In der Stadt
(Autor: PeterOebel)
Mittlerweile unübersehbar groß ist sie geworden
die Gruppe der Lungernden in meiner Stadt
ja inzwischen ist es ein recht stattlicher Haufen
der sich zwischen Gassen und Läden drängt
Immer wieder erscheinen sie auf der Bildfläche
die Vagabunden und Tippelbrüder dieser Stadt
scheinen gar wie aus dem Nichts aufzutauchen
die Clochards der Straßen und Gehwege
Auf schäbigen Decken kauernde Erscheinungen
Bedrängnis die stumm zum Himmel schreit
die Obdachlosen und Bettler hier am Orte
Armut Not Elend und verhärmte Blicke
Hochglanz polierte Messingschilder der Läden
graziös eingravierte Firmensignaturen
mit edlem Marmor verziert die Eingangstore
noble Geschäftshäuser hat sie meine Stadt
Vor Sturm und Kälte Schutz suchende Seelen
von Lumpen und Plastiktüten umgeben
in stinkende Armeeparka leicht gehüllt
die vom Hunger ausgemergelten Menschen
Dort eine Frau und hier ein gebeugtes Kind
ein alter Mann mit seinem Hunde
hängende Schultern an hageren Körpern
verschlungen mehr lagernd denn sitzend
Auf Wegplatten voller Resignation Lagernde
die nur noch auf den Boden stieren mögen
die Habe im Rucksack auf Beton gelagert
Bettler Menschen Seelen unsere Nächsten
Der Zynismus trifft sich mit der Hilflosigkeit
Dekadenz und Ironie in unserem Lande
der Überschuss stößt auf den Mangel
ein Abwenden und Wegsehen in der Stadt


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