Guten Tag! Tod mein Name. Der Tod
(Autor: Kerstin77)
„Guten Tag! Tod mein Name. Der Tod.“
Verwirrt schaute Horst Schumann den Mann an, der da vor seiner Tür stand. Der Mann trug einen weiten Umhang und hatte die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. In seiner linken Hand hielt er einen geschlossenen schwarzen Regenschirm, aus dem das Wasser in kleinen Bächen in den Hausflur floss.
Herr Schumann blinzelte verwirrt. Kopfschüttelnd schloss er die Türe. Doch der Tod hatte damit gerechnet und stellte einen Fuß zwischen Zarge und Tür.
Horst Schumann war nun wütend. „Sind sie noch ganz bei Trost? Verschwinden Sie, und zwar sofort oder rufe die Polizei.“
Der Tod blieb ganz entspannt, als sei er Reaktionen dieser Art gewohnt.
„Ich kann ja verstehen, wenn sie jetzt wütend sind. Kein Mensch stirbt gerne, und schon gar nicht so plötzlichen, wissen Sie? Darf ich bitte kurz reinkommen und wir besprechen das in Ruhe.“ Der Tod legte Herrn Schumann eine Hand auf den Arm und Herr Schumann schien zu begreifen denn er öffnete die Tür und der Tod trat ein. Also er trat erst einmal hinein in die Wohnung, vorbei am staunenden Horst Schumann. "Schön haben sie es hier!“
„D- danke.“
Der Tod lüftete seine Kauze und zog seinen Mantel aus. Zum Vorschein kam ein älterer, grauhaariger Herr im weißen Anzug. „Mist Wetter draußen. Ohne meinen Mantel hätte ich mir meinen neuen Anzug versaut. Nicht, dass Sie meinen, ich würde immer so rumlaufen. Die Mantel-und-Kapuze- Nummer ist nur ein Klischee. Eine Sense habe ich auch nie besessen. Alles von der Werbebranche erfunden!“
Er machte eine wegwerfende Handbewegung und sah sich um. „Können wir uns vielleicht hinsetzen?“
Herr Schumann zeigte auf eine Tür. „In die Küche vielleicht? Kann …“
Er wurde unsicher und machte eine Pause. Sollte er dem Tod etwas zu trinken anbieten? Macht man das so? Herr Schumann überlegte, ob er in seinen 52 Lebensjahren je etwas darüber gelesen oder im Fernsehen darüber gehört hatte. Gedankenversunken schüttelte er mit dem Kopf.
Der Tod bemerkte natürlich die Verwirrung bei Herrn Schumann. „Ich hätte gerne eine Tasse Kaffee, wenn es ihnen keine Umstände macht.“ Sagte er und lächelte freundlich.
Mit zitternden Händen versuchte Herr Schumann einen Kaffee aufzusetzen. Am Ende war nur ein bisschen Kaffeepulver neben die Maschine gefallen und der Kaffee lief in die Maschine.
„Setzen Sie sich doch bitte, Herr … ähm … Tod.“
„Ich denke, auf die Förmlichkeiten können wir verzichten. Nennen sie mich einfach Tod. Wenn Sie es aber bitte niemandem weiter sagen würden. Ich würde sonst meinen guten Ruf der Schrecklichkeit verlieren. Das wollen wir doch nicht, nicht wahr?“
Herr Schumann konnte nur nicken. Was zur Hölle wahr hier los.
„Na, na, na Herr Schumann. Bitte ziehen Sie die Hölle da nicht mit rein. Die Kollegen dort können auch nichts dafür. Die machen nur ihren Job. Genau wie ich.“
Herr Schumann nickte wieder, aber diesesmal verständnisvoller. „Natürlich, Entschuldigung. Ich wollte niemandem zu Nahe treten. Ist bestimmt auch nicht einfach, der Tod zu sein?“
„Ach, wissen Sie? Es gibt weitaus schlimmere Jobs in unserer Firma. Teufel zum Beispiel. Mit dem möchte ich nicht tauschen. Immer nur nörgelnde und wimmernde Kunden, denen man nichts recht machen kann. Und dann diese Hitze da unten.“ Der Tod schüttelte entschieden mit dem Kopf und kam dann näher an Herrn Schumann ran. Er sprach jetzt leise und geheimnisvoll. „Und die Bezahlung … untertariflich. Ich hab dem Kollegen ja geraten, sich an die Gewerkschaft zu wenden. Er hat doch genug Gewerkschaftsvorsitzende unter seinen Kunden. Soll er die Verbindungen auch nutzen.“ Der Tod zeigte mit seinem Zeigefinger unter sein rechtes Auge und zwinkerte anschließend verschwörerisch. „Apropos heiß. Was ist denn mit dem Kaffee?“
Herr Schumann stand sofort auf und goss zwei große Tassen Kaffee ein. „Wie trinken Sie Ihren Kaffee Herr … Tod?“
„Schwarz!“
„Ah ja, natürlich“
Herr Schumann setzte sich wieder, rutschte aber unruhig auf seinem Stuhl hin und her.
„Möchten Sie mich was Fragen Herr Schumann?“ Der Tod nippte an seinem Kaffee und beobachtete Herrn Schumann dabei über den Tassenrand.
„Ich habe mich gefragt, wie es wohl so ist. Tot sein.
„Wie es ist der Tod zu sein? Nun es ist ein Job wie jeder andere auch. Ich steh morgens früh auf, manchmal mach ich auch Nachtschichten …“
Da Herr Schumann dem Tod einen finsteren Blick zuwarf, begriff er dann, dass er gar nicht gemeint war. „Ach so! Wie es ist, nicht mehr am Leben zu sein. Nun, Herr Schumann, das kommt drauf an, in welche Abteilung sie kommen.“
Herr Schumann schaute nun ziemlich ratlos.
Der Tod zeigte erst nach oben und dann nach unten.
Da begriff Herr Schumann. „Himmel oder Hölle!“
„Ja, genau. Das entscheiden die Kollegen von der höheren Macht. Ganz nette Kollegen da. Sehr verständnisvoll. Da brauchen Sie sich gar keine Sorgen machen. Sie füllen dort ein paar Formulare aus und zack.“ Der Tod schnippte mit der rechten Hand. „Stehen Sie vor dem Allmächtigen bzw. dem Teufel. Je nachdem.“
„Die Hölle ist bestimmt schrecklich. Und grausam. Und barbarisch. Und entsetzlich.“ Panik hatte von Herrn Schumann besitz ergriffen. Er schlug die Hände vors Gesicht.
„Vor allem entsetzlich heiß. Sehr heiß“ Der Tod nippte wieder an seinem Kaffee. Setzte dann aber abrupt ab. „Denken Sie nicht, dass in aller Ewigkeit auf einer Wolke sitzend, die so viel schönere Option ist.“ Der Tod schüttelte den Kopf. „Spätestens nach 50 Jahren werden Sie darum flehen, die Abteilung zu wechseln. Es gab Kunden, die dafür den Sohn des Allmächtigen beleidigt haben. Von wegen Unbefleckte Empfängnis und so. Was war der Allmächtige sauer. Ich kann Ihnen sagen. Immer wenn ein Kunde so etwas macht, gibt es keine weiße Weihnachten. Strickte Anweisung an die Kollegen der Petrusabteilung.“
„Sie wollen mir also sagen, dass tot sein, so oder so scheiße ist.“
„Um Gottes Willen. Ups. Pardon! Ich meinte, auf keinen Fall. “ Es ist wie Leben, nur anders.“
Der Tod leerte seine Tasse in einem Schluck und stellte sie auf den Tisch. „Sind Sie soweit? Können wir dann jetzt?“
„Nein! Wir können nicht! Ich bin noch nicht bereit zu sterben!“ Herr Schumann war so heftig aufgestanden, dass sein Stuhl umfiel. „Ich hab noch so viel zu erledigen. Ich hab ja auch jetzt gar keine Zeit. Ich bin ja nicht mal krank. Und von meiner Familie konnte ich mich auch nicht verabschieden. Ne, das passt jetzt ganz schlecht, Herr Tod.“
„Sie können mir glauben, Herr Schumann, sterben passt keinem Menschen.“
„Können wir das nicht einfach um ein Jahr verschieben? Ich hab auch noch so viele Fragen.“
„Machen Sie sich keine Sorgen wegen der Fragen, das haben alle! Unser Kundenservice steht Ihnen da jederzeit und in alle Ewigkeit gerne zur Verfügung.“
Der Tod lächelte Herrn Schumann an und legte die Hand auf seine Schulter. Plötzlich lächelte auch Horst Schumann und der Tod trat ein.
Ihr Kommentar ...
Kommentar von maxvsydow:
(23.01.2012 um 20:26 Uhr)
ghört da nicht rein mein kommenterl xcuse.. verschaut, voll verschaut..
Kommentar von Kerstin77:
(23.01.2012 um 18:54 Uhr)
Ich würde zu gerne wissen, was maxvsydow meint... ;-))
Kommentar von Alill:
(23.01.2012 um 18:35 Uhr)
.... sollte man den untigen Kommentar verstehen? :)
Kommentar von maxvsydow:
(23.01.2012 um 17:16 Uhr)
sneue vom kappacher wird auch wieder so eine weinerliche, üblich hingeschriebene fadess vom gähnigsten sein.. vorabdruck , das bissl, in der presse, spectrum, läßts leider erahnen, ach ja, autoren ausm elfenbeinturm werden geliebt von machterhaltenen institutionen, schön harmlos - und sie gewinnen preise
Kommentar von riwin:
(14.01.2012 um 10:47 Uhr)
Ein normalerweise unangenehmes Thema einfallsreich und interessant in einer kurzen humorvollen, tendenziell optimistischen Geschichte verfasst, alle Achtung! Weiter so! ;-))
Kommentar von Kerstin77:
(13.01.2012 um 20:13 Uhr)
Ich freu mich, dass euch die Geschichte gefällt. Ja, ich denke, es werden noch weitere Geschichten mit Herrn Tod folgen ;-) Weitere Kritik ist sehr willkommen;-)
Kommentar von Alill:
(13.01.2012 um 18:26 Uhr)
Einfach eine schönes Geschichte!
Kommentar von Surfer:
(13.01.2012 um 14:16 Uhr)
Super witzig. Da kann ich mich Indy nur anschliessen. Weiter so.
Kommentar von Indy:
(13.01.2012 um 13:05 Uhr)
Find ich super! Ansich ernstes Thema, aber schön und humorvoll umgesetzt! Wird es davon weitere Geschichten geben? Klingt irgendwie nach einer Serie! :)

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