Spiegelherz
(Autor: Aijako)
Die Rettung
Tak führte uns durch viele verwinkelte Gassen, die uns schließlich zu einem riesigen Abflussrohr führten.
Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen, als sich Calina lauthals weigerte in das Rohr zu steigen. Jaara und Tak zerrten sie hinter mir her. Ich ging mit Cascade und den anderen Elfen voran. Incendie hüllte das Rohr in einen hellen Schein. Als einige Ratten an uns vorbei huschten, schrie Calina laut auf. Wieder konnte ich das lachen nicht unterdrücken, worauf mich Jaara sofort zusammen stauchte: „Wir versuchen hier jemanden zuretten, reißt euch gefälligst zusammen – oder sollen die Magier uns finden?“ Ich nahm mir Jaaras Worte zu herzen, auch Calina schien sich nun am Riemen zu reißen, sie schrie nicht mehr auf, als sie Ratten sah, sondern zuckte nur noch zusammen und wimmerte recht leise. Mir wurde augenblicklich Klar, dass Calina sehr großen Respekt vor Jaara hatte. Ich wusste nicht, weshalb es so war, doch ich beschloss es heraus zu finden. Ich wollte wissen, ob es diese Form von Respekt war, die einer Prinzessin gebührte, doch schlagartig lief mir bei dem Gedanken ein Schauer über den Rücken. Ich wusste, dass Jaara Angst vor Calinas Kräften hatte, stand sie deshalb so vor ihr? Um ihre Kräfte zu unterdrücken? Vielleicht. Ich wollte es unbedingt heraus finden, da ich mir nicht sicher war. Ich wollte keinesfalls den Respekt unter dem Volk erhalten, nur in dem ich andere leitete. Mir wurde bewusst, dass diese Gedanken im Moment fehl am Platz waren. Ich besinnte mich zurück auf den Plan. Wir wollten zusammen mit den Elfen das Mädchen befreien. Dann plötzlich fiel mir etwas ein: „Tak? Hatte Mandrael die Elfe des Mädchens erwähnt? Du weißt, ein Elfenflüsterer, geht niemals ohne seine Elfe. Was wenn die Magier die Elfe irgendwo anders hingebracht haben?“ Tak blieb stehen. Er hielt sich die Hand an den Kopf und schüttelte diesen: „Wie konnte ich das nur vergessen? Es scheint mir, als würden wir heute einer Schar Karibons begegnen müssen. Egal was passiert, dieses Mädchen und ihre Elfe müssen von uns gerettet werden. Ich habe in den letzten Tagen schon einen alten Freund verloren, ich möchte einen Neuen – auch wenn es keiner ist, den ich schon kenne- nicht auch noch verlieren.“ Taks Entschlossenheit sprang auf uns alle über. Dann meinte Jaara: „Wir werden uns aufteilen. Tak du und Aijako seid durch den Spiegelkristall geschützt ihr, werdet die Elfe suchen. Die Karibons sollten für euch das kleinste Problem sein…. Ich und Calina machen uns auf die Suche nach dem Mädchen. Mit den paar Imperialen Soldaten werden wir schon fertig. Wir treffen uns dann später wieder in der Villa.“ Tak nickte und zog mich dann an der Hand weiter. Die anderen beiden blieben zurück und stiegen an einer rostigen Leiter empor. Es dauerte nicht lange, bis ich sie aus den Augen verlor. In der Dunkelheit des Schachtes konnte ich immer nur 2-3 Schritt weit sehen. Doch Tak schien sich auch blind dort auszukennen. Wir liefen lange durch den Unterirdischen Irrgarten, bis wir an einer weiteren rostige Leiter angekommen waren. Ich stieg, dicht gefolgt von Tak die Leiter empor. Plötzlich rutschte meine Hand von der obersten Sprosse und ich verlor den Halt. Tak reagierte schnell und fing meinen Sturz ab. Er wartete kurz, bis ich mich erholt hatte, dann stiegen wir durch eine Luke aus der Kanalisation. Wir waren in einer Art Kellergewölbe. Überall standen Kisten voller Lebensmittel, aber auch Kisten mit Waffen, Munition und Rüstungsteilen fanden sich. Durch eine Tür war ein heller Lichtstreifen zu sehen, an dem viele Schatten vorbei zogen. Es war kein System in den Bewegungen zu erkennen und auch das Klappern der Imperialen Rüstungen dran nicht an mein Ohr. Tak stieg die morsche Holztreppe hinauf. Bei jedem Schritt knarrte und ächzte das Holz, als würde sie unter der Last zusammen brechen. Ich befürchtete, dass man uns bei diesem Geräuschpegel entdecken würde, doch ich irrte mich. Tak öffnete die Türe und wies mich an ihm zu folgen. Auch ich stieg die Treppe empor –behutsam- und trat in den Türrahmen. Tak drückte mich in den Raum, der dahinter lag. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus als ich die Riesigen Herde sah, die sich nun vor meinen Augen aufbauten. Hunderte von Köchen wuselten in der Küche des Palastes umher ohne auch nur die geringste Notiz von uns zu nehmen. Küchenmägde schürten das Feuer in den Öfen. Es wurde geschnitten, gehackt, gewürzt – es herrschte ein reges Durcheinander in dem ich schnell den Überblick verlor. Tak nahm mich bei der Hand und zog mich durch den Wald, wilder Handlungsabläufe. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, alles schien reibungslos zu funktionieren. Dann hörte ich Taks Stimme: „Solange wir sie nicht ansprechen, bemerken sie uns nicht, sie sind viel zu beschäftigt mit ihrer Arbeit.“ Auf diese Worte hin betrachtete ich die Menschen etwas genauer. Ich hielt mir die Hand vor den Mund um nicht zu schreien, als ich ihre ausdruckslosen Gesichter sah. „Diese Menschen arbeiten jeden Tag hart für die Magier. Ich kenne die Strafe nicht, die sie erwartet, wenn sie ihren Dienst nicht tun, doch du siehst- Die Behandlung der Magier macht die Menschen kaputt.“ Taks Worte und die freudlosen Blicke der Menschen ließen meine Gedanken in einem Meer von Traurigkeit verschwimmen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es den Menschen so schlecht ging. In diesem Augenblick wurden mir schlagartig die Augen geöffnet. Ich Versprach mir insgeheim diesen Krieg um alles zu Beenden. Ich atmete erleichtert auf als wir die große Küche verließen. Tak schien die gedrückte Stimmung der Leute leichter zu ertragen. Er hatte dieses Verhalten der Menschen sicherlich schön öfters gesehen. Durch Mekrons Bemühungen, war Quellsore von der Wandlung in ein Teil des Imperiums größten Teils verschont geblieben. Niemals hatte ich etwas davon mitbekommen. Ich machte mir große Vorwürfe. Diese Verwandelten sich in einen Schmerz, der mich von innen her aufzufressen schien. Tak schien mir diese Vorwürfe anzusehen. Mit einer sehr verständlich klingenden Stimme sagte er: „Du hättest nichts ändern können, auch dann nicht, wenn du früher zurück gekehrt wärst. Aijako, diesen Menschen kann man nur auf eine Art helfen. Der Krieg muss beendet werden! Komm weiter wir müssen die Elfe finden. Ich habe gehört, dass die Mädchen aus Lycore stark sein sollen. Viele der Mädchen in unserem Alter wehren sich dort jeden Tag gegen die Soldaten der Magier. Der Widerstand von Shunia unterstützt sie im Verborgenen, du siehst du bist früh genug zurück gekehrt. Denn solange die Diebesgilde von Lastia, der Widerstand von Shunia und die Rebellen von Jonia gegen die imperialistischen Soldaten vorgehen, solange wird es in den Menschen noch Hoffnung geben. Wir werden sie verstärken und so die Magier ein für alle Mal zurück schlagen.“ Taks Worte linderten den Schmerz einwenig, der sich tief in meine Gedanken gebrannt hatte. Ich spürte ihn nicht mehr, wusste aber dennoch um seine wachsende Greifbarkeit. Wir hatten keine Zeit um auszuharren. Tak zog mich weiter durch den Palast, immer wieder liefen wir an Menschen vorbei, die unsere Anwesenheit nicht wahrnahmen. Einzelne Palastwachen kreuzten unseren weg, doch auch sie waren mit vielen anderen Dingen beschäftigt. Ich hörte zwei Soldaten über die Rückkehr aus Lycore reden: „Demrion hat uns angewiesen, die kleine nervige Elfe in sein Gemach zu bringen. Er hält sich schon für den König Lastias, ihm ist wohl nicht bewusst, dass es dort draußen noch immer Menschen gibt, die tagein tagaus dafür kämpfen, dass wir unsere Truppen abziehen. Und die Herrin Akari ist auch nicht anders. Für sie sind wir doch alle nur Bauern auf einem gewaltigen Schachbrett. Mich würde es nicht wundern, wenn die beiden sich durch ihre Machtgier selbst zerstören, mir soll es nur recht sein, denn dann kann ich endlich zurück nach Drillios zu meiner Familie.“ Mit beipflichtendem Ton sagte der andere Soldat: „Du hast so recht, dieser Krieg ist doch nur noch ein sinnloser Machtkampf. In Lycore haben wir gegen Frauen und Kinder gekämpft. Sie waren machtlos, aber kein Soldat hatte Erbarmung gezeigt. Ich verstehe, dass du zurück zu deiner Familie möchtest, aber du kennst die Strafe, die dich ereilt, wenn du dich von den Magiern abwendest. Die Menschen haben im Krieg ihr Mitleid für die Leute gegen die Angst vor den Magiern verloren. Ich zittere jeden Tag vor Angst. Wenn es nach mir ginge könnten wir den Krieg ein für alle Mal beenden, aber so etwas wird nicht geschehen. Wir können nur hoffen und beten, dass die Magier der Vorzeit, unsere Götter, die Sinnlosigkeit dieser unnützen Zerstörung erkennen. Solange werden wir weiter kämpfen müssen…“ Wir liefen weiter. Die Götter zu denen auch ich meine Worte richtete waren, also die Magier der Vorzeit gewesen. Ich verstand nicht, wie Mekron mich diesen Glauben lehren konnte, wo er doch wusste wer ich bin. Ich wollte darüber nachdenken, doch als Tak anhielt und mich gegen die Wand drückte, hatte ich diesen Gedanken bereits verworfen. Er flüsterte leise: „Hier wird die Magie immer stärker. Die Elfe muss hier irgendwo sein… Demrion, wie sehr ich ihn hasse, was hat er mit der Elfe vor?“ Ich spürte die Ruhelosigkeit in seinen Worten. Ich war dumm genug zu fragen: „Tak, wer ist Demrion?“ Tak sah mich fassungslos an. Ich verriet ihm durch meinen Blick, dass ich niemals von ihm gehört hatte und das schien ihn zu erschüttern. Dann sagte er bissig: „Demrion und Akari sind die Mörder deiner Eltern… sie sind die mächtigsten Magier des Imperiums und herrschen seid einiger Zeit darüber. Ihr Vater, der Kaiser des Imperiums, war ein guter und toleranter Mann. Er hatte sich mit König Dakion und Königin Alkena auf eine offene Grenze geeinigt.“ Mich verwunderten die Worte: „Wenn er für eine offene Grenze war, wie kam es denn dann zu diesem Krieg?“ Taks Stimme wurde eiskalt und entzog der Umgebung die Wärme: „Auch er wurde ermordet, noch bevor der Friedensvertrag unterschrieben werden konnte, man beschuldigte deiner Eltern seiner Ermordung. In Lorian wussten die Menschen genau, dass des Königs Blut an Demrions Händen klebte und auch das Imperium wusste das, doch – niemand wollte es wahrhaben. Demrion hetzte das Volk des Imperiums gegen uns Lorianer auf und schließlich kam es zum Krieg.“ Ich erstarrte. Wie konnte ein ganzes Volk darüber hinwegsehen, dass ihr Kaiser seinen eigenen Vater ermordet hatte? Meine Gedanken überschlugen sich. Er war ein Verräter der Krone, dennoch hielt ihn niemand auf. Er hatte sein eigenes Königreich in den Krieg getrieben, nicht nur das Blut seines Vaters, nein das hunderter seiner eigenen Landsleute klebte an seinen Fingern. Zum ersten Mal wurde mir bewusst welche Brutalität der Krieg beherbergte. Es war die Gier nach Macht, die einen einzigen Magier soweit trieb. Plötzlich verstand ich die Abneigungen der Soldaten gegen den eigenen Herrn. Sie hatten keinen Respekt vor ihm nur Angst. Tak drückte meine Hand und flüsterte dann: „Du wirst niemals sein wie sie!“ Ich hatte vergessen, dass Tak meine Gedanken lesen konnte. Wieder war ich ihm dankbar für seine Worte. Sie gaben mir den Mut aufzustehen und unsere Aufgabe fortzusetzen. Wir liefen entlang eines breiten Ganges, der am Ende in einem großen Eichenportal mündete. Tak war sich sicher, dass sich die Elfe in dem Raum dahinter befinden musste. Wir öffneten die Tür. Ich lugte vorsichtig hinein und sah die Elfe in einem Käfig, der auf einem schweren Schreibtisch stand. In der Umgebung war keine Gefahr zu erkennen, so betraten wir das Zimmer ohne große Vorsicht walten zu lassen. Ich eilte zu dem Tisch und öffnete den Käfig. Die Elfe war sehr schwach. Jeder wusste, dass man Elfen nicht in Gefangenschaft halten konnte, aber dennoch waren die Magier, vor allem Demrion, so grausam gewesen. Ich legte die Kleine behutsam in meine Tasche und wandte mich um. Ich erschrak fürchterlich, als plötzlich ein Junge vor mir stand. Er war etwas älter als Tak. Ich suchte mit den Augen den Raum ab, ich konnte Tak nirgends finden. Ich beruhigte mich:“ Tak, wo bist du?“ fragte ich in Gedanken, da ich wusste, dass er mich hören konnte. Ich bekam von ihm keine Antwort. Blitzartig griff ich nach meinem Bogen. Ich zielte auf den Jungen und keifte ihn an: „Was hast du mit ihm gemacht?“ Mein Pfeil wartete schon darauf endlich von der Sehne zu schnellen,
als Tak plötzlich durch das Portal herein stürmte und schrei: „Aijako nicht, dieser Junge ist einer der Kämpfer des Widerstands von Shunia. Er ist dem Mädchen bis hierhin gefolgt.“ Noch immer richtete ich meinen Pfeil auf den Jungen. Ich zuckte kurz zusammen, fing mich jedoch augenblicklich wieder, als der Junge sagte: „ Ariana ist noch immer in der Gefangenschaft der Magier und wir bekriegen uns hier, das kann doch nicht war sein, wir müssen ihr endlich helfen.“ In seinen Augen erkannte ich die Erschöpfung, die die lange Reise von Lycore mit sich brachte. Ich senkte meinen Bogen. Dann sagte ich an Tak gewandt: „ Bring ihn in die Villa, bitte ich werde mich um Jaara und Calina kümmern. Sie werden Hilfe brauchen. Das ganze hier ist eine riesige Falle. Die Karibons bewachen das Mädchen nicht die Elfe. Macht schon verschwindet.“ Diese Erkenntnis traf mich wie der Blitz. Ich war mir sicher, dass es sich um eine Falle handelte, der Weg zu der kleinen Elfe war viel zu leicht gewesen. Ich rief Cascade aus meiner Tasche und lief los. Tak blickte mir noch einmal nach und ging dann seiner Aufgabe nach –zwar nur- widerwillig brachte er den Jungen aus dem Palast. Ich wies Cascade an, Jaara zu suchen. Für meine kleine Seelenpartnerin war es kein Problem. Sie war auch mit Jaara verbunden seid jenem Abend, als wir gemeinsam den Weg nach Lyios öffneten. Sie führte mich durch die wirren Gänge des Palastes. Bizarre Türen tauchten hin und wieder auf, doch ich hatte keine Zeit mir diese genauer anzusehen. Ich rannte durch die Gänge, bis ich schließlich vor einem bewundernswerten Spiegel stehen blieb. Cascade sagte in ihrer lieblichen Stimme: „Wir müssen weiter Aijako, wir müssen zu Jaara.“ Ich hörte nicht auf sie. Ich fuhr langsam mit dem Finger über das Spiegelglas. Meine Hände sanken ein, dann hörte ich eine liebliche Stimme sagen: „Der Spiegelkristall zeigt dir den Weg. Schreite nur voran, dein Ziel erwartet dich!“ Ich setzte meinen Fuß auf den Rand des Spiegels. Furchtlos durchschritte ich, dicht gefolgt von Cascade den magischen Durchgang. Ich fand mich in einem Labyrinth aus Spiegelwänden wieder. Der Spiegelkristall leuchtete und viele der Spiegel verschwanden. „Führe mich in das Verlies!“, dachte ich und setzte langsam einen Fuß vor den anderen. Schritt für Schritt wusste ich den Weg. Vor einer großen Spiegelplatte stoppte ich und sagte: „Zeig mir, was du mit deinen Augen siehst!“ Der Spiegelkristall klarte auf. Ich konnte Jaara und Calina sehen, wie sie von einer handvoll Soldaten in eines der Verließe geworfen wurden. Ein Mann trat nun dicht an den Spiegel und musterte sein Aussehen. Er hatte einen kalten dunklen Blick. Beim bloßen Anblick dieses Mannes lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Ich war niemals einem Menschen begegnet, der so kalt erschien. Sein Gesicht war kreideweiß und auch seine Lippen hatten keine Farbe. Er trug schwarze eintönige Kleidung, die seinen Körper völlig einhüllte.
Dann hämmerte er mit der Faust auf die Glasplatte ein. Ich wunderte mich, dass die Platte nicht in tausende Scherben zerbrach. Dann brüllte er: „ Hauptmann, ich bin überhaupt nicht zu frieden mit den jämmerlichen Sicherheitsvorkehrungen für den Palast. Wie konnten sich zwei so unscheinbare Ratten hier einschleichen?“ Bei seinen Worten deutete er auf das Verließ. Der Mann bekam nur stotternd eine Antwort: „ Eure Majestät... Demrion… ich … ich habe keine Erklärung dafür.“ Natürlich hast du keine Erklärung, wie sollst du auch eine haben? „Du bist doch nur ein nutzloser Mensch…“ Der Mann wandte sich von den Soldaten ab und verließ das Szenario. Ich hatte hinter dem Spiegel den Atem angehalten, Niemals hatte ich jemanden so mit seinen Leuten umspringen hören. Ich ahnte, dass er noch nicht entdeckt hatte, dass Jaara und Calina Elfenflüsterer waren, da der Hauptmann sich nach einiger Zeit auch Abwandte und das Verlies räumte. Ich wartete noch einen kurzen Moment ehe ich sagte: „Werde zum Weg, der mich hin zu meinen Freunden führt!“ Ich schritt durch die Glasplatte. Sah mich um und erkannte, dass an der Wand nur ein kleiner rundlicher Spiegel hing. Von der anderen Seite, war die Größe nicht abzuschätzen. Ich war der Meinung gewesen, dass es sich um einen größeren Spiegel handeln musste, doch ich lernte schnell, dass in der magischen Welt nicht alles so sein musste, wie es erschien. Ich sah mich um und suchte den Gang nach Wachen oder Soldaten ab, als ich mir sicher war, alleine zu sein, rief ich Cascade an meine Seite und öffnete mit ihr das Verlies, in dem sich Jaara und Calina befanden. Ich trat in die Zelle. Ich blickte in die bleichen Gesichter von Calina und Jaara, die sich über die Elfenflüsterin gestützt hatten, dann schnappte die Tür plötzlich zu. Verschwommen nahm ich Demrions Stimme war: „Wer hätte gedacht, dass die Elfenflüsterer auf eine solch dumme List reinfallen?“ Schallendes Gelächter erfüllte die Luft. Ich hämmerte gegen die Tür ein. Dann zischte Demrion: „Das bringt nichts, hier kommst du nicht wieder heraus! Und wer will dir schon helfen, die anderen? Dazu ist es zu spät!“ Ich hörte auf gegen die Tür zu hämmern und beruhigte mich. Plötzlich sprudelten die Worte nur so aus meinem Mund: „Zu spät ist es erst dann, wenn keiner mehr von uns lebt. Ob du willst oder nicht Demrion, die Zeit deiner Herrschaft wird vorüber gehen. Das Blutvergießen findet ein Ende und ich werde den Thron Lastias wieder besteigen. Es gibt Weg in dieser Welt, die du nie beschreiten kannst. Und schon alleine aus diesem Grund wirst du uns niemals besiegen können.“ Aus dem Schatten des Kerkers traten nun plötzlich Calina und Jaara an meine Seite. Sie hatten das Mädchen aufgestützt, das wir retten wollten. Demrions Blicke durchbohrten mich, ich wich ihnen nicht - hielt ihnen stand. Dann begann er auf einmal fürchterlich zu schreien: „Haltet dieses Gör auf, sie darf nicht entkommen!“ Ich beachtete seine Worte nicht. Selbstsicher lächelte ich und warf ihm entgegen: „Dieser Krieg ist noch lange nicht vorbei, noch lebt die Erbin Lorians!“ Seine Augen verengten sich schlagartig, als er den Spiegelkristall an meinem Hals erkannt. „Haltet sie auf!“ schrie er jetzt panisch in die Soldatenmenge, die daraufhin auf die Kerkertür stürzte um diese zu öffnen – zu spät. Ich hatte das Siegel zu Lyios bereits gebrochen und durchschritt nun zusammen mit den anderen den Durchgang zur Geborgenheit. In den Schatten des Kerkers erkannte ich Karibons, die wild durcheinander flogen und sich auf die Soldaten stürzte. Ich wandte den Blick von dem grausigen Schauspiel ab. Dann, als wir in Lyios festen Fuß gefasst hatten, schloss ich den magischen Durchgang und brach schließlich zusammen. Demrions Blicke hatten sich doch tief in mich hineingebohrt und mich innerlich verletzt. Ich war mir in dem Moment sicher, dass Blicke töten können.


Sissipha
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