Spiegelherz
(Autor: Aijako)
Blutzeugen
Mir war unwohl so wenig von meinen Eltern zu wissen. Ich bat Bregon um einen Art Unterricht, der mir ihre Taten und ihr Leben näher brachte, doch ich musste feststellen, dass auch Bregon fast nichts über seinen Bruder wusste. Ich wunderte mich. Wie konnte er seinen eigenen Bruder kaum kennen? Andere Gedanken schlichen sich ein. Wollte er mir nichts sagen, immer öfter kam mir dieser Gedanke, als ich an den Mann, meinen Onkel, dachte. Ich verließ den Raum, woraufhin Tak mir folgte. Als ich zurück in die Halle trat, waren die Menschen verschwunden. Ich hörte viele Stimmen aus den oberen Stockwerken und machte mich auf das Haus, nein die Villa, meines Onkels auszukundschaften. Tak sah ein letztes Mal nach mir als er kehrt machte und noch einmal in das Kaminzimmer zurück ging. Ich steig die weiße Marmortreppe empor um zu sehen wie groß die Villa war. Als ich die oberste Treppenstufe erreicht hatte, befand ich mich in einem breiten Gang, der übersäht mit vielen Türen war. Ich lief den Gang in eine Richtung ab. Es dauerte etwa eine Stunde. Bis ich die letzte Tür erreicht hatte. Ich hatte mir nicht die Mühe gemacht zu zählen, wie viele es wohl seien. Ich nahm mir vor, jedes Zimmer zu betreten und zu sehen, wofür es genutzt wurde. Die erste Tür die ich öffnete, führte mich in ein kleines Badezimmer. Es war ausschmückt mit silbernen Kerzenhaltern und Marmorfliesen. Als ich den Raum betrachtete, entzündeten sich die Kerzen von selbst. Sie erhellten den Raum in einer wohligen Wärme. Eine Stimme hinter mir erklärte: „Das ist der Flügel des Feuers. Die Magie der Feuerelfen wurde eins genutzt um hier zu leben.“ Ich wandte mich um. Es war Jaara, die hinter mir stand. Neben ihr schwebte ihre Elfe Incendie. Ich bat sie mich durch das Haus zu begleiten, da sie vieles über dieses Gemäuer zu wissen schien. Sie tat es und führte mich durch den Flügel des Feuers. Bei Jaaras Erklärungen fiel mir auf, dass sie mich nie direkt ansprach, immer nur erzählte. Ich erkannte, dass es keine Abscheu mir gegenüber war, deshalb fragte ich sie wahrscheinlich auch: „ Jaara, wieso kannst du mir nicht in die Augen sehen?“ Ich spürte, wie sie zusammen zuckte. Dann wandte sie sich ab und stotterte vor sich hin: „Ich… Ich… Ich komme aus einer Familie, die dem Königshaus schon sehr lange treu ist, ich bin der letzte Nachfahre unserer Familie.“ Ich wusste nicht, was sie andeuten wollte. Jaara war älter als ich, nicht viel nur etwa zwei Jahre. Bei den nächsten Worten zögerte sie: „Mein Vater, und mein Bruder verteidigten eure Eltern, Lady Aijako, doch es gelang ihnen nicht… diese Schande verbietet es mir, euch in die Augen zu sehen.“ Bei dem Wort „..Schande...“ legte ich ihr meine Hand auf die Schulter. Als sie zu ende gesprochen hatte, sagte ich mit ruhiger einladender Stimme: „Jaara, geschehen ist geschehen. Niemand hat es verdient mit dieser Schande, wie du es nennst leben zu müssen. Man kann an Geschehenem nichts ändern, aber man kann das Kommende verändern. Jaara, ich will nicht deine Herrin sein, will nicht, dass du mir nicht in die Augen sehen kannst. Ich will deine Freundin sein. Das ist es, was auch mein Vater und meine Mutter sicherlich erwartet hätten!“ Zum ersten Mal blickte Jaara auf. Sie sah mir direkt in die Augen. Ich erkannte die Dankbarkeit, die meine Worte erzielt hatten. Ich hielt ihrem Blick stand, ich erwiderte ihn, ohne jeglichen Anflug von Schuldzuweisung. Jaaras Blick machte mich fröhlich. Bregon erzählte mir, dass ich zu Großem in der Lage sei, und nun fragte ich mich doch ehrlich, ob ich den Menschen helfen konnte, zu vergessen. Ich wollte den Menschen helfen von der Vergangenheit abzulassen und ich konnte somit endlich verstehen, weshalb man die Hoffnung an ein freies Lorian nie aufgeben wollte. Dann sagte Jaara aus heiterem Himmel: „ Aijako, danke. Du bist wahrlich die Hilfe auf die wir schon so lange warten. Nun möchte ich dir helfen, Ich ahne, dass du von deiner Familie nur wenig kennst, deshalb möchte ich dir einen Raum zeigen, der lange Zeit versiegelt war, doch mit deiner Ankunft hier ist das Siegel aufgebrochen. Ich war schon in dem Raum. Er ist gigantisch. Er erzählt die Geschichte der Könige und ein Stammbaum ist auch dort.“ Sie riss mich in ihrer Euphorie mit. Lief mit mir an vielen Türen vorbei ehe sie vor einem großen zweitürigen Portal stehen blieb. Es war anders. Das Holz war durchfasert mit dünnen Goldfäden. Von dem dahinterliegenden Raum ging eine starke Anziehung aus. Ich war mir nicht sicher, ob Bregon bereits entdeckt hatte, dass das Siegel dieses Raumes gebrochen war. Zögerlich legte ich meine Hand an die Tür. Es fühlte sich an, als würde der Raum pulsieren, wie das schlagende Herz eines Kindes. Es war ein ruhiges Pulsieren. Ich betrachtete Jaara aus dem Augenwinkel. Sie schien das Schlagen nicht zu vernehmen. Ich legte nun auch meine zweite Hand an die Tür um sie zu öffnen. Eine leise Stimme flüsterte mir zu: „Tritt ein in die Vergangenheit, doch sei gewiss, sie wird immer ein Teil von dir sein!“ Das Tor ging leichter auf als ich erwartet hatte, was dazu führte, dass ich stolperte und schließlich hineinfiel. Ich fiel in die Dunkelheit. Als ich auf dem Boden aufkam. Flammten tausende von Kerzen auf. Kronleuchter hingen von der hohen gewölbten Decke des Saals. An den Wänden hangen Bilder der großen Könige und Königinnen. Die Bilder trugen keine Namen, dennoch wusste ich instinktiv, welches meine Eltern waren. Ihre Bilder hingen nebeneinander. Mein Vater blickte sehr amtlich auf mich herab, während mir meine Mutter freundlich entgegen lächelte. An der hinteren Wand des Saales war der Stammbaum der Familie auf die Wand geschrieben. Ich konnte die Schrift nicht lesen, die dort zu sehen war. Jaara trat nun an meine Seite. Sie begann zu lesen: „ Das Gesetzt Lorians richtet sich nach dem Volk, seinen Interessen und seinem Wohlstand. Die Könige haben die Aufgabe dieses Gesetz zu bewahren. Wir die stolzen Völker der Waladras Elfen schwören an ihrer Seite zu stehen uns für den Frieden und seine Bewahrung zu kämpfen. „ Sie deutete auf die Zeilen über dem Stammbaum. Ich erinnerte mich daran, dass Mekron mir einst erzählt hatte, dass die Waladras Elfen die stärkste Macht des Königreichs waren. Aber heute gab es sie nicht mehr. Ich bat Jaara mir den Stammbaum zu erklären. Alles war in der Schrift der Elfen, dem Navial, geschrieben. Ich konnte kein Navial lesen, konnte es nur verstehen. Es war die Sprache in der ich mit Cascade redete. Jaara deutete auf den untersten Name. „Dort steht, Prinzessin der Hoffnung, Aijako. Darüber sind deine Eltern. Königin Alkena, Träne der Hoffnung und König Dakion, weiser Regent. Dort steht auch Bregons Name.“ Jaara trat näher an die Wand heran. Sie wischte mit ihrer Hand über den Namen und sagte: „Hier wurde etwas ausgeschliffen. Die Stelle unter dem Name ist ganz glatt. Ich kann mir nicht erklären, weshalb jemand etwas von dieser historischen Tafel entfernen wollte und hat. Sie zeigt die guten Taten der Königsfamilie. Sie ergänzt sich fehlerfrei von selbst. Durch jeden, der den Spiegelkristall trägt. Dort steht unter deinem Namen zum Beispiel. Pakt mit den Elfen eingegangen. Mit 3 Jahren Elfenmächte kontrollieren. Du siehst auch du hast schon großes geleistet. Deine Mutter hat den Frieden 3 Jahre lang bewahrt. Dein Vater gewann 30 Schlachten um den Palast und das Königreich zu sichern. Beide haben großes vollbracht. Bei Bregon steht nichts.“ Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Selbst von mir standen schon Dinge auf dieser Tafel. Ich fragte mich ob Bregon nichts erreicht hatte, doch diesen Gedanken zweifelte ich schnell wieder an. Ich war mir sicher, dass auch Bregon vieles erreicht haben musste. Ich trat zu Jaara und berührte ebenfalls mit meiner Hand die raue Fläche unter seinem Namen. Plötzlich durchströmte meine Hand eine heiße Glut, die sich auf die Tafel übertrug. Jaara betrachtete mit weitgeöffneten Augen das Geschehen. Ich fuhr mit meiner Handfläche über die Stelle. Es roch nach verbrannter Erde als ich meine Hand entfernte. In schwarzen verkohlten Buchstaben stand das Wort Blutzeuge unter Bregons Namen. Ich erschrak, als sich die Tafel veränderte. In goldenem Licht schrieb sich eine neue Zeile unter meinen Namen. Ich bat Jaara zu lesen. „Mit 15 Jahren beherrscht sie das Feuer gerade zu makellos.“ Ich konnte nicht erfassen wer erstaunter war, ich oder Jaara, dann überschlugen sich meine Gedanken. Ich dachte wieder an das Wort Blutzeuge, das während dem Lesen der neuen Zeile verschwunden war. Dann sah ich die Symbole für Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart aufglimmen. Das Symbol der Vergangenheit setzte sich auf die Namen meiner Eltern, das der Gegenwart auf Bregons Namen und das der Zukunft auf meinen. Jaaras Augen leuchtet dann plötzlich in einem rötlichen Schein sie sagte mit geheimnisvoller fremder Stimme: „Vergangen ist die Zeit des großen Königs, vergangen die Zeit der großen Königin auch die Zeit des edlen Grafen wird vergehen, aber die Zeit der Hoffnung bringenden Prinzessin ist gerade angebrochen.“ Jaara brach zusammen. Ich eilte an ihre Seite und stütze sie auf. Ich warf einen letzten Blick an die Wand, nickte und verließ den Raum. Als ich die Tür verschlossen hatte hörte ich ein Klicken, das unabänderlich die Tür schloss. Eine Barriere aus Licht legte sich darüber und versiegelte den Raum gegen all jene, die nie sehen sollten, dass es noch immer Hoffnung für Lorian gab und sich diese schnell entwickelte. Nur wer selbst Hoffnung im Herzen trug, konnte diese Tür durchschreiten. Ich webte mir Gedankennetze, versuchte mir zu erklären, was „Blutzeuge“ unter Bregons Namen bedeuten wollte, doch ich kam nicht hinter dieses Geheimnis. Mir wurde direkt in dem Augenblick als wir den Raum verlassen hatten klar, dass das Schicksal des Königreiches nicht länger in den Händen eines einzelnen lag, sondern in den Händen aller Elfenflüsterer. Wie mein Vater und meine Mutter die Vergangenheit waren, werden wir alle, die noch übrig sind, die Zukunft von Lorian sein.
Als ich den Gedanken zu Ende gesponnen hatte, hastete Tak die Marmortreppe hinauf an meine Seite. Ich sah ihm in die Augen, die angsterfüllt und um Vergebung flehend meinen Blick suchten. Ich erschrak. Ich fühlte die Kälte, die von seinem Blick ausging und musste mich zwingen den Kontakt zu halten. Seine angstverzerrte Miene ließ mich erahnen, was geschehen sein musste. Ich lehnte Jaara an die Wand, hastete die Treppe hinunter in das Kaminzimmer.
Ich blieb im Türrahmen stehen, als ich das blutige Szenario sah, das sich dort zugetragen hatte. Bregon saß mit offenen Augen in seinem Sessel. Ich sprach ihn an: „ Was ist geschehen?“ Ich bekam keine Antwort. Ich lief auf den Mann zu, dann sah ich den Rubin besetzten Dolch, der aus seiner Brust ragte. Ohne zu wissen was ich tat Zog ich den Dolch hastig heraus. Ich hatte einen Liliendolch erwartet, doch was ich nun in den Händen hielt, war der Dolche eines Soldaten des magischen Imperiums. Ich ließ ihn fallen und umklammerte die Hand meines Onkels. Für ihn kam jede Hilfe zu spät.
Tak erschien nun im Türrahmen, Ich brach in Tränen aus als ich ihn sah, beschimpfte ihn als Verräter und wollte ihm nicht mehr in die Augen sehen, doch ich konnte es nicht. Auch ihm strömten Tränen über das Gesicht. Weshalb weinte er, war er nicht für das Blutbad verantwortlich gewesen? Ich hatte das Gefühl niemandem mehr trauen zu können. Ich war noch immer halb über dem Körper gebeugt als ich ein mir bekanntes Licht über dem Kamin aufglimmen sah. Auch Tak schien das Licht wahrzunehmen. Ich wandte meinen Blick von der Leiche in meinen Armen ab. Ich starrte auf den Kamin. Wie hypnotisiert, ließ ich von dem Toten ab und ging auf das Licht zu. Tak folgte mir. Ich wollte jeglichen Kontakt mit ihm vermeiden. Er war der letzte gewesen, der dieses Zimmer betreten hatte. Dann hörte ich eine Stimme sagen: „Betrachte die Dinge nicht nur aus einem Blickwinkel, junge Prinzessin. Betrachte das volle Ausmaß.“ Die Stimme kam mir vertraut vor. Ich schloss die Augen und versuchte mich zu erinnern wo ich sie schon mal gehört hatte. Plötzlich fiel ich ins bodenlose. Ich spürte keinen festen Grund mehr unter meinen Füßen, dennoch hatte das Gefühl des Fallens aufgehört. Ich öffnete die Augen und sah von oben auf Tak und Bregon herab. Ich hielt das Blutbad für einen Traum und beobachtete aufmerksam die Szenerie. Erst nach einiger Zeit bemerkte ich Tak, der den Blick versuchte abzuwenden, es ihm aber nicht gelang. Dann hörte ich einen Schrei. Er war nicht besonders laut und wurde direkt im Keim erstickt. Eine dritte Gestalt hatte den Raum betreten und sagte nun mit höhnischem Gelächter: „ So sieht man sich also wieder Bregon! Und wieder naht dein Ende, doch dieses Mal hast du nichts um dein Leben zu erkaufen!“ Die Gestalt trat näher an das Kaminfeuer heran. Ich konnte nun erkennen, dass es sich um einen älteren Mann handelte. Er war jünger als Bregon, machte aber einen gebrechlicheren Eindruck. Noch immer kauerte Tak an meiner Seite. Ich suchte das Bild zu meinen Füßen nach dem anderen Tak ab, Ich sah ihn kauernd in einer Ecke lungern, Hatte er etwa Angst vor diesem Mann? Dann sah ich Bregon an, auch ihm schien die Angst ins Gesicht geschrieben zu stehen. Ich hatte noch nie solche Gestiken gesehen. Bregons Mimik war panisch verzerrt und hatte jeglichen freundlichen Ausdruck verloren. Dann erhob der Mann die Stimme: „Du siehst Bregon, auch als Blutzeuge des Imperiums, bist du nicht sicher vor uns. Wie ich deinen Bruder hinraffte, werde ich auch dich hinraffen. Und mit dir den dritten Erben des Spiegelkristalls.“ Ich zuckte zusammen, als der Spiegelkristall erwähnt wurde. Plötzlich bemerkte ich die unruhige Energie, die von ihm ausging. Sie pulsierte wie ein Herzschlag. Bei den Worten des Mannes, wurde dieser Herzschlag unregelmäßig wild. Ich hatte Angst, der Kristall könnte zerspringen, Ich nahm ihn in beide Hände. Ich war vollkommen von der Handlung abgelenkt.
Ich wurde in das Schauspiel zurück geschleudert als ich Bregons Stimme vernahm: „Jaldrian, deine Zeit ist vorüber. Und die Herrschaft des Imperiums über Lorian geht dem Ende zu. Erinnerst du dich daran? Du wolltest das Königreich nie aufgeben, doch warst du der erste, der zu den Magiern übergelaufen war. Du gabst mir deinen Sohn um ihn vor den Schatten zu bewahren. Hast du ihn denn schon vergessen?“ Ich schreckte zusammen, als ich Bregons kritische Worte vernahm. Der Mann, war also Jaldrian von Lamystra. Mir schossen die Bilder von Taks Blick in den Kopf. Mir wurde nun Klar, dass er Bregon nicht getötet hatte. Er hatte keinen Grund gehabt. Aber er hatte mit angesehen, wie sein Vater Bregon tötete. Ich nahm den zu meinen Füßen kauernde Tak in die Arme. Er zitterte am ganzen Körper. Ich spürte, wie sein Körper bebte und drückte ihn noch fester an mich. Dann hörte ich wie der Mann schrei: „Ich habe keinen Sohn!“. Ich drehte meinen Kopf um und sah wie er blind zu stach. Er stach mehrmals auf Bregon ein. Bei jedem Stich zuckte Tak an meiner Seite zusammen. Ich konnte nicht fassen, wie jemand so grausam sein konnte, Jaldrian verleugnete seinen Sohn nach allem, was er für ihn getan hat. Grausamer war jedoch die Tatsache, dass Bregon ihm einst vertraut hatte. Ich erinnerte mich an die Tafel in dem Zimmer, das ich mit Jaara besichtigt hatte. Blutzeuge hatte unter Bregons Namen gestanden. Ich verstand nun was gemeint war. Er hatte wider seines Glaubens gehandelt. Er handelte für seine Überzeugungen und Hoffnungen an ein freies Königreich und erlitt die Verfolgung der Magier, was ihn dazu verdammte sich hier in seiner Villa zu verstecken und dennoch den Tod zu erleiden. Ich bewunderte diese Entschlossenheit für mich, Tak und alle anderen sein Leben aufs Spiel zu setzten. Auch wenn ich um meinen Onkel Bregon trauerte, nahm ich seinen Tod als Vorwand sich gegen die Magier behaupten zu müssen, Ich wollte nicht, dass sein Opfer vergebens war. Jaldrian von Lamystra sollte zur Rechenschaft gezogen werden. Ich wusste, dass es keine Lösung gab die Blutvergießen vermeidet, doch wollte ich nicht aufgeben eine solche Lösung zu finden. Ich zuckte zusammen als ich das Schlagen der Tür hörte. Tak stürmte aus dem Raum. Ich konnte ihm die Reaktion nicht verübeln, Wer auch immer dafür verantwortlich gewesen war, dass Tak dieses Bild noch mal sehen musste, war herzlos, schoss mir der Gedanke durch den Kopf. Ein schmaler Lichtstreifen fiel nun in das Zimmer. Ich musste meinen Blick abwenden als ich Bregons Stimme vernahm, die jegliche Freundlichkeit verloren hatte: „Jaldrian warum? Ist dir denn das Königreich egal?“ Zischelnd gab der Mann eine antwort: „Bregon, du weißt so wenig über diese Welt. Den Jungen den ich dir einst übergab, war nicht mein Sohn. Er war das Kind von Magiern.“ Ich hörte wie Bregon nach Luft rang. Bregon hatte das Kind von Magiern aufgenommen? Mir wurde kalt, dann klammerte ich mich an Tak. Ich ahnte wer dieses Kind gewesen war. Ich fragte mich immer wieder ob Bregon die richtige Entscheidung getroffen hatte, als er Tak den Spiegelkristall übergab. Die Unterhaltung der beiden Männer wurde fortgesetzt. Mit einem hämischen Lachen sagte Bregon: „Du hast einen großen Fehler begangen. Jaldrian, ich trage den Spiegelkristall nicht mehr. Ich habe ihn weiter gereicht. Damit konntest du nicht rechnen. Ich habe mich in den letzten 12 Jahren verändert. Mein Altes Ich hat noch alles über den Spiegelkristall aufgeschrieben, doch du wirst diese Aufschreibe nun, niemals mehr finden.“ Wutentbrannt rammte der Fremde seinen Dolch in Bregons Brust. Aus der Halle waren Schritte zuhören. Der Mann verließ überstürzt den Raum. Kurz darauf eilte ich an Bregons Seite. Ich schloss die Augen. Wieder fiel ich. Als ich den Boden unter meinen Füßen spürte, zog ich Tak zu mir hoch und umklammerte ihn. Er hatte aufgehört zu zittern. Er war noch etwas kreidebleich, doch machte den Eindruck alleine stehen zu können. Dann schoss mir ein Name durch den Kopf. In dem Moment als ich ihn aussprach sagte auch Tak: „Lyllewyn….“ Der Raum wurde taghell erleuchtet. Ich erschrak, als mir bewusst wurde, dass wir uns nicht mehr in dem Kaminzimmer befanden. Wir standen auf einer riesigen grünenden Wiese. Ein Wohliges Gefühl verdrängt die Gedanken an den Toten im Kaminzimmer. Auch Tak schien erleichtert, das Bild hinter sich gelassen zu haben. Ich wunderte mich wie in einem Königreich in dem schon so lange Krieg herrschte, eine Wiese dieses Ausmaßes grünen konnte. Das Farbenspiel zwischen den Grashalmen und Blumen verwunderte mich aufs Neue. Ich hatte um Quellsore herum viele Blumen gesehen, doch hier schien jede einzigartig. Ich ging einige Schritte umher. Ich betrachtete die Umgebung genau. Wieder konnte ich mich an den merkwürdigen Namen erinnern: „Lyllewyn….“ Cascade schwebte nun an meine Seite. Auch Taks Elfe war aufgetaucht. „Wo sind wir?“ fragte Tak noch ehe ich diese Frage in Worte fassen konnte. Ihm war anzusehen, dass der Schock von eben nach gelassen hatte. Er wiederholte die Frage nun etwas deutlicher: „Butin, wo sind wir hier? Ist das noch ein Teil des Königreichs?“ Tak bekam keine Antwort. Auch Cascade dachte nicht daran eine Antwort zu geben. Dann hörte ich das Murmeln vieler Stimmen auf Navial. Es waren kleine zarte Stimmen, wie die von Incendie, Cascade oder Butin. Ich wandte mich um und entdeckte die vielen verschiedenen Elfen um mich herum.
Dann hörte ich eine gebieterische Stimme, die sich völlig von den anderen unterschied. Es war eine zarte weiße Stimme, die ihre Worte behutsam wählte. Ich hörte sie sagen: „Redet nicht so wild durcheinander, diesen Menschen fällt es schwer euch zu verstehen!“ Ein eindrucksvolles Raunen ging durch die Stimmen, dann war die Fassungslosigkeit nicht zu überhören. Kommentare wie: „Menschen sind doch alle gleich!“ und „Wie kannst du sie hier nur dulden Lyllewyn?“ gingen durch die Reihen. Ich staunte als eine wunderschöne Frau auf mich zuging. Sie sah wie eine Elfe aus, doch ließ mich ihre Größe daran zweifeln. Im Sonnenlicht schillerten ihre hellen farblosen Flügel. Ich bewunderte das sichere Auftreten dieser Person. Als sie näher trat, verbeugte ich mich, auch Tak tat es mir gleich. Ich vernahm ihre wohlklingende Stimme, die mich aufforderte aufzublicken. Ich konnte ihr nun in die Augen sehen. Sie sprachen zu mir. Ich musste nicht viel über sie wissen, es genügte mir dieser eine Blick um ihr völlig zu vertrauen.


Sissipha
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