Mittwoch, 23 Mai 2012
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Die Speisung der 5000
(Autor: )

Piepmatz Design

Die Familie macht Urlaub. Und am besten in einer Jugendherberge. Die großen Kinder mit ihren an die 20 Lenzen wollen nicht mit. Das ist denen zu jugendbewegt und vor allem zu peinlich. Aber die kleinen Geschwister sind begeistert. Jede Menge Auslauf und Austausch mit den Kleinen anderer Familien. Auch für die Mama Erholung pur. Nur hin- und wieder ein kleiner Streit zu schlichten, hier und da ein Knie zu verbinden, Unfallgefahren vorherzusehen und im Ansatz zu verhindern. Also, kaum was zu tun, gegessen wird an der Wildfütterungsausgabe der Herberge.

 

Und wie ich mich da in der Sonne und dem Fastnichtstun sonne, da passiert es. Die kleine Tochter der Herbergsmutter stürzt mit dem Fahrrad auf Schottergrund und verletzt sich das Gesicht so schwer, dass hier mehr zu tun ist, als nur ein Pflaster aufzulegen. Sie muss sofort zum ärztlichen Notdienst in der nächsten Stadt. Was für ein Dilemna! Der Jugendherbergsvater unterwegs und in exakt einer Stunde sind 80 hungrige Mäuler mit Essen zu füllen. Klaro, hier wird eine Frau gebraucht, die sich mit Großfamilien auskennt. Ich begebe mich also sofort in die Herbergsküche, null Ahnung, wo was an Geräten und Zutaten zu finden ist. Aber gemach, gemach. Alle Küchen dieser Welt sind von ihrer Logistik ähnlich aufgebaut. Heute soll es Spagetti Bolognese geben. 80 Portionen. In einer Stunde.

Die beiden jungen Küchenhilfen sind erst seit wenigen Tagen hier und noch nicht wirklich eine Hilfe. Trotzdem gelingt es uns, die Riesentöpfe samt Zutaten klar zu machen und rechtzeitig mit dem Kochen der Nudeln und der Bolognese zu beginnen. Da kommt alles rein, was eine vernünftige Bolognese braucht und einen gibt der Bauer sowieso immer dazu. Eine Minute vor 12 Uhr ist alles fertig. Ich öffne die Essensausgabeklappe und schaue direkt in 80 hungrige Augenpaare. Teller geschnappt, Nudeln drauf, Bolognese drüber und raus damit. Der nächste Teller, Nudeln, Bolognese und.....und es hört überhaupt nicht auf! Die Nudeln schwinden bedenklich, die Bolognese zeigt bereits den Topfgrund und immer noch eine Schlange vor der Essensausgabe. Jetzt werde ich doch endlich nervös. Am Ende sind nur noch zwei Nudeln da, die Bolognese ist bereits Geschichte und vor mir ein kleiner Junge, der mich erwartungsvoll anguckt. Mein Herz schmilzt dahin.

„Warte, ich räume hier schnell auf und dann lade ich Dich zu McDonalds ein“ „Nee“, grinst der Kleine. „das brauchen Sie nicht. Ich bin schon zum dritten Mal hier und eigentlich satt. Aber das schmeckt wie zu Hause!“

Ich war so erleichtert wie selten in meinem Leben. Klar, schmeckte das wie zu Hause! Ich habs ja auch so gekocht wie ich es zu Hause immer tue.


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