Spiegelherz
(Autor: Aijako)
Tiefe Abgründe
Am Tag unserer Abreise, verabschiedete ich mich früh von den Elfen in Lyios und den Leute
der Diebesgilde, die mir in den letzten Tagen fest ans Herz gewachsen waren. Seid Jahren hatte ich mich alleine gefühlt, doch unter diesen Menschen verstand ich mich zum ersten Mal als Teil einer enormen vielschichtigen Welt. Mir fiel der Abschied ungemein schwer, schon alleine der Ungewissheit wegen ob das Ziel, das wir uns gesetzt hatten überhaupt erreichbar war. Nicht nur ich tat mich mit dem Abschied nehmen an diesem Morgen schwer. Mandrael und seine Schwester schliefen noch, die beiden waren wie Geschwister für Tak gewesen. Er stand lange an ihrer Zimmer Tür und sah den beiden Schlafenden zu. Ich trat an seine Seite, legte ihm die Hand auf die Schulter und flüsterte ihm ins Ohr: „Diese beiden, werden dich nie vergessen. Komm jetzt, wir müssen los!“ Er nickte beschwichtigend, murmelte: „Nur noch ein paar Minuten… sind die anderen schon so weit?“ Ich wandte mich von ihm ab um nach den anderen zu sehen. Ariana und Iros warteten schon geduldig auf unser Ankommen in der Halle, doch noch fehlte von Jaara und Calina jegliches Zeichen. Ich suchte die Gänge der Villa nach ihnen ab. Ein dunkler Gedanke, hier alles im Stich zulassen, schlich sich bei mir ein. Obwohl ich erst seid kurzem diesen Ort als ein zu Hause anerkannt hatte, fühlt ich mich tief mit ihm verbunden, immerhin war er ein Teil meiner Vergangenheit. Ohne darüber nach zu denken, lenkte ich meine Schritte zu dem Raum, in dem sich die Gemälde meiner Eltern befanden. Als ich vor der Tür stand, hörte ich aus dem Schatten Calinas Stimme: „Der Raum hat dich also auch gerufen.“ Zusammen mit Jaara stand sie nun hinter mir. Es dauerte nicht lange, bis auch Tak sich zu uns gesellte und Ariana mit sich brachte. Ich legte meine Hand gegen die Tür und schloss die Augen. Wieder spürte ich das starke Pulsieren des Saales. Ich spürte nun den starken Drang die Tür aufzustoßen, doch sagte mir eine innere Stimme, ich solle von der Vergangenheit doch endlich ablassen. Ich nickte, sehr zur Verwunderung der anderen, kehrte der Tür den Rücken und stieg die marmorne Treppe hinab, ohne auch nur einen Kommentar von mir zu geben. Die entsetzten Blicke der anderen brannten sich in meinen Nacken, doch ich hatte nun verstanden, weshalb Bregon seine Taten auf der Tafel weggebrannt hatte. Wie auch Lyllewyn mir einst klarmachen wollte, war es manchmal besser geheim zu halten wer man war. Ich war mir bewusst, dass nicht der Saal nach uns gerufen hatte, sondern die Tafel, die uns demonstrieren wollte, welche Macht uns inne wohnte, doch ich wollte es nicht gesagt habe sondern wollte es lieber selbst herausfinden. Die Stimme, die mir gesagt hatte, die Vergangenheit ruhen zu lassen hatte Recht, denn in diesem Saal befand sich meine Vergangenheit. Hätte ich die Pforte durchschritten, wäre mir sicher meine Geschichte dargelegt worden, doch hätte ich den Weg, der mir bestimmt war nicht so beflügelt beschritten, wie ich es vorhatte. Ich musste an meine Eltern denken und zweifelte kurz an meinem Entschluss. In diesem Moment folgte mir Tak. Er erhaschte mich auf den letzten Stufen der Treppe, zog mich ruckartig um und sah mir dann tief in die Augen. Mit den Lippen formte er die Worte: „Wovor läufst du weg?“ und versuchte mich wieder hinauf zu ziehen. Doch ich wehrte mich mit Händen und Füßen und versuchte ihm klarzumachen, dass ich nicht weglief. Ich versuchte seine Gedanken zu verstehen, doch sie waren wirr und neblig, sodass ich nicht zu ihm vordringen konnte. Ich verstand nicht was vor sich ging. Es war das erste Mal seit ich Quellsore verlassen hatte, dass ich mich hilflos und verlassen gefühlt hatte. Plötzlich wich Tak vor mir zurück. Erschüttert sah ich, wie er in dunkle Schatten eingehüllt wurde und ein dunkles Kreischen die Luft zerfetzte. Ich bemerkte erst jetzt das wilde Leuchten des Spiegelkristalls. Dann schrie ich panisch nach den Elfen, doch niemand eilte mir zur Hilfe. Man rief meinen Namen, ich hörte ihn deutlich, erst leiser dann immer lauter werdend versuchten die Stimmen zu mir durchzudringen. Ich öffnete die Augen, noch immer lag meine Hand auf der Tür der des Ahnensaals. Ich sah mich um und sah in die freundlichen Gesichter meiner Freunde. Ich sah ihnen in die Augen und sagte: „Lasst uns gehen, dort drinnen, befinden sich nur noch Schatten der Vergangenheit und des Zweifels, sie stören unseren Weg… lassen wir sie doch einfach dort wo sie sind! Wir brauchen diese tiefen Abgründe nicht länger mit uns zu nehmen, die Zukunft gehört uns, nicht länger der Vergangenheit!“ Einstimmendes Nicken der anderen verriet mir, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Zusammen folgten wir der Treppe in die Halle, in der Iros noch immer ungeduldig auf uns wartete. Wir waren endlich bereit die Reise nach Shunia anzutreten. Mit einem letzten Abschied nehmenden Blick zurück auf das zerstörte Lastia setzten wir unsere Reise durch die Dolkan-Ebene fort.
Die Dolkan-Ebene war einst ein grünes saftiges Plateau gewesen, doch was von ihr heute übrig ist, ist ein Schlachtfeld, das niemanden erahnen ließ, welch wunderbarer Ort es einmal gewesen sein musste. Als mein Blick über die verdorrten Bäume strich und an den verdorrten Grashalmen hängen blieb wurde mir eiskalt. Ich hatte nun zum ersten Mal gesehen, welches Ausmaß dieser Krieg auf unsere Welt hatte. Nicht nur die Städte litten auch die Natur und mit ihr all ihre Lebensgeister. Und mit den Lebensgeistern, verloren die Waladras Elfen an Kraft. So viele Fragen drängten sich mir auf: Wie viel Zeit hatten wir noch, bis diese Welt ganz verblassen würde? Konnten wir denn überhaupt noch etwas retten? Würde ich mein Versprechen einlösen können? Ja, bei dem traurigen Anblick der Ebene schossen mir viele Fragen in den Kopf. Als hätten die anderen mir angesehen, welche Trauer ich empfand, versuchten sie mich aufzumuntern. Tak trat an meine Seite und sagte: „So viel Zeit ist vergangen, und so viel hat sich geändert doch eines wird sich niemals ändern, die Hoffnung an ein freies Leben und an dich, die Herrscherin Lorians! Aijako, so viele Menschen glauben noch an dich und mit dir glauben sie an ein Ende der Schreckensherrschaft der Magier, glaub mir, der Wille zu einer Veränderung ist stark, stärker als der Bann der Magie!“ Taks Worte trafen mich tief, immerhin sprach er über sein Volk. Doch war ich mir sicher, dass er es sich noch nicht eingestehen wollte, dass er auch ein Magier war. Er sagte die Wahrheit, so vieles hatte sich geändert, schon alleine in den letzten Tagen nur für mich, wie musste es sein, wenn sich für Tausende die Welt änderte, ich konnte es mir nicht ausmalen und wollte jegliche Vorstellung daran aus meinen Gedanken verbannen. Umso mehr ich das versuchte, umso stärker wurde der Gedanke an die Zuversicht vieler Menschen. Auch ich hatte es in den letzten Tagen an Iros gesehen, wie man aufblühen konnte, nur, indem man hoffte. Ich hatte nur wenig Zeit gehabt um mit dem Jungen zu reden, also fasste ich den Entschluss, dass er mir nun endlich Rede und Antwort stehen musste. Sofort setzte ich diesen Entschluss in die Tat um. Ich zog Iros an meine Seite und sagte Tak in Gedanken: „ich möchte mit ihm alleine reden, führ die anderen weiter, wir werden bald zu euch stoßen!“ Tak nickte mir stumm zu und eilte zu den anderen, über die Schulter warf er noch einen kurzen überprüfenden Blick zu mir und Iros, doch dann stürzte er sich in ein Gespräch mit Ariana. „Was ist los?“, fragte Iros auf meine Geste hin. „Erzählst du mir etwas über deine Schwester und den Widerstand?“, fragte ich wissbegierig zurück und sah ihm dabei tief in die Augen. Doch er hielt meinem Blick nicht stand, als er mir Antwortete warf er seinen Blick auf Ariana und sagte: „ Meine Schwester Lolani und ihr Freund Kormos führen den Widerstand während meiner Abwesenheit. Wir sind die Kinder der einstigen Anführerin und
Ich wurde bei ihrem Tod in einer Schlacht mit den Magiern zum neune Anführer auserkoren. Es war eine Aufgabe, der ich alleine nicht gerecht werden konnte, doch Lolani stand immer fest hinter mir. Sie wollte immer so sein wie ihr, zumindest so wie die Geschichten von euch.
In den letzten drei Jahren sind wir uns immer näher gekommen und halten nun fester zusammen den je, ich . . .“ er stockte. Er brauchte Zeit. Ich wollte ihm alle Zeit geben, die er brauchte um mir zu erzählen, was uns in Shunia erwartete. Aus heiterem Himmel fuhr er fort, sachlicher als zu vor machte er mir klar: „Ich möchte sie nicht auch noch verlieren, sie ist alles was ich habe. Der Widerstand kämpft seid dem Tod meiner Mutter nur noch mit halber Kraft, es war ein schwerer Schlag für alle. Auch Ariana wurde davon stark beeinflusst. Ich habe sie seit langem nicht mehr lachen sehen, was meinst du, hat sie es verlernt? Das Lachen meine ich?“ Dieses Mal suchte er meinen Blick. Ich war mir nicht sicher, was er von mir hören wollte. Sollte ich ihm die Bestätigung geben, dass sie es wirklich verlernt hatte, oder sollte ich ihm erklären, dass so etwas nicht von Dauer sei, sondern nur einen Moment im Leben einnahm. Wie ich es auch wendete, ich fand keine passende Antwort. Doch sein stechender Blick verriet mir, dass er eine Antwort haben wollte, mehr als alles andere auf der Welt. „Ich kann dir darauf keine Antwort geben. Es mag sein, dass sie es verlernt hat, aber dann wird sie wird sie es wieder lernen können. Ich hoffe es zumindest!“, es waren die ehrlichen Worte, die ich ihm nun entgegen brachte. Sie klangen in meinen Ohren recht negativ, doch in den Augen des Jungen konnte ich lesen, dass ihm diese Antwort genügte. Mit den bloßen Worten einer Entschuldigung, in der ich offen und ehrlich zu gab, dass auch ich nicht alle Antworten kannte genügte ihm zu erkennen, dass auch ich nur ein Mensch war, der versuchte in Lorian zu retten, was noch zu retten war. Dann sagte er: „Nalo ist auch immer so ehrlich wie du. Sie sagt immer was ihr gerade in den Sinn kommt und denkt nicht einmal daran etwas für sich zu behalten, es sei denn, dass es sich um ein wichtiges Geheimnis handelt.“ „Nalo?“ wiederholte ich den Namen wissensdurstig. Er reagierte sehr freundlich und zuvor kommen auf meine Frage: „Sie ist eine ältere Dame, mit ihren beiden Kindern wurde sie nach dem Tod ihres Mannes in den Widerstand getrieben- na ja sie hatte ihrem Mann am Sterbebett versprochen, das Trachten nach Freiheit niemals aufzugeben. Ich weiß nicht allzu besonders viel von ihr, nur, dass sie einst im Dienste der Königin gestanden hatte. Sie redet nicht viel über die Zeit vor dem großen Krieg.“ Als er aufgehört hatte, war ich in Gedanken versunken. Eine Frau, die im Dienste meiner Mutter gestanden hatte, welche Aufgabe wurde ihr wohl zu teil? Sie konnte mir sicher über meine Mutter berichten. Mich verließ das Gefühl nicht den Namen der Frau schon einmal gehört zu haben, doch ich konnte ihn keinem Gesicht zu ordnen. Für den Moment hatte ich genügend erfahren und holte mit Iros schnell die anderen ein. Ohne ein Wort mit den anderen zu wechseln, setzten wir den Weg fort. Uns allen war klar, dass die Zeit mehr denn je drängte und wir keine Zeit hatten mehr zu zögern. Wir liefen den ganzen Tag ohne eine Rast und kamen schließlich an einem Wasserfall an. Für den Abstieg entlang den Felsen war es bereits zu dunkel, also entschieden wir uns zu rasten. Jaara Incendie ein Feuer um das wir uns alle setzten. Schallendes Gelächter von Ariana und Calina drangen an mein Ohr. Als ich aufsah und in die Runde schaute, bemerkte ich, das Tak sich nicht zu uns gesellt hatte. Er hatte sich in einer Entfernung mit Butin unterhalten. Iros legte nach einiger Zeit Ariana eine Decke um und legte sich dann schlafen. Auch die anderen waren schon eingeschlafen. Ich saß noch immer ungerührt da und blickte trüb über den tosenden Wasserfall in die Ferne. Unter der Felsklippe schlängelte sich ein tiefer Abgrund entlang, der mich wegen der Dunkelheit kaum erahnen ließ, wie tief er wohl sein mochte. Als das Feuer zu erlischen drohte, trat Tak heran und schürte es mit seinen magischen Kräften. Ich warf nur eine kurzen Blick über die Schulter um zu sehen was geschah. Tak schaffte es mühelos, das Feuer am brennen zu erhalten. Dann starrte ich wieder unbehelligt in die Dunkelheit der Nacht. Ich sah nur das Dunkel des Waldes, das sich vor meinen Augen ausbreitet. Weit im Westen erkannte ich die Gipfel der Saltiros Gebirge, doch auch sie waren von der Dunkelheit umhüllt. Tak setzte sich nun zu mir und ließ seine Beine waghalsig über die Klippe baumeln. Als er meinen trüben Blick erkannte sagte er in Gedanken: „Die Dunkelheit ist ein drohender Gegner, gegen den nicht einmal die Stärksten von uns etwas tun können. Es ist normal Angst vor der Dunkelheit zu haben!“ Taks Worte prallten mir gegen den Kopf, als hätte jemand mit Steinen nach mir geworfen. Ich sagte die Worte laut, ,die mir im Kopf umherschwirrten: „Ich habe keine Angst vor der Dunkelheit, sie erinnert mich nur immer wieder daran, das ich alleine bin, keine Eltern habe. Niemanden an den ich mich anlehnen kann und zu dem ich mit meinen Problemen kommen kann. Ich verbinde mit der Dunkelheit die Einsamkeit. So habe ich mir erklärt, weshalb die Magier so verbittert sind. Mit der dunklen Magie in ihren Herzen sind sie für die Ewigkeit in die Einsamkeit gebannt. Ich habe keine Angst vor den Magiern, es ist viel mehr Mitleid, das ich für sie empfinde.“ Tak sah mich mit großen Augen an, auch er war ein Magier, doch sein Herz drohte nicht in der Einsamkeit zu verschwimmen. Er ergriff meine Hand. Die Worte die er dann aussprach schiene ihm sehr schwer zu fallen, denn nur zögerlich fragte er: „Ob das, das Schicksal aller Magier ist?“
„Nein!“, ich protestierte ihm ohne lange zu zögern. „Tak, dir wird das nicht geschehen, das weiß ich! Die Magie, die du benutzt ist weiße Magie, die Magie der Elfen. Auch wenn du als Magier geboren worden bist ist es dir bestimmt ein Elfenflüsterer zu sein und daran kann niemand etwas ändern, auch du nicht!“ Er sah mir nun tief in die Augen. Ich las in den seine die Verzweiflung und die Sorgen, die er sich machte. Es musste schwer sein zu wissen, dass man anders war als die Leute, mit denen man tagein tagaus das Leben verbracht hatte. „Ich werde schlafen gehen“, sagte er mir und stand auf. Ich sah ihm nicht nach, sagte nur in die Nacht: „Tak, sieh nur den Himmel, mag er noch so dunkel sein, werden die Sterne am Firmament immer leuchten. Mach dir keine Sorgen du hast ein gutes Herz.“ Ich konnte das „Danke“, das er vor sich hin murmelte, nicht hören, doch alleine zu spüren, dass ich ihm damit geholfen hatte, war genug für mich. Ich legte mich auf den Rücken und sah in den Sternenhimmel, wie verwundert war ich doch, als ich erkannte, dass es derselbe Himmel mit denselben Sternen war, wie ich ihn mir jede Nacht ansah in Quellsore. Ich tat gut zu sehen, dass sich nicht alles verändert hatte, seit ich erfahren habe, dass ich die Prinzessin war. Ich begann vor mich hin zu träumen und phantasierte von einer friedlichen Welt. Es dauerte nicht lange, bis ich aus meinem Dösen mit einem Schrei aufgeweckt wurde und Calina mit kreideweißem Blick vor dem Feuer saß. Auch die anderen waren aufgeschreckt und waren um sie geeilt. Ich lief zu ihr und streckte ihr meine Hand entgegen. Als sie diese ergriff, sah ich Bilder von unseren Toden und zuckte wie sie zusammen. Die andern hatten nichts gesehen, Ich brauchte keine Worte um diese Bilder zu verstehen. Ich fragte kurz und atemlos: „Wie lange noch?“, doch schon hörte ich das schallende Hohngelächter imperialistischer Soldaten. Aus den Schatten, des Waldes trat Demrion. In der Aufregung rannte ich von den anderen weg und schrie lauthals: „Was du willst ist in meinen Händen Demrion, komm und hol es dir wenn du kannst!“ Er fiel auf meine Finte herein. Mir war klar, dass die anderen mit den Soldaten fertig wurden, doch mit dem Meister der schwarzen Magie waren sie überfordert. Tak schnellte an meine Seite, drückte mir den Spiegelkristall in die Hand und verschwand dann in der Dunkelheit. Ich umklammerte mit den Fingern den Kristall so fest das es schmerzte. Demrion kam immer näher und fauchte nun: „ Nehmt die anderen gefangen! Ich kümmere mich um die Prinzessin!“ Dann kreischte er mir entgegen: „ Prinzessin, du wirst es nicht schaffen, den Weg zu gehen, den du dir zu Füßen gelegt hast! Niemand wird das schaffen, das Imperium ist nicht mehr aufzuhalten.“ Erst jetzt bemerkte ich das animalische in seinen Zügen. Ich erkannte nun endlich, dass er kein Mensch mehr war. Er hatte jegliche Menschlichkeit an die Magie verloren. Sei Anblick trieb mir die kahle Angst in die Gedanken. Ich war starr vor Entsetzen. Dann sagte er: „Schade, dass ich dein Blut vergießen muss um den Spiegelkristall zu übernehmen, ich hätte dich so gerne gequält!“ Dann spürte ich seine Arme, die sich gegen meinen Körper stemmten und mich über die Klippen in den dunklen Abgrund stießen. Aus der Ferne hörte ich das Schreien meiner Freunde. Ich schrie nicht, erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich Taks Spiegelkristall fest umschlossen hielt. Blitzartig schossen mir hunderte Gedanken in den Kopf weshalb er ihn mir gegeben hatte. Doch was dann geschah hatte ich mir nicht einmal in den dunkelsten Gedanken ausgemalt. Tak sprang aus einer der Baumkronen heraus und fing mich im Flug ab. Er legte seine Arme um mich, legte seine Finger auf den Kristall und sagte in Gedanken: „Was immer passiert du musst so schnell wie möglich verschwinden, lauf so schnell und so weit du kannst! Er darf dich nicht kriegen! Nimm meinen Kristall mit und dann lauf! Die Elfen sind in Sicherheit, sie werden dich schon finden“ Es blieb keine Zeit zu fragen. Tak und ich stürzten in die tosenden Wasser der Tanika. Seine Umklammerung löste sich. Ich hatte keine Schmerzen gespürt bei dem Aufprall, was daran lag, dass Tak meinen Sturz mit seinem Körper abfing. Mit aller Kraft zog ich mich aus der wilden Strömung. Erschöpft ließ ich meinen Blick über das Wasser treiben, von Tak war nichts zu sehen. Ich malte mir das schlimmste aus, doch als ich Demrions wütendes Gebrüll über der Klippe hörte, setzte ich meine letzten Kraftreserven ein um den Ort zu verlassen. Ich rannte so schnell ich konnte, ohne noch einmal einen Blick zurückzuwerfen.


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