Morgens um sieben
(Autor: mareis)
Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass so ein Telefon, wenn es morgens um sieben klingelt, irgendwie anders klingelt als zu den anderen Tagesstunden? Irgendwie so alarmierender. Na jedenfalls kann man sich als Angerufener gleich Floskeln wie „Schön von Dir zu hören“ oder „An Dich habe ich auch gerade gedacht“ sparen. Die passen zu dieser Morgenstunde mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht.
Und, es ist tatsächlich so, bei mir klingelt relativ häufig morgens um sieben das Telefon. Das mag daran liegen, dass ich die Chefin einer großen Familie bin, die mit den Jahren ohne mein Zutun sich um ein Vielfaches vergrößert hat. Kinder, Schwiegerkinder, Enkel und deren Freunde, aber auch Nachbarn und Patienten pflegen meine Nummer zu wählen und nicht den Umweg über die der Polizei, des Notdienstes, des Abschlepp- oder Tierkadaverbeseitigungs-dienstes und der Kripo zu nehmen. Nun, das ist meist auch ganz vernünftig. In den meisten Fällen stellt sich ja heraus, das – wenn erst mal die erste Aufregung verflogen ist – die Dienste der genannten Hilfsorganisationen auch gar nicht gebraucht werden.
Heute morgen klingelte es mal wieder in dieser speziellen alarmierenden Weise. Ein Freund musste ins Krankenhaus, nicht als Notfall, ihm war nur eingefallen, dass er da sein Auto nicht für längere Zeit parken kann. Also nix Aufregendes. Ob ich ihn mal eben...., natürlich, das tut man gern für seine Freunde. Da gab es nur ein kleines Problem.
Wie viele hier vielleicht schon wissen, bin ich Besitzerin eines fossilen Kleinwagens, der immer fährt und nie schlappmacht. Und da solche Autos so etwas wie ein rara avis sind, fahren sie zwar immer, aber selten mit ihren Besitzern. Meist sind sie mit denen unterwegs, die ihre mit der Abwrackprämie bezahlten Autos gerade in der Werkstatt haben, die am Straßenrand liegen oder einfach nicht im Winter anspringen. Und so war es auch heute. Mein Auto stand nicht vor der Tür.
Ich könnte seines nehmen. Du lieber Himmel, ich ein fremdes Auto fahren mit tausend Knöpfen, deren Funktion mir nicht im mindesten klar ist und lauter Hebeln, die völlig unmotiviert nach rechts, links, oben oder unten weisen. Meine Hilfsbereitschaft wurde in diesem Moment auf eine harte Probe gestellt. Eine sehr harte! Aber am Ende wollte ich dann doch nicht kneifen und los gings.
Er war noch selbst mit mir als Beifahrerin zum Krankenhaus gefahren und dann saß ich plötzlich allein in einem fremden Wagen. Der Sitz stimmte nicht, hatte nicht die lang eingesessen vertrauten Dellen, Hebe, Knöpfe wie vorausgesagt. Beim Blick nach vorn nur Straße. Sie wissen, so etwa wie bei einem Pekinesen. Bei meinem ist da noch eine Menge rotes Blech zu sehen, aber nicht bei dem. Vorsichtig streckte ich einen Fuß in Richtung Gaspedal, immer gegenwärtig, das er vorne wieder rauskommt, so ganz ohne ordentlichen Motorraum zwischen mir und dem Mittelstreifen. Und dann, und dann..., fuhr ich auch schon einige Meter, ohne was zu hören. Nicht was Sie jetzt denken, bei diesem Auto kann man den Motor beim Fahren nicht hören. Das ist aber sehr beunruhigend, da weiß man doch in voller Fahrt gar nicht, ob der Motor mittendrin abgewürgt ist. Unheimlich. Aber so nach einigen Metern unfallfreier Fahrt fing ich an, den Ausflug zu genießen. Servolenkung ist schon was Feines. Den Bremskraftverstärker habe ich nicht ausprobieren wollen, man darf es auch nicht übertreiben, ich glaube das mal so, dass das auch was Feines ist. Und während ich mich so fröhlich an dieses fremde Fahrgefühl gewöhne, denke ich mir plötzlich, was ist das wohl für ein Autotyp? Ich muss dazu sagen, dass ich nur wenige Marken erkenne. Ich weiß, dass diese runden Dinger, mit dem bayrischen Bierzeltmuster BMW heißen. Den Mercedesstern kenne ich. VW kriege ich auch noch hin, aber schon bei diesen olympischen Ringen nebeneinander hörts schlichtweg auf. Nun, wie kann man denn mitten auf der Fahrt wohl herausbekommen, in was für einem Auto man sitzt. Lachen Sie nicht, das ist gar nicht so einfach. Außerdem muss man ja weiterhin nach vorne gucken und da kriegt man nur heraus, dass das hier kein Mercedes ist. Auf dem Lenkrad? Ja, da stand Airbag. Also, so blöd bin ich jetzt auch nicht, dass ich das glaube. Aber, warten Sie mal, darüber war ein Logo. Sah aus wie eine silberne Sitzbadewanne in einem schwarzgekachelten Badezimmer. Tja, weiß ich nicht, zu welcher Marke das gehört. Muss ich wohl warten, bis ich den Besitzer am Ende der Woche wieder aus dem Krankenhaus abhole. Der wirds wohl wissen.
Ihr Kommentar ...
Kommentar von mareis:
(30.03.2011 um 17:21 Uhr)
Ach Langschläfer, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde..... Aber, wenn Ihnen das noch öfter passieren sollte, vielleicht wärs ja ein guter Stoff für eine Geschichte. So zum Beispiel: An diesem Morgen war alles anders als sonst. Wie konnte das bloß passieren? Was hatte mich vor Tau und Tag........
Kommentar von Langschläfer:
(30.03.2011 um 11:53 Uhr)
Ich muss noch aufklären, wie es passieren konnte, dass ich hier gestern zu so einem frühen Zeitpunkt einen Kommentar hinterlassen habe. Unter normalen Umständen wäre ich längst nicht wach gewesen, aber was soll man machen, wenn man arbeiten muss. Am Wochenende ist wieder Ausschlafen angesagt.
Kommentar von mareis:
(29.03.2011 um 09:19 Uhr)
Das ist so wahr, Langschläfer. Man müsste einen intelligenten Anrufbeantworter erfinden, der in dieser Beziehung zu unterscheiden weiß. Der nicht immer die gleiche Ansage abspult, sondern in diesen speziellen Fällen so etwas wie: "Bleiben Sie ruhig und sagen Sie - nach dem Piepton -genau, wo Sie sind."
Kommentar von Langschläfer:
(29.03.2011 um 08:58 Uhr)
Wenn morgens um 7 das Telefon klingelt, nützt auch der schönste Klingelton nichts.


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