako, dass du dein Herz wieder gefunden hast.“ Laut ich schrie ich dann: „Es tut mir so leid, ich hab so viele Dinge gesagt, die ich nicht zurück nehmen kann. Vergib mir bitte.“ Aus der Baumkrone des Majestätischen Baumes kletterte Tak herab und schloss mich in die Arme. Ich weinte unaufhörlich. Wie konnte ich mir jemals selbst vergeben Tak liebte mich als Person. Ihm war es egal, ob ich nun eine Prinzessin oder nur eine Bettlerin war. Ihre liebte mich um meinetwillen. Ich liebte ihn auch so sehr, doch hatte ich es mich nicht getraut es ihm zu sagen. Plötzlich schwebten fünf wunderschöne Waladras Elfen auf uns zu. Die Menschen staunten beim Anblick der Engelartigen Geschöpfe. Als ich sie erkannte füllte sich mein Herz mit Freude und wusste, dass heute der Tag sein würde, an dem wir Demrion besiegen konnten. Ich weinte vor Glück. Cascade umschloss mich mit ihren Armen. Das Licht, das sie ausstrahlte erhellte die Herzen aller Anwesenden.
Jaara und Calina erkannten ihre Elfen nicht wieder. Obscura und Incendie strahlten ihre Elemente stärker den je aus und auch Clair, Orcane und Butin, machten dem Ruf der Waladras Elfen alle Ehre. Ich bat unsere Seelenpartner alle Feuer- und alle Sandelfen zu versammeln. Ich hatte vor einen gigantischen Spiegel zu schmieden, in den wir Demrion ein für alle Mal bannen konnten. Ich war es leid, das Leiden meines Volkes immer wieder ansehen zu müssen. Hand ihn Hand verstärkten wir den Wall. Die Waldflüsterer stellten neue Pfeile her, mit denen wir die Bogenschützen am östlichen Wall versorgten. Der Westliche Wall wurde von den Waldflüsterern selbst geschützt. Mit der näher kommenden Bedrohung im Nacken, trafen wir letzte Vorbereitungen für das endgültige Ende dieses Krieges. Über meinem Plan, stieß ich immer wieder auf ein und denselben Fehler. Ich konnte ihn nicht beheben. In einem ruhigeren Moment zog ich Tak zur Seite und erzählte ihm davon: „Tak, um Demrion in die Falle zu locken, muss irgendwer den Köder spielen. Irgendwer muss mit in den Spiegel um ihn dort zu bannen. Ich… ich werde gehen. Sobald Demrion darin gefangen ist zerschlägst du den Spiegel mit Walladrihl.“ Tak sah mich entgeistert an: „..Aber..“ Ich legte ihm den Finger übe die Lippen und küsste ihn sanft. In Gedanken sagte ich ihm, dass es sein müsse und es keinen anderen Weg gäbe. Ich wandte mich ab, doch er packte mich am Handgelenk und zog mich zurück: „Leise flüsterte er, wenn die nächsten Stunden alles sind, was uns bleibt, will ich sie an deiner Seit verbringen.“ Ich war gerührt von seinen Worten. Er legte seine Arme um mich und drückte mich sie fest an sich, dass ich glaubte, er wolle mich nie wieder loslassen. Wir standen einige Zeit Arm in Arm da und genossen den stillen Abschied. Als Jaara uns dann von der Ankunft ihres Bruders berichtete empfangen wir ihn und all die anderen zusammen in der Gaststätte, in der wir auch ein Hospital für die Verwundeten eingerichtet hatten. Weder Jaara noch einer der anderen Anwesenden der Stadt wusste von unserem Vorhaben. Als Torius unseren Plan genauer in Augenschein nahm, war ihm klar, wozu ich mich entschieden habe, doch er sagte nichts darüber. .Er erzählte es nicht einmal seiner Schwester. Ich war ihm unheimlich dankbar dafür. Damals erkannte ich, weshalb Torius ein Ritter meines Vaters geworden war. Er war ein sehr listiger Stratege. Ich genoss meine letzen Stunden in der Gesellschaft meiner Freunde. Ich sog die friedlichen Bilder dieses Zusammenseins in mich ein uns versuchte mir dadurch unsere Welt nach dem Krieg vorzustellen. Ich war fest entschlossen, mich selbst für das Wohl aller anderen zu opfern. Als die Nacht einbrach, war das tosende Geschrei von den Karibons überall zu hören. Ich stellte mich auf den Wall. Am Fuß des Walls stand mir Demrion entgegn und schrie: „Was hast du getan du verfluchtes Kind, dass die Spiegelkristalle erloschen sind?“ Ich zog meinen Spiegelkristall hinaus und hielt ihn in die Nacht. Ich konnte seinen wutentbrannten Schrei hören, als ich meinen Bogen spannte und einen Pfeil, direkt auf ihn schoss. Ein Karibon fing den Pfeil ab. Tak und die anderen standen hinter mir und begannen zu kämpfen. Die Rebellen von Jonia, setzten sich mit ihren weißen Pferden tief in das Gefecht. Die Waldflüsterer tanzenden einen so wundervollen, doch beängstigenden Tanz, der die Magier zurück schlug. Die Elfen stellten den Spiegel fertig. Der Spiegel war das Schönste, das ich je gesehen hatte. Ich fand es beinahe schon schade, dass man ihn zerschlagen musste. Die Elfen hatten den Spiegel so verzaubert, dass nur das Schwert der Elfen Walladrihl selbst ihn zerschlagen konnte und jeder der es mit einer anderen Waffe versuchte. Ich bereitete mich darauf vor Demrion in den Spiegel zu locken. Die Elfen platzierten den Spiegel an einer Stelle auf dem Wall, wo Demrion ihn nicht erreichen konnte. Viel Karibons stürmten auf den Spiegel zu und versuchten ihn zu zerschlagen, doch sie alle scheiterten. Ich suchte Tak ein letzte Mal auf um mich nun endgültig von ihm zu verabschieden. Ich fand ihn auf dem Wall. Er wurde von zahlreichen Karibons umzingelt. Ich schoss einige Pfeile durch deren Köpf und eilte dann an seine Seite. Ich nahm ihn in den Arm, küsste ihn liebevoll und flüsterte ihm leise ins Ohr: „Tak, ich liebe dich auch!“ Ich legte ihm Walladrihl in die Hand und dann, ohne auf eine Antwort zu warten, lief ich los. Ich eilte zu dem Spiegel, als sich mir Torius plötzlich in den Weg stellte. Er reichte mir das Diadem meiner Mutter. Ich erinnerte mich daran, dass es der Grund gewesen war, weshalb wir uns getrennt hatten. Ich bedankte mich freundlich bei ihm, doch dann warf er mir entgegen: „Was ihr vorhabt kann ich nicht für Gut heißen Prinzessin! Auch wenn es sehr ehrenhaft sein mag, sich für sein Volk zu opfern, braucht das Volk euch doch nach dem Ende dieses Krieges mehr denn jemals zu vor!“ Ich sah in seine Augen, doch konnte rein gar nichts daraus lesen. Ich legte ihm die Hand auf die Schulter und ging an ihm vorbei: „Das Reich braucht dich in diesem Moment! Kämpfe für den Frieden. Ihr werdet es schaffen.“ Ich lief weiter. Ich blickte nicht zurück. Torius Worte entsprachen der Wahrheit, doch das was er gesagt hatte, konnte nichts an meinem Entschluss ändern. Ich stand an den Wall und beobachtete noch einmal alle Kämpfenden. Ich sah Nalo, wie sie begabter mit dem Schwert umging, als ich es ihr zugetraut hatte. Ich erkannte die Luftnomaden, die mit ihren Stäben einen Feind nach dem anderen Zurück schlugen. Ich beobachtete meine geliebten Waladras Elfen, wie sie ihre Kräfte vereinten und die Stadt beschützen. Mit einem tiefen Atemzug nahm ich von allem Abschied. Ich befahl den Elfen, den Spiegel unterhalb des Walls in der Ebene aufzustellen und sprang vom Wall herab in die offene Schlacht. Es dauerte nicht lange, bis Demrion mich erkannt hatte und drohend immer näher kam. Ich stellte mich mit dem Rücken zum Spiegel und schrie lauthals: „Dein Spiegelkristall ist erloschen nur meiner noch birgt die Macht der Waladras Elfen. Demrion ich möchte, dass du dafür bezahlst, was du mir und deinem Bruder angetan hast. Ich möchte, dass du dafür leidest, was du allen Menschen angetan hast!“ Ich wich nicht zurück. Demrions animalisches Gesicht kam immer näher und spottend kreischte er mir entgegen: „Was willst du denn schon gegen mich ausrichten, mit diesem Wertlosen Spiegel? Ich tastete die Oberfläche des Spiegels mit meinen Händen ab. Zart sanken meine Fingerspitzen in den Spiegel ein. Aus der Ferne konnte ich Takion schreien hören. Er hechtete vom Wall herab. Er hatte das Schwert fest umklammert, bereit jederzeit zu schlagen. „Für dich gibt es keine Rettung mehr, heute stirbst du ein für alle Mal!“, fauchte Demrion und sprang mit gezücktem Schwert auf mich zu. Ein Stoß warf mich zur Seite. Ich hatte nicht gesehen was geschehen war, doch als ich auf sah, erkannte ich Torius, der durch bohrt von Demrions Schwert in den Spiegel gesogen wurde. Mit letzter Kraft sagte er: „Meine Schwester kann nun endlich in Frieden leben. Nun ist es endlich vorbei!“ Er schloss die Augen. Demrion schrie panisch um sein Leben. Mit einer Handbewegung befahl er den Karibons mich anzugreifen. Ich wurde gebissen. Mit letzter Kraft, hinderte ich Tak den Spiegel zu zerschlagen. Ich hatte Angst, dass Torius dadurch ums leben kommen würde. Ich schwor, dass ich einen Weg finden würde um ihn zu retten. Danach verlor ich das Bewusst sein. Während ich bewusstlos war, hörte ich den Wirrwarr vieler Stimmen. Ich hörte ein tiefes Schluchzen und die liebevollen Versuche jemanden zu trösten. Als ich wieder zu mir kam, erkannte ich die Gesichter einiger Leute. Zuerst verschwommen, dann immer deutlicher erkannt ich Tak, Amalia, Ariana und Nalo. Sie alle hatten sich über mein Bett gebeugt und strahlten mir nun entgegen. Ich hatte schnell bemerkt, wer dort weinte. Ich stand vom Bett auf und ging auf Jaara zu, die zusammen mit Calina vor dem Kamin saß. „Er ist als Held gestorben. Jaara, er ist für dich gestorben. Seine letzten Worte waren, dass seine Schwester nun endlich in frieden leben könne und dass es nun endlich vorbei sei! Jaara, er hat Recht, dieser Krieg ist nun zu Ende, wir haben ihn gewonnen. Dein Bruder hat uns alle gerettet.“ Ich zog aus meinen Sachen, das Diadem, das mir Torius auf dem Wall gegeben hatte. Ich legte es auf den Tisch und sagte: „Nun brechen endlich ruhige Zeiten an. Es werden arbeitsreiche Zeiten sein, doch wir werden das Königreich nun endlich aufbauen können!“
Einige Tage später, feierten wir in Lastia ein großes Fest. Es waren Leute aus allen Ecken lorians eingeladen und auch Adlige von Drillios, die sich geweigert hatten mit Demrion in den Krieg zu ziehen nahmen an den Feierlichkeiten teil. Ein Graf des ehemaligen Imperiums brachte die Krone des Kaisers mit und Takion wurde noch am selben Tag gekrönt. Nur einige Stunden später hatten wir beide das vollendet, was unser Väter vor beinahe 13 Jahren begangen hatten. Wir unterzeichneten das Bündnis unserer beiden Königreiche. Dieser Tag der Feierlichkeiten, war jedoch nicht nur fröhlicher Gestalt, was sich auch schnell zeigen sollte. Der Abschied von den Waladras Elfen stand an und ich konnte mich nur mit Tränen von meiner Seelenpartnerin trennen. Ich musste an die vielen schönen Erinnerungen denken, die wir beide teilten. Mit den Elfen verabschiedeten sich auch die Elfenflüsterer von mir. Jaara kehrte in ihr Heimatdorf Hoterme zurück und auch Ariana und Iros verabschiedeten sich um nach Shunia und dann nach Lycore zu gehen um dort wieder aufzubauen, was unter dem Krieg gelitten hatte. Calina entschied sich noch ein wenig zu bleiben, doch ich wusste damals, dass auch sie nach Shadoras zurückkehren würde um dort nach dem Rechten zu sehen. Amalia und die Luftnomaden entschieden sich endlich sesshaft zu werden und ein Dorf zu gründen. Ich gab ihnen natürlich die Erlaubnis dazu. Ihr Dorf, sollte wie das Volk selbst Areso heißen. Spät am Abend machten sich dann auch die Waldflüsterer zum Aufbruch bereit. Marijaza erklärte mir, dass der Wald sich erst einmal wieder von den Strapazen des Krieges erholen musste.
Der Abschied, der mir am schwersten fiel, war der von Tak. Was ich auf dem Wall zu ihm gesagt hatte, war die Wahrheit gewesen und nicht aus einer Laune heraus entstanden. Ich liebte ihn wirklich und der Gedanke mich von ihm zu trennen, mochte es auch nur für kurze Zeit betrübte mich sehr. Als ich ihm in den Armen lag und er mich zum Abschied küsste, wurde mir durch die art, wie er es tat, klar, dass er zurückkehren würde.
Ihr Kommentar ...
Heldentod
Kommentar von Guest:
(21.04.2009 um 15:45 Uhr)
Ich habe den Roman nun endlich komplett gelesen :-)
An manchen Stellen klingt er für meinen Geschmack noch etwas dünn, aber im großen und ganzen ist die Geschichte von Aijako eine sehr abenteuerliche, spannende und herzliche Liebesgeschichte und beweist wieder einmal, dass Liebe alles überstehen kann.
Ich habe von einer Bekannten gehört, dass du (also die Autorin) den Roman mit 17 vollendet hast, dafür kann ich nur sagen: "Hut ab!"
Für dein erstes Werk ist dir etwas sehr Gutes und Vorzeigbares gelungen
Liebe Grüße
Leseratte


Sissipha
- bearbeitet
- Wettbewerb
- Aktion