Spiegelherz
(Autor: Aijako)
Der Garten der Königin
Ich hatte Iros versprochen Lolani zu beschützen und dieses Versprechen wollte ich nun einlösen. Ich ritt 3 Tage und 3 Nächte durch ohne eine Rast einzulegen. Am Morgen des 4. Tages fiel mir die weiße Stadtmauer von Shunia ins Auge. Die Mauer schillerte so hell, dass die Stadt heller glänzte als die Sonne. Wie auch in Lastia war dies nur ein trügerisches Bild. Die prachtvolle Mauer war umstellt mit Katapulten der Magier. Tausende Soldaten standen kampfbereit um den Wall und warteten nur auf den Befehl Anzugreifen. Einige höher gestellte Militaristen saßen über einem Plan der Stadt zusammen und versuchten eine Strategie auszuarbeiten, die ihnen die Tore zur Stadt öffnen würde. Ich schmunzelte. Sie schienen nicht zu wissen, dass Shunia uneinnehmbar war. Erst als ich selbst versuchte einen Weg in die Festung zu finden, wurde mir bewusst, dass Shunia weder Freund noch Feind kannte in einer Situation wie dieser. „Es muss doch einen Weg hinein geben. Cascade, Claire, Incendie, was meint ihr?“, sagte ich zu den Elfen in meiner Tasche. Wie aus einem Mund sagten die drei: „Es gibt weder einen Weg hinein noch einen Weg hinaus. Die Stadtelfen lassen nicht zu, dass irgendjemand ihrer Stadt Schaden zufügt. Plötzlich drang eine weitere Zarte Stimme an mein Ohr. Ich hatte den vierten Elf erst gar nicht bemerkt, doch als er zu mir sprach, erinnerte ich mich an den seinen Namen. „Aijako, die Stadtelfen erkennen die gute Magie. Sie spüren deine Anwesenheit. Hinter diesen Mauern warten Leute auf dich, die dich zu Takion führen können. Du kommst hinein, wenn du nur deine Fähigkeiten benutzt. Glaube fest daran, der Wald ist einer deiner Verbündeten!“, merkte der kleine Elf an. Ich nickte und gab zur Antwort: „Du hast Recht Butin. Die Magie hat mich noch nie im Stich gelassen, so wird sie es auch heute nicht tun. Glaub mir, ich werde deinen Seelenpartner finden!“ Ich wandte mich von den Elfen ab, stieg vom Pferd und legte meine Hand auf die Erde. Ich spürte jede Bewegung der Menschen, jeden Schritt. Ich hörte die Stimmen, die wild durcheinander säuselten, es dauerte einen kurzen Augenblick bis ich aus den vielen Stimmen die Stimme des Waldes heraus hören konnte. Sie sagte: „Eine Mauer so unbezwingbar kann normalerweise nicht überwunden werden, aber normalerweise hören die Menschen mein Stimme auch nicht. Aijako, verbinde dich mit dem Wald du kannst es, dein Weg führt nicht durch die Tore dieser Mauer, dein Weg führt über die Mauer hinüber! Geh deinen Weg“ Ich nahm meine Hand von dem erdigen Boden, berührte mit den Fingerspitzen die Rinde eines Baumes und schloss die Augen. In Gedanken wünschte ich mir aus tiefstem Herzen: „Lass deine Wurzeln zum Weg werden, den ich beschreiten kann um mein Versprechen einzulösen!“ Als ich die Augen wieder aufschlug. Erhoben sich die Wurzeln des Baumes aus der Erde und flochten sich zu einem holprigen Steg. Sie erstreckten sich bis zu den bleichen Steinen des Walls. Ich fackelte nicht lange und setzte meine Füße auf den Steg. Schritt für Schritt setzte ich meinen Weg in die Stadt fort. Das Pferd musste ich zurücklassen, doch bei einem prüfenden Blick zurück, erkannte ich Mekron an der Seite des Hengstes, der mir zu nickte. Der Wind trug seine Worte an mein Ohr: „Wahrlich du bist ein große Königin geworden. Finde was dein Herz begehrt und dieser Krieg wird gewonnen werden! Es ist teil deiner Geschichte.“ Dann verschwand er mit dem Hengst in den Schatten der Wälder. Mekron hatte von Anfang an Recht behalten. Ich musste mir nicht mehr länger die Geschichten von Helden und heroischen Taten anhören, ich steckte inzwischen mitten in einer dieser Geschichten. Als ich plötzlich den halt auf dem Wurzelsteg verlor, wurde ich aus meinen Gedanken an die Vergangenheit gerissen. Als ich mich panisch umsah erkannte ich einige Katapulte, die nun auf mich und den Steg gerichtet waren. Cascade und die anderen Elfen waren verschwunden. Ich drohte von den Wurzeln abzurutschen, als plötzlich aus dem Nichts eine Hand nach der meinen griff und mich ruckartig auf den Steg hinauf zog. Oben, wieder sicher auf meinen Beinen stehend, sah ich nun tief in die Augen eines alten Bekannten. „Hätte nicht gedacht, dass du wirklich kommst… jetzt wo doch alle Elfenflüsterer in Gefangenschaft sind, dachte ich deine Prioritäten lägen bei jemand anderem!“, sagte er mit bedrückter Stimme. Ich legte ihm meine Hand auf die Brust und sagte: „Wie hätte ich warten können, wo doch dein Herz am zerspringen ist…“ „Aber…“, versuchte er mich zu unterbrechen. „Kein Aber, du brauchst jetzt Hilfe und danach hilfst du mir, jemanden zu finden!“, warf ich ihm entgegen, als plötzlich ein Geschoss der Magier den Wurzelsteg zerriss. Der Steg hatte seine waagrechte Haltung verloren und rauschte nun direkt auf die Magier zu. Ich konnte mich nicht aufrecht halten und klammerte mich an den Wurzelsträngen fest. Als ich das tat, fühlte ich das unruhige Leben, das in ihnen pochte. Wild waberten tausende Gedanken auf mich über und ich spürte zum ersten Mal die Angst in dieser Welt nicht existieren zu können. Plötzlich verstand ich Alyrias Handeln. Sie war ein Teil dieser Welt und hatte, wie der Wald Angst in diesem Krieg ihr Leben zu lassen und in einer anderen Welt nicht mehr existieren zu können. „Haltet uns ihr Wurzeln und ich verspreche euch eine Welt in der, die Wälder gleichauf mit den Menschen sein werden!“, sprudelten die Worte aus meinem Mund. Was dann geschah, hatte ich mir nicht einmal in den kühnsten Träumen vorgestellt. Die Wurzeln zogen sich über die Mauer der Stadt. Ich hatte mich noch immer tief in ihnen verkrallt und hörte die Silben die die Stimme des Lebens formte: „Ein langer Weg ist dir bestimmt junge Prinzessin. Aber du musst ihn nicht alleine gehen. An deiner Seite stehen die Menschen und die Wälder. Wir werden kämpfen bis zum letzten Atemzug!“ Als die Stimme zu ende gesprochen hatte, standen Iros und ich fest auf dem Schützenden Wall der Stadt. Als ich dann schließlich meine Hände von der Wurzel nahm, zerfielen die Wurzeln in hunderte kleiner Samenkörner, die sich daraufhin rund um die Stadt verteilten. Ich flüsterte dem Wind leise zu: „Ein jeder wird in der neuen Weltordnung einen Platz finden, mag er noch so unwichtig erscheinen, wird er wichtiger den je sein in meinem Königreich!“ Als ich mich aufgerichtet hatte, stürmte ein Mädchen auf Iros zu fiel ihm um den Hals und sagte dann in schnippischem Ton: „Bist du denn des Wahnsinns? Du hättest sterben können! Warum musst du nur immer alles auf eigene Faust machen und für jeden dein Leben riskieren?“ Er küsste sie sanft auf die Wange und sagte dann: „Lolani, es gibt hier jemanden den ich dir vorstellen möchte. Jemandem, für den du die Götter in letzter Zeit immer öfter angefleht hast ihn zu schicken und heute endlich hat sie den Weg über den Wall geschafft.“ Lolani sah Iros mit großen Augen an. Er ergriff ihre Hand und zog sie zu mir. Ich sah ihr tief in die Augen und sagte dann: „Du hast nicht übertreiben Iros, sie ist eine starke Persönlichkeit, wie du, ist auch sie ab heute eine Adlige. Reich mir dein Schwert.“ Lolani kniete vor mir nieder und ich schlug auch sie zum Ritter Shunias. Lolani erhob sich freudig wieder und fiel mir dann stürmisch um den Hals. Ich legte meine Arme um ihren dünnen Körper. Daraufhin brachen die Menschen in Jubel aus. Leise flüstertet sie mir ins Ohr: „Ich hab schon immer gewusst, dass ihr eines Tages hier stehen würdet. Nalo hat es mir immer versprochen. Ihr müsst sie kennen lernen, ihr habt euch sicher viel zu erzählen!“ Sie nahm mich bei der Hand und zog mich durch die Menschenmenge. Iros versuchte uns zu folgen, doch schon nach einigen Metern bemerkte ich, dass es ihm unmöglich war so gekonnt durch den Menschenstrom zu gleiten wie Lolani. Es dauerte einige Zeit, bis wir ein eindrucksvolles Haus erreichten und Lolani meine Hand losließ. „Lolani, der Widerstand von Shunia ist die ganze Stadt, nicht wahr?“, fragte ich sie, als ich mir das Gemäuer näher betrachtet hatte. „Ja natürlich, hier in der Stadt sind wir noch einigermaßen frei. Hinter dem Wall beginnt das Herrschaftsgebiet der Magier, dort ist unsere Freiheit teuer. Was erzählt man sich dort draußen denn von uns?“, fragte sie neugierig zurück. Mit gedämpfter Stimme versuchte ich ihr eine nicht allzu enttäuschende Antwort zu geben: „Zu wenig. Man erzählt vom Widerstand, doch man glaubt es seien nur einzelne, dabei ist es die ganze Stadt, die gegen die Magier kämpft. Seid die Magier unser Königreich beherrschen scheinen alle Dinge anders zu sein als sie sind. Aber wir werden das nun ändern. Lolani bereite in den nächsten Wochen, alle Männer auf eine letzte Schlacht vor. Wir befinden uns im Krieg viel zu lange schon, doch nun werde ich endlich aufstehen und gegen die Magier kämpfen. Es hat 12 Jahre gedauert bis ich mich zeigte, doch nun muss ich handeln. Ich habe nicht mehr viel Zeit.“ Sie nickte und gab mir zu verstehen, dass sie mir in die letzte Schlacht folgte. „Wir werden euch in der letzten Schlacht zur Seite stehen, doch jetzt solltet ihr erst einmal Nalo treffen, geht hinein, sie erwartet euch schon seid 12 Jahren.“ Lolani kehrte mir den Rücken und kehrte zu ihrem Bruder zurück. Mit gemischten Gefühlen ging ich durch den kleinen Vorgarten auf die Tür des Hauses zu. Ich konnte es kaum erwarten etwas über meine Mutter zu erfahren, doch im selben Moment ging mir der Name der Erinnerung aus meinem Herzen nicht mehr aus dem Kopf. Wie viel Zeit hatte ich noch, diese Person zu finden? Während ich in Gedanken verloren war, hatte ich die Stufen zu der Tür erklommen und meine Hände auf den rundlichen Türknauf gelegt. Zögerlich öffnete ich die Tür. Knarrend öffnete sich die Tür und plötzlich ertönte aus einem der hinteren Räume, eine alte, gebrechliche Stimme: „Komm nur herein und folge meiner Stimme.“ Ich tat was mir geheißen und folgte dem Klang der Stimme bis tief in eines der hinteren Zimmer. In der Luft lag ein wohliger Geruch. Ich befand mich nun mitten in einer kleinen gemütlich eingerichteten Küche. Eine ältere Dame stand vor dem Ofen und backte mit einigen Kindern Zimtkekse. „Bringt diese fertigen Kekse dort drüben schon einmal hinaus zu den Wachen auf dem Wall. Ich möchte mit dem Mädchen alleine sprechen, sagte Corona einen Gruß von mir, sie soll gut auf sich aufpassen!“, sagte die alte Frau zeigte auf einige Tablette voller Kekse und begleitete mich dann in ein kleines Wohnzimmer. Nachdem sie mir einen bequemen Sessel angeboten hatte, brachte ein junger Mann Tee und Gebäck. Verwundert da mich die Frau noch nicht angesprochen hatte, wollte ich nun mein Wort an sie richten, doch dann sagte sie nur: „Aijako, ich habe solange auf diesen Moment gewartet dich wieder zu sehen, zu sehen, was aus dir geworden ist, mach diesen Moment nicht mit zu vielen Worten kaputt. Bitte, wir haben nachher noch genügend Zeit miteinander zu reden. Lass mir alter gebrechlichen Frau doch bitte diesen einen Moment.“ Ich lächelte, nahm einen Schluck Tee und probierte die vorzüglichen Kekse. Ich hatte in diesem Moment keinen meiner Gedanken an Takion verschwendet. Ich genoss es endlich einmal wieder zur ruhe zu kommen. Ich schloss meine Augen und kostete den ruhigen Moment gerade zu aus. Die Anwesenheit der alten Frau schien mich nach einiger Zeit nicht mehr zu kümmern. Nachdem ich mein Tasse geleert hatte, sagte sie in höflichem Ton: „Ich habe lange auf dich gewartet. Viele meinen ich habe zu lange gewartet, aber ich wusste , du würdest zurückkehren. Immerhin konntest du dem Ruf des Spiegelkristalls nicht dein Leben lang widerstehen.“ Ich sah sie verdutzt an und wiederholte fragend ihr letztes Worte. Dann antwortete sie mit einem lächeln: „Ja, der Spiegelkristall hat auch dich gerufen. Ich weiß nicht, wie es funktioniert, doch ruft die Tafel aus dem Ahnensaal in Bregons Haus nach den Elfenflüsterern deiner Generation. Ich vernehme den Ruf schon eine ganze Weile. Das war eine der Gaben, die mir deine Mutter einst schenkte, als ich in ihren Dienst trat. Die andere Gabe war die Kunst des Kampfes, doch kann ich längst nicht mehr“ „Also stimmt es, ihr habt im Dienst meiner Mutter gestanden, sagt, welche Aufgabe war euch zu teil?“, wollte ich nun wissen. „Es gab nur eine Aufgabe, die sie mir je aufgetragen hatte. Ich wurde zu ihrem Kindermädchen und in deinen ersten 3 Lebensjahren eine enge Vertraute deiner Mutter. Immer öfter zog sie mich zu raten, so auch in der Nacht, als sie dich aus den Händen gab.“ Sie sah betrübt aus, auch meine Fragen heiterten sie nicht auf: „Weshalb wollte meine Mutter mich denn weggeben?“
Mit betrübter Stimme sagte die alte Frau: „Sie hatte keine Wahl. Sie wusste um die wachsende Gefahr eines Angriffs auf Lastia, doch hatte sie es bis in die Nacht als Lyllewyn vor dem König sprach nicht ausgesprochen. Sie musste sich entscheiden. In dieser Nacht entschied sie sich zu ersten Mal nicht für das Volk, sondern für dein Leben! Aijako, sie gab dich in Lyllewyns Hände um dich aus den magischen Klauen zu befreien. Sie rettete in dieser Nacht dein Leben, doch“ Die Frau stockte, ich stand von meinem Sessel und nahm ihre Hand, erst jetzt bemerkte ich, dass diese Frau ihr Augenlicht schon vor langer Zeit verloren hatte. Ich hatte ihr nun zum ersten Mal in die Augen gesehen, dennoch wich ich nicht zurück. „Nalo, erzählst du bitte weiter? Was geschah nachdem sie den Entschluss gefasst hatte?“, versuchte ich sie noch einmal auf das Thema anzusprechen. „Die Truppen der Magier griffen an, noch ehe du den Palast verlassen hattest. Deine Mutter konnte sich nicht einmal mehr von dir verabschieden. Du hast geweint und ich sah auch sie zum ersten Mal in meinem Leben weinen. Lyllewyn brachte dich in Sicherheit nur wenige Minuten, nach dem Lyllewyn den Palast verlassen hatte, wurden der König und die Königin im Schicksalsturm eingekesselt. Wie durch Zauberhand überlebten sie diesen Angriff und wurden erst später durch Demrion und Akari getötet.“ Nalo liefen die Tränen über die Wangen. „Du wusstest nicht wohin ich gebracht werden sollte, nicht wahr?“, bohrte ich ein wenig nach. Sie wimmerte kurz, sagte aber dann: „ Nein, man meinte es sei zu gefährlich, wenn es zu viele wüssten. Deine Mutter wollte mich in Schutz nehmen, doch war es ihr nicht gelungen. Nach dem Todestag deiner Eltern begannen die Magier die Schlossangestellten zu foltern um heraus zu finden wohin du verschwunden bist. Doch niemand wusste es, ich verlor damals mein Augenlicht.“ Ich zuckte kurz zusammen als Nalo die Grausamkeit der Magier erwähnte. Dann stammelte ich vor mich hin: „Es...es tut mir so leid Nalo, das alles ist meine Schuld gewesen..“ „Ich gebe dir keine Schuld, auch deiner Mutter nicht. Mögen die Götter sie wohl gehaben. Ich habe einen hohen Preis bezahlt um an der Seite des Widerstands stehen zu können, doch gelang es mir den Palast zu verlassen und auch blind bin ich nicht weniger Geschickt.“ Sie legte mir die Hand aufs Herz und sagte dann: „Hör auf das
hier drinnen und du musst keine Schlachten gewinnen um zu wissen, dass du glücklich bist. Und nicht nur das, solange du darauf hörst, bist du deiner Mutter näher als du es dir vielleicht vorstellen kannst!“ Nach dem Nalo die letzten Silben ausgesprochen hatte, legte ich wie in Trance meine Hand auf die Brust und sagte: „Ein Herz sieht mehr als alle Augen dieser Welt, das hast du schon damals bewiesen meine Liebe, nimm dieses letzte Geschenk von mir, meine Freundin, lebe dein Leben und vertraue auf ein Ende dieses sinnlosen Krieges!“
Wie damals in Lyios waren das nicht meine eigenen Worte. Ich gab den Worten aus meinem Herzen nur eine Stimme, doch dieses mal durchströmte mich mit den Worten eine unheimlich mächtige Kraft. Ich schloss die Augen um eine Quelle dieser Kraft auszumachen, doch es gelang mir nicht wirklich. Ich hatte das Gefühl, dass diese Kraft aus meinem Herzen, aber auch tief aus dem Kern des Spiegelkristalls in mich floß und mich schließlich völlig damit erfüllte. Als ich die Augen aufschlug, starrte Nalo wie entgeistert auf ihre Hände, dann vergrub sie ihr Gesicht darin und begann zu weinen. Ich wusste nicht was geschehen war. Ich legte ihr meine Hand auf die Schulter, als sie aufsprang und zum Himmel schrie: „Danke Alkena, danke. Du hast recht dieser Krieg wird ein Ende haben! Du hast ein wunderbares Kind, sie ist wie du! Danke Alkena für all deine Geschenke.“ Als sie sich zu mir wandte, erkannte ich das Leuchten in ihren Augen. „Du kannst sehen, aber wie?“, sprudelten die Worte aus meinem Mund, als sie mich in den Arm nahm und leise flüsterte: „Ich weiß es nicht, es ist ein Geschenk deiner Mutter, sie lebt noch immer! Tief in dir! Kannst du ihre Stimme denn nicht hören? Diese Stimme die aus dir spricht und dir die richtigen Worte auf die Zunge legt? Das ist das Geschenk deiner Mutter, sie wird immer bei dir sein! Wenn du dich auf ihre Stimme konzentrierst solltest du in der Lage sein mit ihr in Kontakt zu treten. Gib ihr die Möglichkeit dir auf wieder sehen zu sagen, damit sie endlich die letzte Reise antreten kann!!“ Ich nickte und legte nun auch meine Arme um die alte Frau. Dann flüsterte ich ihr zu „geh hinaus. Sieh die Welt mit deinen Augen. Vielleicht ist die Erinnerung schöner, doch auch so ist unsere Welt noch immer wunderbar. Sie die Wunder, die auch aufblühen während dieses Krieges. Schau dir deine Kinder an. Zeig uns dass du noch kämpfen kannst, wie du es von meiner Mutter gelernt hast!“ Auch sie nickte nun im Einverständnis. Ich nahm sie bei der Hand und verließ mit ihr das Haus. Nalo sah sich alles lange an, fast so als würde sie die Bilder in sich einsaugen um die Lücke der letzten Jahre aufzufüllen. „Komm es gibt noch mehr zu sehen! Dein Garten ist nicht das einzig wunderschöne, komm sieh dir die Stadt mit mir an! Du hast dein leben lang nun Zeit, das alles zu sehen, du wirst schon noch früh genug müde davon!“, sagte ich scherzhaft, doch sehr ernst entgegnete sie mir da nur: „Niemals werde ich mich an dieser Welt satt sehen, ich habe sie so sehr vermisst! Aijako umringen die Truppen noch immer die Stadt?“ Ich nickte verdutz, doch lächelnd sagte sie dann nur: „Wir sammeln jetzt Lolani, Iros, Corona und Corokko ein und werden auf den Wall gehen! Wir ziehen heute in die Schlacht! Shunia wird heute Nacht befreit! Hörst du Alkena, ich befreie deinen Garten, für das Geschenk meiner Augen!“
„Wie meinst du das „deinen Garten befreien“?“, fragte ich Nalo, als sie mich nun stürmisch und sicher durch die Gassen der Stadt zog. „Früher waren hier alle Gärten saftig grün. Die Stadt blühte und sah aus wie ein riesiger Blumengarten. Eines Tages durchquerte der König mit seiner Gattin Alkena die Stadt. Wegen einem beschädigten Kutschenrad musste sie hier eine Rast einschlagen. Der Königin gefiel die Stadt so sehr, dass sie den König bat ihr diese Stadt unterzustellen. Der König tat dies und so wurde aus der Stadt Shunia, der Garten der Königin. Aber unter den Magiern war dieser Name natürlich verhasst, wie alles schöne dieser Welt und sie machten aus der Stadt die Handelsstadt Shunia. Sie betonierten die losen Wege zu und rissen, die Bäume aus. Der Wall wurde gerodet. Doch dann erhoben sich die Bewohner der Stadt und der Widerstand war geboren. Wir bauten die Pflanzen wieder auf, doch es schien uns nicht besonders gelungen zu sein. Früher lebten hier Elfen, Gnome und auch einige Waldflüsterer unter uns Menschen in Harmonie. All das hatten wir Alkena zu verdanken, doch heute, haben diese magischen Wesen keinen Platz mehr in dieser Welt. Ich hoffe so sehr, dass es sich ändert, wenn wir den Krieg endlich gewonnen haben!“ Ich ließ ihre Hand los und starrt in den Himmel. Es war keine Wolke zu sehen. Die Sonne schien friedlich über den Horizont und berührte mit ihren wärmenden Strahlen den Boden. „Sie ist da oben und sieht auf unsere Taten herab, nicht wahr?“, fragte ich dann in die Luft. Nalo trat an meine Seite und antwortete mir: „Sie ist da oben und sieht alles mit wachsamen Augen. Sie hat dich nie verlassen junge Prinzessin. Sie lebt noch in dir und das wird sie immer, denn sie ist ein Teil von dir!“ Als Nalo zu ende gesprochen hatte drückte ich mich ganz fest an sie. Stumme Tränen liefen mir über die Wange und ein Gefühl endloser Einsamkeit durchströmte mich. Doch als Nalo ihre Arme um mich legte verschwand dieses Gefühl. Eine Geborgenheit, wie ich sie erst einmal gespürt hatte sprang auf mich über. Vor meinem inneren Auge sah ich das freundliche Lächeln eines Jungen.
Als ich mich umsah, war Nalo verschwunden und ich stand in einem dunklen Raum. Vor mir sah ich nur den Jungen, der sich von mir abwandte und langsam davon ging.


Zirkus der Kreaturen III.
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