Mittwoch, 23 Mai 2012
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Direkt aus dem Leben gegriffen
(Autor: ) Storyaktion August 2010

Piepmatz Design

Meine Tochter, ich will sie hier einfach mal Tiffany nennen, hatte am Freitag einen Arzttermin, bei dem eine Untersuchung vorgenommen wurde, die eine Narkosespritze erforderte. Sie durfte seit dem Frühstück vom Vortag, auch nichts mehr essen, und war natürlich hungrig. Leichtsinnigerweise hatte ich ihr versprochen, ihr baldigst nach der Untersuchung, einen Döner zu besorgen.

Ich blieb bei ihr, bis der Arzt  leichtfüßig mit der Spritze antanzte, dann entfloh ich, mit schwerem Herzen, diesem Raum.

Tiffany wurde vom Herrn Doktor mitgeteilt, dass sie die unangenehme Untersuchung zwar mitbekommen, aber nach dem Aufwachen, nichts mehr wissen würde.

Der Eingriff könne gute 30 Minuten dauern. Danach müsse sie noch eine Stunde liegen bleiben.

Soweit so gut.

Nervös ging ich kurz nach draußen, um eine Beruhigungzigarette zu rauchen.

Meine nervöse Mamaphatasie malte sich die schlimmsten Dinge und Komplikationen aus. Leider habe ich eine sehr blühende Phantasie.

Es hielt mich nicht lange an der frischen Luft.

Nachdem ich in der Praxis wieder ankam, war der Raum in dem Tiffany lag, schon offen und Töchterlein lag friedlich auf der Liege, schön zugedeckt.

Man bot mir an, mich zu ihr zu setzen, was ich auch freudig tat. Sofort tätschelte und streichelte ich mein Nesthäkchen. Spätestens hier wurde mir klar, dass meine freudige Stimmung, nicht lange anhalten sollte.

Tiffany maulte, noch so halb im Tiefschlaf. Leider sehr unverständlich nuschelte sie so vor sich hin. Einzig verständlich waren die Worte "fass mich nicht an" und "Wann werde ich denn nun untersucht".

Meine Antwort, dass die Untersuchung schon zu Ende sei, wurde schimpfend abgewehrt.

Der Arzt habe sie veräppelt, sie nur drei Minuten voll gelabert, ihr eine Spritze gegeben, dann zugedeckt und sei ohne Untersuchung verschwunden.

Sie drohte lallend mit Anzeige gegen den Doc, und mit ihren Anwälten (das Großmäulchen ist 15 Jahre alt).

Plötzlich fing sie an, mit den Händen in der Luft zu fuchteln, ein strahlendes Lächeln im Antlitz, als fange sie Schmetterlinge ein. Auf meine Nachfrage erklärte sie mir total entrüstet, die Fugen zwischen den Fließen an der Wand, kämen auf sie zugeflogen, wie Seifenblasen und sie wolle sie einfangen.

Plötzlich schaute sie mich an und brach in Gelächter aus..."Mama, Du hast vier Augen", als Bestätigung wollte sie mir mit dem Finger, an dem der Kontrollclip fürs EKG hing, ins Auge pieksen. Geschickt wich ihr aus, nur um dann den Finger auf die Lippe zu bekommen, mit der Erklärung, dass meine Nase plötzlich auf der Lippe angewachsen sei.

Langsam wurde ich nervös und ängstlich, malte mir Gehirnschäden, bei meinem Nesthäkchen, und andere schlimme Dinge aus.

Eine herbeigeeilte Schwester erklärte mir, das sei normal nach der Narkosespritze, besonders Jugendlich reagierten darauf sehr heftig. Und Oh Schreck, der Zustand könne bis Abends anhalten.

So ging es dann munter weiter. Es war wohl eine der längsten Stunden meines Lebens.

Sie beschimpfte wieder den Arzt, wegen unterlassener Untersuchung, drohte erneut mit ihren Anwälten, welche ich noch gar nicht kannte, und fing weiterhin munter herumfliegende Fugen ein.

Dazwischen wunderte sie sich über Löcher in der Wand, deren Anblick mir mangels Narkosespritze verwehrt blieb.

Dafür hatte ich plötzlich einen abgeschleckten Zeigefinger im Ohr, meine Jacke wurde als Sabberlätzchen missbraucht, da Tiffany dachte, ihr sei Mund voll gesabbert.

Als wir endlich entlassen wurden, wurde mir blitzartig klar, dass das Schlimmste noch vor mir lag.

Tiffany wollte nicht laufen, wollte sich ständig auf den Gehweg legen, mehrmals auch auf die Strasse. Wenn Passanten vorbei liefen, schrie und tobte die junge Lady "Ich will sofort einen Döner, jetzt sofort, und NEIN ich gehe nicht nach hause".

Ich dachte mir, dass ich einen Panzer eher mit Muskelkraft, diesen Berg hochgebracht hätte, als meine Tochter.

Ich rief dann per Handy zwei junge kräftige Männer, einer davon ihr Freund, zur Hilfe herbei. Voller Tatendrang wurde sie von beiden in die Mitte genommen, und nach Hause geschleppt. Zum ersten mal habe ich die beiden so richtig schwitzen sehen.

Zuhause dann meinte die Süße plötzlich, sie könne fliegen, daraufhin blieben die Fenster und Türen bis Abends geschlossen.

Ihren Döner durfte sie dann aber auch noch genießen.

Mein Resümee heute zwei Tage zurückblickend...Gott sei Dank war die Untersuchung ohne Befund, und ich sehe ihre pubertären Anfälle nun mit anderen Augen. Denn lieber eine gesunde Zicke ;-) als ein evtl. krankes und dann trauriges Kind.

 

 

 


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