Wahnsinn
(Autor: Petramjansen)
Er: alles ist verloren. Alleine stehe ich da. Freiheit ohne Grenzen, wohin
des Weges nun ?
Sie: ich brauche es. Vollgestopft mit fremden Gedanken. An die Wand der
ewigen Rechtfertigung gedrückt. Gefangen in der normalen Welt.
Er: Ich habe fest daran geglaubt. Sie holt mich.
Sie: Befreiung ! Ich atme durch. Freiheit ohne Umkehr.
Er: wo ist sie bloß? Ich fühle es, sie muss kommen.
Sie: Sehnsucht schreit in mir. Ruhe muss in meine Seele. Ich will weg.
Er: Einsam und alleine, nur shit um mich herum. Der Dunst der Zigarette
lässt Tränen, meine Augen sehen nichts.
„Doch“, sagen mir die Sterne, ich gebe alles auf. Ich gehe.
Sie: um Jahre bin ich gealtert und bin unverstanden. Ich reise in die Ferne
weil ich die Weite will.
Er: „Nein!“, ich bin verzückt. Sehe, was da näher rückt. Meine Phantasie
spielt Streiche, ich sehe eine Hexe! Eine Illusion, die es nicht gibt.
Und doch ! Da ist sie, echt – bin ich jetzt verrückt?
Sie: kalt und heiß rinnt es herab, das ist mein Traum. Ich glaub´es kaum.
Ich bekomme weiche Beine, zitternd stehe ich da. Kein Wort kommt
aus meiner Kehle, sie ist wie zugeschnürt.
Er: Sie ist so sexy, so verdammt unglaublich sexy. Was mach ich bloß?
Ich habe es geahnt, darum bin ich hierher gekommen. Sie ist mir
altbekannt. Ich kenne sie, ich kenne sie...
Sie: löst mich das Schicksal von Altem ab? Bringt es mich zu Neuem?
Was geschieht hier, was ist los? Woher kenne ich ihn bloß ?
Sein Blick ist magisch, er fesselt mich. Ich kann nicht umkehren,
ich wollte Freiheit und bin gefangen.
Er: sie ist aus meinen Träumen, sie bewegt sich so. Der Himmel hat sie
mir gesandt und ich wusste es. Sie darf nicht wieder gehen, auf
keinen Fall. „Tu was!“, schreit mein Ich.
Sie: Kein Wort brauchen wir, keine Fragen. Selbstverständlichkeit,
Vertrautheit, Parallelität. „Wir“ gefällt mir und wird immer sein.
Er riecht wie mein Zuhause, schmeckt wie süße Sünde, fühlt sich an
wie Seide - er ist mir !
Er: meine Güte, was für´n Weib! Welch ein phantastischer Leib.
Ich will ihn ganz besitzen, thronend auf ihm sitzen, mit Liebessaft
bespritzen. Sie ist mir !
Sie: Wenn und aber gibt es nicht, irgendeine Macht ist mit uns. So sollte
es immer sein – keine Zweifel, keine Pein. Ich liebe ihn mit Haut und
Haar, wer hat ihn gezaubert ? Es kann nicht sein, es kann nicht sein –
wer hat das bestimmt?
Ich versinke, ich ertrinke. Freiheit? Die will ich nicht...
Er: ich lass sie nie mehr los, ich liebe sie. Ich kenne sie nicht und kenne
Sie gut, meine kleine Hexe ist aus Fleisch und Blut. Meine Höhle ist
nicht weit , wir werden darin wohnen. Nie wieder ohne einander sein.
Sie: gefangen im Rausch der Liebe. Kosten, genießen, ergeben,
zerfließen.
Dieser Mann ist mein Begehr, ich folge ihm. Wohin führt er mich?
Er: was ich liebe besitze ich. Was Mein ist gebe ich nicht her! Niemals mehr.
Wer es wagt hier einzudringen, wird spüren meine Klingen. Tod über den,
der Dreistes wagt, ich verzeihe nicht ! Sie ist mir....
Sie: was ich liebe, dem vertraue ich. Gebe ihm die Freiheit. Denn nur dann
ist die Liebe wahr und ist Liebe. Dieses Mal wird es richtig sein und nicht
wieder eng und klein. Seine Höhle ist kuschelig, warm und es ist
vorbestimmt. Wir gehören zusammen und danke an die Götter.
Er: so sexy wie sie ist, kann sie für mich alleine sein? Nein !
Ich muss aufpassen, damit mir niemand meine Beute streitig macht.
Achtsam sein und niemandem trauen. Vertrauen könnte ein großer
Fehler sein !
Sie: ich liebe ihn unendlich, er spürt das wohl. Eine Symbiose sind wir,
ein vollkommenes Eins. Er vertaut mir, na klar !
Niemals war ich süchtig, süchtig nach einem Mann.
Doch dieser hier, der Meine, ist so aufregend und so
erotisch, dass ich nicht anders kann.
Das ist Freiheit, das ist Glauben. Freie Liebe , exzessiv.
Er: sie hat mich verhext, sie hat was in mir gesät. Sie ist keine weiße Hexe,
sie ist ein Dämon. Der Teufel soll sie holen !
Sie: was ist los? Was spüre ich? Er trägt grausame Züge. War das gestern
schon ? Denkt er, dass ich lüge? Schweiß rinnt meine Stirn hinab, meine
Kehle schnürt sich zu...
Er: Fratzen träume ich. Geister erscheinen hämisch, zeigen mit dem
Finger.
Der Tag wird Nacht, ich hab nicht aufgepasst. Jetzt muss ich sie zwingen,
die Feinde warten schon. Ich weiß es, ich weiß es – sie ist ein grausamer
Traum.
Sie: Er drückt mich zu fest, fester, noch fester. Ich will schreien. Schreien um
meine Freiheit, mein Leben. Wir lieben uns doch, wir sind Eins !
Er: im letzten Leben waren wir zusammen, in diesem Leben haben wir uns
wieder gefunden. Doch wir können uns nicht behalten, du bist der
Dämon . Eine elende Hexe, sexy verpackt. Verlockend und erotisch, aber
du bist nicht für mich allein..
Sie: Schatten der Dunkelheit sind über mir. Kälte spüre ich. Der Teufel treibt
sein Spiel. Ich will meine Freiheit, ich will mein Leben! Warum kannst du
nicht glauben?
Er: die Zunge lügt, sie ist wie die einer Schlange. Ich glaube nichts. Du hast
mich betrogen, du hast mich belogen. Die Götter haben versagt.
Sie: ich liebe dich, ich liebe dich _________
Er: dich kriegt niemand , außer mir !
Zu dem Zeitpunkt der Tat stand er unter Einfluss von halluzinogenen Drogen.
Psychedelische Drogen führen zu einer starken Bewusstseinsveränderung
und die aktuellen Zahlen, wie viele Morde unter Drogeneinfluss begangen
werden, sind nicht eindeutig erfasst.
Drogen verändern das Bewusstsein und führen zu extremen psychischen
Störungen inklusive paranoider Wahnvorstellungen.
(Petra M. Jansen /
LiteraTour.Poetic.Text)
veröffentlicht in Collection Deutscher Erzähler, Jahrbuch 2011 (Anthologie)


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