Mittwoch, 23 Mai 2012
                                            Literaturportal - Gedanken sind frei
Literaturportal
Bescherung Folge unserem Portal auf Twitter  

Schattenleben?
(Autor: )

Piepmatz Design

Alles war wie immer, wie jeden Samstag Vormittag. Er sass auf einer Bank und beobachtete die Menschen, die vorrueberzogen. Einige waren in Eile , sie hatten ein bestimmtes Ziel, etwas, das sie anstrebten. Andere schlenderten langsam gleichsam ohne Absicht an ihm vorbei. Sie bemerkten ihn nie, uebergingen seine Anwesenheit einfach. Er war eben da, das war genauso selbstverstaendlich, wie die Baeume, die dort neben der Bank standen. Er sah die Leute genau an, manchmal kannte er sie noch nicht, aber die Meisten gingen immer dort vorbei. Noch nie hat jemand sich fuer ihn interessiert oder ihn bemerkt. Doch an jenem Samstag war es anders.

Ein Junge, vielleicht neun Jahre alt kam den Weg entlang. Zuerst bemerkte er es nicht, doch nachdem er seinen Blick von einem Mann in schwarzem Jackett geloest hatte wanderten seine Augen zu dem Jungen. Der Mann war verwundert, denn es schien ihm als waere das Ziel des Kindes die Bank , auf der er sich niedergelassen hatte. Der Junge war schlicht gekleidet und sein Gesicht hatte einen nachdenklichen Ausdruck. Seine dunklen Haaren fielen frei auf seine Schultern herab und eine Haarstraehne hing ihm ueber sein linkes Auge. Er setzte sich.Der Mann ignorierte ihn und blickte stur geradeaus. Aus dem Augenwinkel nahm er wahr, dass der Junge ihn genau musterte. Nach einer kurzen Stille fragte der Junge ihn, was er hier mache, und ob es einen Sinn habe, dass er hier sitze. Seine Stimme war ruhig und es schien als hielte er es fuer selbstverstaendlich einem Fremden eine solche Frage zu stellen. Der Mann blickte weiterhin nach vorne, starrte auf die vorbeiziehenden Menschen, dachte ueber die Frage nach. Er sah wie viel Zeit er hier verbracht hatte und suchte nach einem Sinn. Warum sass er hier, Tag fuer Tag. Viele Fragen vielen ueber ihn herein und er dachte lange nach .Wann war er hier das erste mal gesessen ,und was war so besonders an diesem Ort, dass er immer wieder zurueckkehrte? In ihm stiegen Bilder von lange vergangenen Ereignissen auf. Er war hier oft mit seinem Vater gewesen. Sie hatten geredet, ueber die Menschen, was sie verband und was sie unterschied, und sie hatten ueber die Zeit philosophiert. Dann war sein Vater erkrankt. Er konnte kaum noch gehen, doch weiterhin kamen sie immer wieder zu dieser Bank. Er war jetzt seit fuenf Jahren tot, nachdem er ein Jahr lang unter der Krankheit gelitten hatte. Dieser Platz war mit vielen schoenen und auch schrecklichen Erinnerungen verbunden. Dieser Ort war wie eine Stuetze im Leben, man konnte immer zurueckkommen und nachdenken. Im Inneren trauerte der Mann, doch er versuchte einfach so zu tun als waere alles beim Alten. Doch ohne seinen Vater wirkte das nur wie ein Spiegelbild oder ein Schatten von dem Leben das sie gefuehrt hatten. Ein Schatten wird von niemandem bemerkt.Das war auch der Grund warum ihm keine Beachtung geschenkt wurde.

Lange sass er da und dachte nach. Als er antworten wollte sah er, dass der Junge aufgestanden war und und gerade hinter einer Biegung des Weges verschwand.Am naechsten Samstag blieb die Bank im Park verlassen.


Ihr Kommentar ...



security code