Mittwoch, 23 Mai 2012
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Vergänglich
(Autor: )

Piepmatz Design

Du hast mich verlassen.“ sagte ich anklagend und schaute raus in die Dunkelheit. Der Regen prasselte rhythmisch gegen die Fensterscheibe und wenn man genau hinsah, fielen einem die Tropfen auf, die sich zu einer hässlichen Maske verzogen. Ich sah ihn nicht an, spürte aber das er sich neben mich setzte. „Nein. Ich werde dich niemals verlassen.“ Ich schnaufte und versuchte die Tränenflut zu stoppen, die schon seit Wochen nicht versiegen wollte. Natürlich hatte er mich verlassen. Er hatte sich in mein Herz, meine Seele und mein Leben geschlichen und als er ging riss er alles mit sich. Jetzt war ich eine Mischung aus unendlicher Trauer und triefender, qualvoller Leere. „Faye. Wenn du damit nicht aufhörst, machst du dich kaputt. Fang wieder an zu leben. Ich werde nicht mehr wieder kommen. Heute ist das letzte Mal.“ Ich schüttelte immer energischer den Kopf. „Nein, nein, nein. Nein! Bleib, bitte, bleib!“ Ich fing lauthals an zu schluchzen und drehte mich zu ihm. Sah in sein Wunderschönes Gesicht. Das Gesicht, das ich bis ins letzte Detail auswendig kannte. Alleine schon der Anblick schmerzte, die Erinnerung an die schönen, wenigen Momente mit ihm. „Nein! Ich kann nicht Leben. Du bist mein Leben. Wie soll das gehen? Ich schaffe das nicht!“  Er kam näher, Tränen schimmerten in seinen Augen, beugte sich zu mir runter und bevor seine Lippen die meinen berührten war er weg. Und in diesem Moment wusste ich es. Es war vorbei. Die Liebe, der Moment, das Leben.

 

Schweißgebadet und zitternd lag ich in meinem Bett und starrte zur Decke hinauf. Das einzige was mir blieb waren diese Träume.  Alles meine Schuld, alles mein Fehler. Ich hätte etwas tun müssen. Hätte nicht so nachtragend sein dürfen, hätte ihm verzeihen und dann alles gut sein lassen müssen. Hätte ihn niemals zu dieser Kreuzung gehen lassen dürfen. Nein, hätte ihn niemals zu dieser Kreuzung führen dürfen. Hätte mir seine Erklärung anhören müssen. Hätte mich nicht von meiner Wut treiben lassen dürfen. Ich hätte so viel nicht tun dürfen. Und doch machte ich alles falsch. Ich drehte mich wieder zur Wand und weinte mich leise in den Schlaf.

 

Nach Wochen der Verzweiflung und Trauer, der Wut und des Hasses, stand ich das erste Mal auf und sah die Post durch, hörte meine Nachrichten auf dem Handy ab und checkte meine Mails. Während ich versuchte meine dröhnenden Kopfschmerzen zu ignorieren lauschte ich dem Anrufbeantworter und plötzlich wurde meine Lunge zu eng und mein Herz hörte auf zu schlagen. „Faye, ähm, hier ist Sandra. Also ich wollte dir nur was erklären. Das mit Seth…“ Ich rannte zum Telefon riss es aus der Dose und warf es Wutentbrannt an die Wand. Das Telefon fiel zersplittert auf den Boden und ich sank hyperventilierend auf die Knie. Von dem Zimmer neben an, kam meine Tante herein, ließ sich neben mich sinken und nahm meinen von Weinkrämpfen zuckenden Körper in die Arme. „Ist ja gut kleines. Ist ja gut.“ So erging es mir fast täglich. Jedes Mal wenn ich mir vornahm in mein altes Leben zurück zu kehren passierte irgendetwas und ich wurde in die Dunkelheit zurück gerissen. Mein Alltag wurde von Weinen und Wut bestimmt. Nach einer Woche, einem der ganz schlechten Tage, klopfte es leise an meiner Zimmertür und meine Tante trat herein. „Faye, hier ist jemand der mit dir sprechen möchte.“ Ich ignorierte sie und  starrte weiter an die Wand. „Faye, ich bin es.“ Ruckartig drehte ich meinen Kopf in die Richtung aus der die Stimme kam und stand langsam auf. „Raus aus meinem Haus.“ Sagte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen und deutete auf die Tür. „Nein, hör zu. Das alles ist schlimm, ja, auch für mich. Deswegen hör mir zu. An dem Tag an dem du mich und Seth zusammen gesehen hast, hast du etwas falsch verstanden...“ „Wie? Ich habe nichts falsch verstanden! Ihr habt euch geküsst und als er mich bemerkt hat folgte er mir zu dieser verdammten Kreuzung und wurde überfahren! Das ist alles. Er hat mich betrogen wollte sich rechtfertigen und ist dann gestorben. Das ist alles.“ Wiederholte ich leise. „Nein eben nicht. Er hat mich nicht geküsst. Ich habe ihn geküsst, er hat dich so sehr geliebt. Er hat dich so sehr geliebt das er mich weggestoßen hat um dir zu folgen, um dir zu sagen das er damit nichts zu tun hat.“ Ich schaute sie verachtend an. „Du bist seine tolle Ex. Warum hättest du ihn zu irgendetwas drängen sollen? Und wie? Verschwinde.“ Sie setzte sich auf den Boden und lehnte sich an die Wand. Sandra strich sich ihr blondes Haar zur Seite und sah mich traurig an. „Ich habe ihn überrumpelt, ich wollte ihn so sehr, wollte dass du ihn nicht bekommst. Er dachte ich wollte ihm etwas geben. Und dann habe ich ihn geküsst und du hast es gesehen.“ Ich schluckte und weigerte mich zu weinen. „Das ändert nichts. Er ist tot. Ich habe ihn praktisch selbst getötet. Kann man nicht mehr rückgängig machen.“Sie sah mich lange an. „Doch, es ändert alles. Du sollst wissen, dass er dich über alles geliebt hat. Ihr wart Seelenverwandt. Ich sah in seine Augen und wusste ich habe verloren. Damit kam ich nicht klar. Du bist nicht Schuld.“ Sie hatte recht das änderte alles. Er war jetzt nicht nur wegen meiner Wut tot, sondern auch noch wegen meiner Idiotie. Er, mein Leben, mein ein und alles, war wegen einem Missverständnis tot.  Na, wenn das mal nicht schön war! Sie sah mich noch einmal lange an und ging dann. Und mit einem Mal hatte ich meinen Frieden gefunden. Zum ersten Mal seit seinem Tod, wusste ich was zu tun war. Es war klar das ich nicht mehr Glücklich würde. Warum also jeden Tag diese alles verzehrende Trauer? Mein Entschluss stand fest.  Ich zog mir mein weißes Kleid an stieg aufs Dach und lernte Fliegen.


Ihr Kommentar ...



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Kommentar von Denker:
(08.03.2010 um 11:13 Uhr)

Immer positiv denken!!! Dann ist das Leben super toll.

Kommentar von Tauchsiederfanatiker:
(15.01.2010 um 11:43 Uhr)

Eine wirklich dramatische Geschichte, die mich beim Lesen sehr gefesselt hat. Wenn du keine Kandidatin für den ersten Platz beim Dramenwettbewerb bist, dann weiß ich auch nicht mehr, Luna.