Mittwoch, 23 Mai 2012
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Der verhängnissvolle Zaubertrank
(Autor: ) Gsf 2009 Fantasy Beitrag

Piepmatz DesignIch verabscheute die Dunkelheit. Es erinnerte mich an Trauer, Gefühllosigkeit und Schmerz. Da war einfach nichts, dass ich sehen konnte. Egal ob meine Augen geöffnet waren oder nicht, ein Unterschied gab es nicht. Alles war immer nur Schwarz. Zeitweise vertraute ich meinen Körper nicht mehr und es fühlte sich so an, als wäre ich Blind. Denn nichts zu sehen, verwirrte mich zunehmend und es machte mich nervös. Unruhig rutschte ich auf den harten Boden hin und her, auf dem ich saß. „Halt still du Biest“, schrie mich eine ältere Stimme an und schlug mit einem Stock gegen die Zellgitter. Ich war geschockt, denn ich wusste nicht, dass noch jemand hier war. Hier in dieser eiskalten Zelle. Ich konnte förmlich die kalten Steinwände spüren. Doch wie groß meine Zelle war oder wo der Wärter wache stand, wusste ich nicht. Dafür hatte ich nicht den Mut, meinen Arm auszustrecken und um mich herum zu tasten. Es war einfach beängstigend nichts zu ahnen, was mit einem passieren würde geschweige denn warum man hier gefangen gehalten wurde.

Ich musste mich auf meine anderen Sinnesorgane konzentrieren. Nach Minuten oder vielleicht auch nach Stunden, hörte ich Schritte. Hastige Schritte und Bewegungen von mehreren Männern. Männern, da es feste Fußstampfen waren und sie nur so von Boshaftigkeit trotzten. So würde nie eine Frau laufen, wenn sie wüsste, welche Aufgabe sie erledigen musste. Und prompt blieben die Männer vor meiner Zelle stehen. Einer, sicherlich der Anführer, redete mit dem Wärter. Ich verstand die Unterhaltung nicht, da sich plötzlich alles um mich drehte. Das Blut rauschte viel zu schnell durch meine Ohren und brachte mein Gleichgewicht ins schwanken. Mein Herz pochte viel zu laut, sodass es sicher die Männer hörten und sogleich einen Vorteil hatten mich in der Dunkelheit schneller zu finden. Vor Angst begann ich stoßweiße zu atmen, als würde man mir die Luft wegschnüren. Meine Augen waren weit geöffnet und ich versuchte in der Panik in jede Richtung zu schauen. Auch wenn ich nichts sah als Schwarz. Ich krallte mit meinen Nägeln in den Steinboden, als wollte ich mich festgraben.

Doch trotzallem war ich still. Ich wusste nicht, wie die Männer reagieren würden.

Und dann ging es plötzlich viel zu schnell. Der Wärter fuchtelte mit dem Schlüssel im Schloss und krächzend öffnete sich die Zellentür. Mit nur drei Schritten standen die Männer an meiner Seite. Als hätten sie es vorher geübt oder es schon viele Male durchgemacht, arbeiteten sie sehr koordiniert. Der eine packte mich an den Beinen und presste es zusammen. Wegzulaufen wäre unmöglich. Je zwei weitere hielten mich an den Armen fest. Mich zu wehren wäre sinnlos gewesen, dafür war ich zu schwach und sie viel zu stark. Der nächste verbarg meinen Kopf unter eine dicke Stofftüte und band es fest um meinen Hals zusammen. Die Enge und die Wehrlosigkeit brachten aus Verzweiflung einen kreischenden Schmerzensschrei aus mir heraus. Meine Kehle brannte höllisch und verlange nach mehr Luft. Doch die Stofftüte hatte wohl auch andere Wirkungen, als mir nur die Sicht zu stehlen. Ein Mann, der wohl abseits stand, schrie mich belustigt an: „Ungeziefer haben nicht zu sagen.“ Dann wurde an mir herumgezerrt und sie trugen mich aus der Zelle raus. Immer noch wehrlos konnte ich nicht ahnen, wohin der Weg führte. Ich bekam erneut Angst, da ich keinen festen Boden unter meinen Füßen hatte. Aus Sicherheit hielten mich die Männer immer noch fest und trugen mich weiterhin.

Mein sicherer Tod führte mich an einem belebenden Ort. Ich hörte viele Menschengeräusche. Vor allem Ausdrücke und wüste Beschimpfungen. Dass das alles an mich gerichtet war, bemerkte ich erst, als die Männer mich an einer Stelle hinstellen und mich loshielten. Von allen Seiten kamen Wut verzerrte Geschreie und Menschen die mit Händen und Füßen auf den Boden stampften.

„ Du gefühllose Mörderin!“, „Der Teufel soll dich holen!“, „Du wahnsinnige Hexe!“.

In dem Moment war ich bewegungslos. Weglaufen wäre sinnlos gewesen, da all meine Feine mich umzingelt hatten. Und außerdem war mir die Sicht immer noch versperrt.

Doch ich und eine Mörderin? Es schauderte mich überhaupt daran zu denken. Die Menschen sahen mich als den Teufel an. Doch wenn sie nur wüssten. Ich war keine Mörderin, niemals. Es war nur ein versehen. Jeder Mensch machte Fehler und es wird einem gleich vergeben. Auch wenn es mir passierte- einer Hexe. Doch ich kriegte nicht einmal die Chance die Wahrheit auszusprechen. Dass ich ihn nicht umgebracht hatte. Wie gesagt, es war ein versehen.

Ich habe ihn zum ersten Mal gesehen, als er mit seinen Eltern zu uns ins Dorf zog. In unserer kleinen Gemeinde gab es ein willkommensfest. Zugleich wurden Warnungen an die neuen Nachbarn überreicht. Die Frau, die in der hässlichen und herunterkommenden Hütte wohnte, seine eine verrückte Biest. Eine bösartige Hexe, die viel Unglück in die gemeine brachte.

Egal ob Tod, Krankheit oder Unzufriedenheit, daran war die Hexe schuld. Doch niemand hatte Handfeste beweise um mich zu bestrafen. Dass ich abseits stand und alles mithören konnte, war denen egal. Sie redeten sogar lauter um ihren Hass gegenüber mir zu verdeutlichen. Ich wollte schon weggehen und mich in meinem Zuhause verkriechen als unsere Blicke uns trafen. Ein Gefühl braute sich in meinen Körper, dass ich bis dahin nicht kannte. Ich fühlte mich auf einer weise glücklicher und zufriedener. Ein junger Mann war er, doch mit breiten Schulter und großen Körper. Seine Rabenschwarzen Harre und die buschigen Augenbraun gaben ihm etwas Geheimvolles zu sein. Doch von da an wusste ich auch, dass er sich nicht für mich interessier würde. Nicht nach alldem was die anderen über mich erzählt hatten. Von da an schwirrten meine Gedanken nur um ihn. Verträumt lief ich in meiner Hütte. Vor lauter Aufregung konnte ich nicht stillsitzen. Fiebrig überlegte ich nach. Es müsste doch eine Möglichkeit geben ihn auf mich Aufmerksam zu machen. Und dabei auch von meiner Unschuld zu beweisen.

Und plötzlich kam mir der Gedanke. So simpel sie auch war, so schwer war sie herzustellen.

Ein Liebestrank. Derjenigen, der ein Schluck nahm, verliebte sich bedingungslos in die auserwählte Person.

Da ich nicht auf den nächsten Tag warten konnte, fing ich gleich an. Der Liebestrank war komplizierte zu brauen. Es dauerte nicht lange, doch man konnte vieles falsch machen. Die Zutaten mussten in den richtigen mengen gewogen werden und es gab auch viele verschiedenen Sorten von Kräutern. Die Gefühle eines anderen Menschen zu beeinflussen war sehr riskant und gegen die Natur. Man beeinflusste nicht nur die Gefühle, sondern auch die Denkweise. Deswegen war es umso wichtiger, den Trank richtig zu brauen. Ein kleiner Fehler und es könnte schlimmes passieren! Doch in meinem Eifer dachte ich nicht an die Risiken. Ich vertraute meinen Fähigkeiten.

Am helllichten Morgen war ich endgültig fertig und stolz auf mein Werk. Der Liebestrank war leicht rot-rosa und hatte einen sehr verführerischen Duft. Als die ersten Hähne den Morgen begrüßten, ging ich aus dem Haus. In der Hand hielt ich eine Tasse voll mit Liebestrank. So leicht die Idee auch kam, desto leichter war es ihn zum probieren aufzufordern. Er war einer der ersten der im Garten arbeitete. Bei seinem Anblick fing mein Herz schnell an zu pochen. Ich behielt trotzdem die Ruhe und konnte ihn in einem Gespräch verwickeln. „Ja, die Gegend gefällt mir hier sehr“, antwortete er, „Ich bin Jason und du bist…?“. „ Das Böse Mädchen von nebenan. Ich hoffe du glaubst nicht an den Tratsch. Ich wollte keinen ersten schlechten Eindruck hinterlassen und dachte mir, ich mache dir was zum Trinken.“ Mit einem Lächeln übergab ich ihm die Tasse. Dankend nahm er einen tiefen Schluck. Begierig beobachtete ich ihn, doch es schien sich nicht zu verändern. Er war derselbe Mensch wie vorher. Der Zauber müsste sich wohl erst im Körper verbreiten und die tiefsten Gefühle verwandeln. Das konnte sicherlich ein paar Stunden dauert.

Ein Nachbar hatte uns wohl beobachtet. Von der anderen Seite rief er: „Jason, geh sofort ins Haus rein. Man redet nicht mit Ungeziefer.“ Entschuldigend schaute er mich an und ging mit der Tasse weg. Mein Herz machte einen kurzen Stillstand. Ich verschwand auch zugleich, da ich keinen weiteren Ärger verursachen wollte.

Zufrieden ging ich in meine Hütte und verbrachte den Tag vor meinem Fenster. Ich wartete auf ihn. Meine Hoffnung wurde spät abends immer noch nicht erfüllt. Langsam begann ich an meinen Zauberkräften zu zweifeln.

Blitzartig verbreitete sich Panik in mir und mein Herz begann zu rasen. Er würde niemals zu mir kommen. Er wäre dazu nicht mal fähig. Ich hatte nicht die Zeit wegzulaufen, da ich schon die schreie im Dorf hörte. Ich geriet in totale Panik und versuchte nach Luft zu ringen. Doch es war zu spät. Die Dorfbewohner waren an meiner Hütte. So schnell konnte ich nicht reagieren und eine Tüte würde über meinen Kopf verbannt. Seit da an war ich gefangen in der Dunkelheit, geschleppt wurde ich in einer Zelle und jetzt war ich hier. Vor dieser wütenden und tosenden Menge, die mir die Schuld gaben.

Die Männer packten mich plötzlich an den Armen und hielten mich fest. Ich war regungslos und ließ mich an einem Baumstock befestigen. Unter meinen Füßen würden Zweige und Blätter verteilt. Nicht mal weinen konnte ich, obwohl ich wusste, was passieren würde. Und dann sprach eine autoritäre Stimme. „ Liebe Gemeinde, wir haben uns hier versammelt um unsere Welt vor das Böse zu schützen. Manche Wesen unter uns haben es nicht verdient unter uns zu weilen. Sie bringen nichts als Unglück in unseren leben. Gott wird uns weiterhin zur Seite stehen und seine mächtigen Hände über uns legen. Gott wird es so wollen, dass wir zu solchen Bestrafungen fähig sind. Den Hexen sind Teufels Werk!“

Ein Zustimmende jubel durchfuhr die Menge.

„Dieses Monster hat einen Mord begangen. An einem jungen Mann namens Jason Sens. Wir trauern mit den Eltern und Verwandten. Gott möge sie beschützen. Das unmenschliche Wesen hat es verdient für ewig in der Hölle zu schmorren!“ Mit dem Letzten Satz spürte ich eine Hitze, dessen Temperatur rasch anstieg. Es roch nach verbranntem Holz. Für einen Schmerzensschrei war es schon zu spät. Die tosenden Flammen hatten meine Beine erreicht und ringen nach meinen Körper.

„Lebe die Hexenverbrennung“, schrie die Menge und lachte vor Glück.

Ich war dazu verdammt zu sterben.

Eine Zutat in meinem Eifer vergessen und der Liebestrank entwickelte sich zum Tod.

Nicht nur für Jason.


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