Spiegelherz
(Autor: Aijako)
Die Schatten der Vergangenheit
Ich versuchte ihn mit meiner Hand zu erreichen, doch gelang es mir nicht. Dann rief ich: „Sag mir wer du bist, bitte, du kommst mir so vertraut vor, doch alles was ich zu wissen scheine ist, das ich dich kenne, sag mir bitte deinen Namen!“ Ich begann zu laufen. Noch immer hatte ich meinen Arm ausgestreckt um den Jungen zu erreichen, doch es gelang mir nicht. Plötzlich stolperte ich und verlor den Jungen aus den Augen. Ein stechender Schmerz durchzog mein Herz und ließ mich zusammen sinken. Als ich die Augen öffnete, befand ich mich nicht mehr außerhalb des Hauses. Nalo stand an meinem Bett und sah sorgenvoll auf mich herab. Auch Iros und Lolani hatten sich zu ihr gesellt. Iros starrte sie noch immer an, während Lolani sie lauthals fragte: „Sag, wie ist es für dich zu sehen? Hast du es sehr vermisst?“ Als Nalo bemerkte, dass ich die Augen aufgeschlagen hatte, merkte sie kurz an: „Es ist jetzt nicht an der Zeit darüber zu reden Lolani. Hol Aijako bitte etwas zu trinken und dann erzähl uns von den Neuigkeiten deiner Späher!“ Sie nickte und verließ schleunigst den Raum. Ich stütze mich auf. Iros stand auf und ging zum Fenster. Mit trübem Blick sah er hinaus in die Wolken. „Lolanis Späher haben einen Zug imperialistische Soldaten Richtung Süden ziehen sehen. Es heißt sie wären auf der Suche nach einem ehemaligen Stützpunkt des Zwergenkriegs vor 100 Jahren. Ich habe versucht das zu recherchieren, doch es gibt keinerlei Aufzeichnungen darüber, dass ein solcher Stützpunkt existiert. Sollte ich mich aber irren, geht Lolani davon aus, dass sie die Elfenflüsterer dorthin gebracht haben.“ Ich hatte mich aufgesetzt. Iros Blick schweifte weiterhin ab in die Ferne und ließ sich auch nicht zurück holen, als Lolani wieder zurück kehrte. Lolani stellte eine Kanne wohltuenden Tee auf den Tisch und reichte mir eine Tasse. Danach setze sie sich zu mir. „Iros hat dir sicher schon erzählt dass ein Trupp Soldaten im Süden der Stadt nach dem ehemaligen Stützpunkt sucht, der im Zwergenkrieg von strategischer Wichtigkeit gewesen ist. Bisher nahmen wir an, dass dieser Stützpunkt nicht existierte, doch wir irrten uns. Der Jaldrian von Lamystra hatte den Stützpunkt in einem seiner Tagebücher erwähnt immer wieder.
Er schreibt davon im Zusammenhang mit einem Jungen. Iros meinte du würdest jemanden suchen, vielleicht ist das nur ein Irrglaube von mir, aber kann es sein, dass dieser Junge den du suchst Takion heißt?“, erzählte Lolani. Als sie den Namen erwähnt hatte, sprang ich auf und rief: „Woher weißt du das, er soll eine meiner Erinnerungen sein, das meinte Alyria. Aber noch immer hat niemand sagen können, wer er ist oder wer er war. Lolani, was steht denn im Tagebuch Jaldrians über diesen Jungen?“ Lolani sah erst mich dann ihren Bruder an. Dann sagte sie langsam: „Es steht nicht viel darin, nur dass dieser Junge mit ihm aus dem Nachbarreich gekommen und dort in diesem Stützpunkt groß geworden ist. Nun ja, der Jaldrian schreibt immer wieder von einer Frau namens Naria und ... von dir...“ Nalo konnte nun nicht umhin Lolani zu unterbrechen, sie riss ihr die Notizen aus der Hand und sagte dann: „Hör auf Lolani, du weißt sowenig über all diese Leute, hör auf über sie zu reden!“ ich konnte Nalo nicht in die Augen sehen, ihr Ton schmerzte mich sehr, doch ich konnte meine Frage nicht unterdrücken: „Nalo, wer waren diese Leute?“ Sie verweigerte mir die Antwort, zum ersten Mal musste ich die Stimme erheben und etwas befehlen: „Nalo, ich befehle dir, mir zu sagen, wer diese Leute waren! Der Jaldrian von Lamystra ist unweigerlich in diesen Krieg verwickelt. Er hat meinen Onkel getötet und nun scheint er auch noch mit diesem Jungen in Verbindung zu stehen, deshalb bleibt dir keine andere Wahl. Nalo, ich bitte dich nun mir zu erzählen, was es mit dem Jungen auf sich hat!“ Nalo stand mir nun direkt gegenüber und sah mir tief in die Augen. Es dauerte eine Weile bis sie schließlich sagte: „Lange habe ich den Namen Takion nicht mehr gehört.... Lange habe ich nicht mehr an diesen Namen gedacht.... Lange habe ich vergessen daran zu hoffen, dass er am Leben sein könnte.... aber nun, da ihr seinen Namen so offen aussprecht, kann ich wohl nicht mehr zurückhalten, was ich all die Jahre über vergessen wollte!“ Als Nalo eine Pause machte sah ich sie neugierig an. Wie konnte es sein, dass eben diese Frau, die so vieles zu wissen schien ihr Wissen nicht mit der Welt teilen wollte. So sehr ich es auch versuchte zu verstehen, konnte ich nicht nachvollziehen, weshalb sie so handelte. Nalo atmete tief ein, dann sagte sie mit einer sehr bedrückend klingenden Stimme: „Der Junge ist in dein Schicksal verwoben Aijako. Die Geschichte die ich dir nun erzählen will ist keine besonders schöne und sicherlich kennst du sie schon teilweise, doch ändert ihre schreckliche Handlung nichts an ihrer Wahrheit.
Es war nicht immer so, dass zwischen Lorian und dem Imperium ein Krieg tobte. Einst herrschte in Drillios ein Kaiser namens Gonderan. Gonderan hatte drei Kinder eines begabter in der Zauberei als das andere, doch schließlich musste er feststellen, dass seine beiden ältesten Kinder machtgierig und sehr bestrebt waren sich immer weiter in die dunklen Gefilde der Magie zu schlagen. Diese beiden waren Demrion und Akari. Doch auch sein drittes Kind war sehr begabt und hatte sehr großes Potenzial einmal der Kaiser des Imperiums zu werden. Demrion erkannte die Gefahr, die in seinem Bruder steckte und richtete immer wieder seine Magie gegen den Jungen. Nach langem hin und her entschied sich der Kaiser ein Bündnis mit dem Königreich Lorian einzugehen, das ihm helfen würde Demrion und Akari aufzuhalten, doch wusste Demrion um die Folgen eines solchen Bündnisses, also tötete er seinen Vater noch bevor es zu einer Unterzeichnung kommen konnte. Da Gonderan kein Testament hinterlassen hatte, bestieg Demrion den Thron. Gonderans Frau Naria wusste, dass es nun nichts mehr gab, das Demrion davon abhalten würde seinen Bruder zu töten. Schweren Herzens gab sie ihren Sohn Takion in die Hände eines Gesandten Lorians. Danach verschwand ihr Name völlig aus den Geschichtsbüchern aller Königreiche. Man weiß nicht was aus ihr geworden ist. Geschichten wurden verbreitet, das Demrion auch sie auf dem Gewissen habe und seinen Bruder getötet habe. Der Gesandte des Königreichs war kein anderen als Jaldrian von Lamystra, doch auch er verschwand kurze zeit danach. Später wurde laut, dass er die Seiten gewechselt habe und das Kind an Demrion verkauft habe im Austausch für sein Leben. Er hatte sich dem Königreich abgewandt trotz seines Schwures niemals vor der Dunkelheit zu weichen und dem Angriff standzuhalten.“
Als ich die Geschichte zu Ende gehört hatte, liefen mir Tränen über das Gesicht. Ich konnte nicht fassen, wie ein einzelner Mann seine Familie ausrotten konnte. Aber dann plötzlich sah ich Demrions Gesicht in meiner Erinnerung. Ich hatte es genau gesehen als er mich von der Klippe stieß. Die dunkle Magie, die er benutze und die Ereignisse in seiner Jugend, hatten alles Menschliche aus seiner Welt verbannt. Alles was ihn je beschäftigt hatte, war die animalische Gier nach Macht, die ihn immer weiter vorantrieb und schließlich aus ihm machte was er an jenem Tag dort oben auf der Klippe war. Dann sagte ich der enttäuschten Nalo: „ Jaldrian von Lamystra hat den Jungen nicht an die Magier verkauft, ich weiß nicht weshalb, aber eines weiß ich: Wir sind dem Jungen begegnet. Ich weiß es nun gewiss. Wir sind diesem Jungen vor nicht allzu langer zeit begegnet.“ Als Alyria mir meine Erinnerungen an den Jungen nahm, wollte sie mich schützen, da sie wusste welch Geheimnis den Jungen umgab. Marijaza hatte mir ermöglicht einen schwierigen Weg zu gehen, das wurde mir nun bewusst. Ich musste mir ein eigenes Bild über Takion den Erben Gonderans machen, auch wenn er ein Magier war, war er ein teil des Schlüssels der uns die Tür zum Frieden öffnen sollte.
„Gonderans Sohn Takion ist niemand anderes als Takato, Bregons Ziehkind – ein Dieb der Gilde von Lastia!“, bemerkte ich plötzlich. Als ich das erwähnt hatte sprang Iros auf und schrie: „Es ist also wahr, wir haben ihn schon getroffen. Wir haben ihn getroffen!“ ich nickte, dann sagte ich: „Ich kenne den Namen nun, doch fehlt mir zu Takato jegliche Erinnerung, er ist ein und dieselbe Person. Alyria sagte ich müsse mit ungetrübtem Blick beide Seiten der Wahrheit sehen und nun wird es mir klar, die Schatten der Vergangenheit hängen über mir und dem Jungen. Ich kann es nun nicht mehr leugnen, als ich den Angriff von Demrion überlebt hatte, verlor ich dabei etwas, das niemand mir hätte je nehmen können. Nur eines auf dieser Welt war in der Lage mir das Gefühl zu nehmen, das mich mit Takion verband. Es war sein Spiegelkristall, der es mir nahm. Ein Spiegelkristall vergiftet seinen Träger, dessen Eigentum er nicht ist. Als mir Takion seinen Spiegelkristall übergab, war er sich sicher, dass sein Blut vergossen werden würde, doch es geschah nicht und deshalb vergiftete sein Kristall mich. Als Alyria erkannte was geschehen war, konnte sie nicht anders handeln, sie löschte aus meinen Erinnerungen die angreifbare Fläche des Kristalls.“ Lolani, Iros und Nalo hörten gespannt zu, als plötzlich Mekron das Zimmer betrat. „Gut gemacht Aijako!“, sagte er dann „du hast verstanden, was Alyria getan hat, es war die einzige Möglichkeit dich zu retten. Ich habe dir eine Nachricht von ihr zu überbringen!“ Er überreichte mir eine versiegelte Schriftrolle.
Nachdem Mekron seine Aufgabe erfüllt hatte, verschwand er ohne auf wieder sehen zu sagen.
Ich öffnete die Schriftrolle und erkannte die ziselierten Buchstaben des Forêtan. Ich legte meine Hand auf das Papier und schloss die Augen. Dann hörte ich die Stimme, die mir leise zuflüsterte:
„ Aijako, meine Zeit ist gekommen. Viel zu alt bin ich nun um an deiner Seite zu regieren. Meine Enkelin Marijaza besteigt in Kürze den Thron der Waldflüsterer. Rede mit ihr durch den Wind, sie hat mir versichert mit dir in den Krieg zu ziehen. Nun, da du die Schatten der Vergangenheit erkannt hast, musst du ihn retten. Ihn, den Sohn Gonderans, dein Gegenstück. Es wird kein leichter Weg ihn aus der Dunkelheit zu retten, die er in dem Moment beschritten hat, als er dir den Kristall übergab, doch glaube immer fest daran. Er wird an deiner Seite stehen, wenn der große Kampf gekommen ist.
Ich kann dir nicht sagen, wie leid es mir tut, dass du deine Erinnerung verloren hast. Ich kann dir nicht helfen die Erinnerung zurück zu holen, doch kann ich dir mit meinem letzten Atemzug helfen. Folge den Lilien durch die Wüste zu dem Stützpunkt der Armee. Dort wirst du einem Geist begegnen, den es zu besiegen gilt. Der Weg wird dir frei um den Jungen zu finden, doch kann ich dir nicht versprechen, dass du ihn wieder erkennst. Vielleicht hat er dich vergessen, doch bedenke. Eine Erinnerung, mag sie noch so tief in der Dunkelheit des Vergessens liegen kann durch das Licht gefunden werden.
Gehe deinen Weg jung Prinzessin und schaffe ein Königreich indem es uns allen wieder gut geht. Auch wenn ich nun sterbe, verspreche ich dir, wir werden uns wieder sehen.“
Die andern hatten die Stimme nicht gehört. Eine einzelne Träne lief mir über die Wange und fiel auf das Papier, plötzlich zerfiel auch das Blatt in viele Samenkörner. Sie zerstoben in alle Richtungen. Nur wenige Sekunden darauf begannen wunderschöne Lilien einen Teppich zu bilden, der sich gen Süden zog. Es dauerte nicht lange, bis Iros das Zeichen erkannte, dann sagte er zu der aufgeregten Lolani: „Aijako und ich werden alleine gehen! Nun da Nalo wieder sehen kann, steht sie dir gerne im Kampfe zur Seite. Mach dir keine Sorgen, es wird die Zeit kommen in der wir beide, auch ohne Kämpfen auskommen!“ Sie fiel ihm in die Arme. Sagte ihm etwas ins Ohr, das ich nicht verstehen konnte. Ich verabschiedete mich derweil von Nalo, die mir ein Leibbrot in die Hand drückte. Dann nahm ich auch Lolani in die Arme und verabschiedete mich von ihr. Es dauerte nicht lange bis ich zusammen mit Iros und den Elfen aufbrach. Wir nutzen die Dämmerung um uns an den Soldaten des Imperiums vorbei zu schleichen. Es gelang uns sehr gut, da wir nur mit wenig Gepäck unterwegs waren. Der Lilienteppich zog sich einige Stunden nach Norden hin, bis er sich plötzlich nach Westen zog. In der Ferne waren die Saltiros Gebirge zu erkennen und mit ihnen die Grenze zu den Rinora-Wasserfällen. Was dahinter lag war ein ausgebeutete Welt, voller Zwerge, die dem Gold verfallen waren und nun nur noch ihre Arbeit kannten. Von den Zwergen sagte man sich, dass ein jeder Zwerg ein König sein könne mit dem Gold, das er sich Tag für Tag erarbeitete. Seit die Elfen verschwunden waren, die magische Gegenstände herstellten, wie die Spiegel in den Palästen, waren der Zwerge handwerkliche Künste immer beliebter geworden. Auch die Magier handelten mit den Zwergen. Mich wunderte das nicht, in einer Welt, in der die Magier regieren wollten, waren die magischen Kräfte der Elfen unerwünscht, man bevorzuge schon jeher die nicht magischen Kunstwerke der Zwerge. Ich hatte noch nie einen Zwerg gesehen. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie die kleinen bärtigen Männchen etwas herstellen konnten, wozu nur Elfen bislang in der Lage waren. Ich war mir nicht sicher, ob ich damit den Zwergen unrecht tat. Ich wusste von den Zwergen nur so viel, dass es einmal einen Krieg zwischen dem Königreich und dem Zwergenreich gab. Ich kannte die Ursachen für diesen Krieg nicht und um ganz ehrlich zu sein, wollte ich in diesem Moment auch nichts darüber wissen. Ich und Iros waren weiterhin dem Lilienteppich gefolgt, als ich in den Bäumen ein unruhiges Rauschen hörte. Ich spannte die Sehne meines Bogens während Iros es mit gleich tat und das Schwert zog. Wir waren bereit uns mit blank gezogener Waffe zu verteidigen, als plötzlich ein Krachen im Unterholz Iros zusammenfahren ließ. Ich zielte nun in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Es dauerte einige Sekunden bis ein Mädchen aus dem Geäst trat und auf Iros zu stürmte. Als ich erkannte, dass es sich bei dem Mädchen um Ariana handelte legte ich den Bogen nieder. Iros legte sein Schwert zur Seite und schloss sie in die Arme. Sie war unbewaffnet. Plötzlich ballte sie die Hand zu einer Faust und schlug auf Iros‘ Brust. Unter Tränen sagte sie: „Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht! Verflucht, du hast mir solche Angst eingejagt!“ Erst jetzt wurde mir klar, dass Iros mir nicht erzählt hatte, weshalb er von der Gruppe getrennt worden war. Ich hörte nur leise den Ruf, der durch das Säuseln des Windes zu mir gebracht wurde. Ich hörte deutlich Marijazas Stimme: „Ihr seid nicht alleine, gib acht!“ Dann spürte ich das unruhige Beben der Erde, etwas oder jemand bewegte sich auf uns zu. Ich wies Iros und Ariana an sich im Dickicht zu verstecken. Ich stellte mich zum Kampf. Es dauerte nicht lange, bis sich eine große dunkle Gestalt vor mir aufbaute. Als ich erkannte wer es war gefror mir das Blut in den Andern. Mit gezücktem Dolch stand mir Jaldrian von Lamystra gegen über. Gefährlich zischte er: „Wo ist das Mädchen? Sie ist Demrions Gefangene, sie darf nicht entkommen!“ Dann sah er mich an, mit hasserfülltem Ton sagte er dann: „Du und deines Gleichen seid schuld daran, was aus mir geworden ist!“ Als er näher heran trat leuchtete der Spiegelkristall auf. Geblendet von dem Licht des Kristalls wich der Mann zurück. Wimmernd wie ein kleines Kind saß er nun auf einem Baumstumpf. Als ich heran trat hörte ich die undeutlichen Worte, die er vor sich hin murmelte: „Warum nur Naria, was hast du mir angetan? Sieh nur, was aus mir geworden ist... Ich hasse dich so sehr Naria, aus tiefstem Herzen hasse ich dich Schwester. Welchen Fluch hast du mir nur auferlegt, als du mir dein verteufeltes Kind in die Hände gabst.... vergib mir Naria, aber ich kann dich nur hassen, alles was mir noch Frieden gibt ist der Glaube daran dass du mir vergeben wirst Naria... Ich konnte nicht anders handeln...“ Ich trat noch näher heran um den Mann mit dem Spiegelkristall zu berühren, doch plötzlich erkannte ich das grausame Schicksal des Mannes. Er war kein Mensch mehr. Wo das Licht des Spiegelkristalls seinen Körper zeigen müsste, war nichts zu erkennen. Alles was von dem Mann übrig war, war ein Schemen dessen, was er einmal gewesen war. Er war ein Geist, kontrolliert durch seinen Hass und seinen Zorn. Ich wich zurück vor der Gestalt. Plötzlich sprudelten Worte aus meinem Mund, die dem Spiegelkristall entsprangen: „Jaldrian, du willst Vergebung? Wofür?“ Ängstlich sah er mich an, dann sagte er langsam: „Für die Morde, die ich begangen habe. Für den Hass auf meine Schwester.... ihren verteufelten Sohn...“ Ich setze mich nieder, ohne es zu wollen und sprach weiter: „Weshalb hast du einen Hass auf deine Schwester Naria?“
Er versuchte mir keine Antwort zu geben, doch als er mich ansah konnte er die Gedanken nicht mehr zurückhalten: „Sie weiß doch nicht, dass ich ihr Bruder bin... die kleine Naria weiß es nicht. Ihr Sohn... der Sohn Gonderans Takion... ich wollte versuchen ein Freund für ihn zu sein... ich übergab ihn Bregon... meinem Freund, vergib mir Naria, aber ich habe ihn getötet... ich wollte es nicht... nichts davon wollte ich... nicht einmal dich hassen, weil du mir genommen hattest, wofür es sich zu leben lohnte... ich.... vergib mir. Lass meine Seele ruhen und entreiße mich endlich den Fängen der Dunkelheit, vergib mir Naria...vergib mir, dass ich deinen Sohn an die Magier verkauft hab... ich versuchte meine Seele zu retten ... doch, sieh was aus mir geworden ist! Meine Schuld bindet mich an diese Welt, der Verrat an dir und deines gleichen, der Verrat an meinem König und meiner Königin und schließlich auch der Verrat an meinen Freunden und mir selbst ... vergib mir meine Schuld!“ Ich erhob mich und legte dem Mann meine Hand auf die Stirn. Ich erschauerte als ich nicht ins Leere fasste sondern auf die Haut des Mannes. Er sah erst mich und dann den Spiegelkristall an. Dieser leuchtet in einem freundlichen Licht und fühlte sich nun warm an. Das Pulsieren des Kristalls fühlte sich an wie das Flattern eines Vogels. Nichts Unruhiges zeichnete das Gefühl, das meinen ganzen Körper durchwanderte. Ohne es laut zu sagen, versprach ich mir, niemals meine Freunde zu verraten und mich selbst niemals zu belügen.
Plötzlich hörte ich die Stimme im Wind, die mir leise zuflüsterte: „Du bist verliebt junge Prinzessin, nicht wahr? Ist es nicht das, wonach dein Herz sucht, weshalb du noch immer deinen Weg gehst und du nicht vor den Schatten der Vergangenheit zurück schreckst? Du hast die Tafel im Ahnensaal nicht angesehen, weil du dich nicht von Schatten leiten lassen wolltest, doch damit gerietest du mitten in diesen Krieg. Es ist kein Krieg, den du alleine bestimmen kannst, aber du bist nicht alleine, denn dein Herz schlägt an der richtigen Stelle. Für die Menschen dieser Welt bist du die wahr gewordene Hoffnung und nicht nur für sie bist du wichtig Aijako, auch für den Wald und seine Bewohner! Deine Ära bricht erst an! Zeige uns deine Güte, helfe den armen verloren Seelen unserer Welt, dein Herz verlangt es. Mach dich auf die Suche nach der Person, die dein Herz zum Schlagen bringt. Suche ihn, denn du wirst ihn finden! Aijako... der Wald steht hinter dir!“
Als ich meine Augen wieder öffnete kauerte Jaldrian noch immer im Schein des Kristalls. Als ich meine Hand von seiner Stirn nahm stand er auf und sagte: „Naria.. du... du hast mir vergeben. Hab dank... und auch dir Aijako von Lorian, Nichte Bregons, soll mein Dank zu teil werden. Nimm diesen Schlüssel er gewährt dir den Zutritt zu den Zellen im Stützpunkt, rette deine Freunde, denn sie sind und werden ein Teil von dir. Unterschätze nicht das Band. Man knüpft Bänder nur einmal im Leben und mögen sie auch noch schwach erscheinen, sind sie es am Ende nicht... deine Eltern wären so stolz gewesen und Bregon... Ich kann nun endlich gehen, zu den anderen. Ich werde Bregon berichten, wie stark du geworden bist. Über bringe dem jungen Takion einen Gruß, sag ihm, an den Ort den ich nun beschreiten werde, wird seine Mutter nicht sein, er solle die Hoffnung nicht aufgeben, er wird sie irgendwann finden.“ Ein Goldener Schlüssel fiel auf den Boden, dann zersprang Jaldrian in Tausende kleiner Funken, die sich über den Boden verteilten, kurz aufflammten und mit jedem Funken eine Straße bildete die sich durch den Wald schlängelte. Ohne auf Iros und Ariana zu warten hob ich den Schlüssel auf und folgte der Straße. Es dauerte nicht lange, bis ich an ein verstecktes Tor trat. Als ich davor trat konnte ich spüren wie unruhig der zweite Kristall plötzlich wurde. Dahinter also musste sich der Stützpunkt befinden, in dem ich endlich den Träger des Kristalls finden sollte. Ich war aufgeregt, endlich sollte ich dem Jungen aus meiner Erinnerung wieder begegnen. Es war ein sehr warmes Gefühl, das mich beflügelte die Tür aufzustoßen und einzutreten. In die Dunkelheit eingehüllt betrat ich einen verstaubten und mit Spinnweben gezierten Gang. Nirgends war auch nur eine kleine Lichtquelle auszumachen. Ich entschloss mich mit Magie ein Feuer zu entzünden das einen schmalen Lichtstreifen warf und mich einigermaßen sehen ließ wohin ich meine Schritte lenkte. Ich hielt das Feuer auf meiner Hand. Ich spürte die Wärme, die davon ausging. Plötzlich spürte ich einen starken Windzug, der unter meinen Füßen zog. Ich konnte erkennen, dass es sich nicht um einen natürlichen Wind handelte. Ich sah mich um, in der Dunkelheit erkannte ich niemanden, von dem der Wind her rühren konnte, doch dann plötzlich schossen die Elfen wie eine Mauer um mich. Cascade und Incendie riefen wie aus einem Munde: „Aijako, das ist eine Luft Elfe! Es gibt nur eine Person, die das bewirken kann! Der Elfenflüsterer der Luft ist hier!!“ Als die Elfen aus gesprochen hatten, ließ ich die Flamme auf den Boden sinken und spannte die Sehne meines Bogens. Auch die Elfen machten sich zum Kampf bereit, geschlossen standen Clair, Butin, Incendie, Obscura und Cascade an meiner Seite. Plötzlich wich mir die Dunkelheit als ich zufällig Clair ansah, stammelte sie nur leise: „Es ist also wahr, du kannst all unsere Fähigkeiten kontrollieren, sogar das Licht gehorcht dir! Du bis wirklich die Prinzessin auf die wir alle schon so lange gewartet haben!“ Darauf hin trat ein Mädchen aus dem Schatten des Ganges und sah mir tief in die Augen. „Du bist also hier hergekommen Prinzessin, na dann will ich dir mal helfen die anderen Elfenflüsterer zu befreien. Vielleicht haben die Ältesten ja recht gehabt, als sie mich aussandten nach dem Licht der Hoffnung zu suchen, anscheinend trägst du es tief in deinem Herzen. Kommt hier lang. Hinter dieser falschen Wand befinden sich die Zellen, einige Leute sind dort eingesperrt, doch noch konnte ich den Schlüssel nicht finden.“, während das Mädchen zu ende Sprach kramte ich den goldenen Schlüssel aus meiner Tasche, konnte es sein, dass eben ich im Besitz dieses Schlüssels war? Mit großen Augen starrte das Mädchen den Schlüssel in meiner Hand an, dann packte sie mich am Handgelenk und zerrte mich durch die Wand. Dahinter lag ein Zellentrackt der leicht vermodert in Erscheinung trat. Die Zellengitter waren neu geschmiedet worden. Aus einer hinteren Zelle hörte ich klar Jaaras Stimme: „Glaub mir doch Sariana, die Prinzessin wird kommen, sie ist kein Hirngespinst! Sie lebt glaub es mir doch. Torius glaubst du mir wenigstens?“ Eine männlich Stimme sagt dann plötzlich: „Jaara gib es endlich auf! Ich weiß dass du darunter leidest, dass die Königsfamilie ausgestorben ist, aber das tun wir alle. Auch Vater hat darunter gelitten, es ist also nicht mehr nötig uns irgendwelche Hoffnungen einreden zu wollen! Finde dich doch endlich damit ab, Aijako von Lorian ist tot!“ Ein zaghaftes aber glitt Jaara über die Lippen. Ich konnte nicht stehen bleiben, Ich riss mich aus dem Griff des Mädchens und eilte zu der Zelle. Als ich den Schlüssel in das Schloss steckte, fragte der Junge an Jaaras Seite: „Wer bist du?“ Ohne sich umzudrehen und nach zu schauen erklärte Jaara stolz: „Das, mein lieber Bruder ist Aijako von Lorian, die Prinzessin Lastias. Die Tochter König Demrions und seiner Gattin Alkena, meine Freundin.“ Dann wandte sie sich um und schloss mich in die Arme. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Auch Calina hatte von meiner Anwesenheit mit bekommen und stand nun in einer Zellentür, die das Mädchen mit dem Schlüssel aufgeschlossen hatte. Auch sie eilte auf mich und Jaara zu. Es dauerte nicht lang, bis auch Iros und Ariana zu der Gruppe stießen. Sie hatten in einem kleinen Nebenraum die Waffen der anderen gefunden. Als Jaara wieder bewaffnet war und Incendie an ihrer Seite hatte, zog sie mich zu dem Jungen, mit dem sie zuvor gesprochen hatte. „Aijako, das ist mein Bruder Torius. Erinnerst du dich? Ich hatte dir von ihm erzähl, aber ich irrte mich, er war nicht tot….. Aijako, ist irgendetwas?“ Ich konnte Jaara nicht zuhören. Ich sah mich um, nirgends war Takion auszumachen. Ich antwortete Jaara nicht, dann sagte Calina plötzlich: „ Wenn du Tak suchst, er ist nicht hier...Er... Demrion hat ihn mitgenommen und sagte zu ihm, dass er etwas über seine Eltern wisse. Das war das letzte Mal, dass ich Tak hier gesehen hatte. Was ist mit seinen Eltern, Aijako? Was weißt du was wir nicht wissen?“
Ich konnte Calina und den anderen nun nicht mehr ausweichen. Ich musste ihnen nun endlich erzählen was ich ihnen seid Beginn der Reise verschwiegen hatte. Ich setze mich zusammen mit den anderen in eine Zelle um nicht die Aufmerksamkeit der Soldaten auf uns zu ziehen. Ich wunderte mich, dass so viele an der Geschichte Interesse zeigten, dann begann ich zu erzählen. Ich erzählte von meinen eigenen Schatten der Vergangenheit. Ich erzählte von Taks Herkunft und seiner waren Abstammung, Bregons wahrem Tod und natürlich auch von meiner Reise ohne die anderen und der gestohlenen Erinnerung. Als ich zu Ende erzählt hatte schrieen einige der Anwesenden: „Wir müssen den Jungen töten ehe er die Verdammnis über uns bringt, er ist doch genau wie sein Bruder!“ Ich stand auf. Wütend schrie ich: „Nein er ist seinem Bruder nicht gleich, er gleicht ihm nicht ein bisschen. Er rettet unsere Welt!“ Während ich schrie blies ein starker Wind durch die Gänge der Festung und bildete um mich einen Windkanal, durch den meine Haare zerzausten. Das Mädchen schrie plötzlich: „Aijako hör auf damit. Der Wind wird sonst zu stark du kannst ihn sonst nicht mehr kontrollieren. Stopp es jetzt!“ Auf ihren Ruf hin, legte sich der Wind und ich sackte auf die Knie. Jaara eilte an meine Seite und auch Calina sprang sofort auf.


Sissipha
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