Interviews mit Nicole Rensmann

Gsf-User interviewen Frau Rensmann

Gsf-User: Worin besteht für Sie der Reiz an Kurzgeschichten bzw. Romanen?

Frau Rensman: Der Reiz des Schreibens an sich, würde ich meinen. Kurzgeschichten entstehen bei mir häufig nach der Fertigstellung eines Romans – zum Ausruhen oder weil ich noch eine Restidee verarbeite, die im Roman keinen Platz fand. Früher habe ich weitaus mehr Kurzgeschichten geschrieben, fast schon produziert, muss ich sagen. Eine wunderbare Fingerübung, um die Sprache zu entwickeln und daran zu feilen. Heute schreibe ich eher einen Roman als eine kurze Story, auch wenn das natürlich bedeutend mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Gsf-User: Was schreiben Sie lieber? Kurzgeschichten oder Romane?

Frau Rensmann: Das lässt sich nicht pauschal sagen. Meine Arbeitsweise hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert. Bei einem Roman kann ich viel mehr Ideen einbringen, die Handlung ausarbeiten, die Protagonisten ausfeilen. In der Kurzgeschichte muss alles exakter und auf den Punkt gebracht sein. Der Leser muss sich schnell in der Geschichte wieder finden können, und wird auch wieder schneller daraus entlassen, dennoch soll sie ihm nachhaltig in Erinnerung bleiben. Das ist ein schwieriger Spagat, der nur in den seltensten Fällen grandios gelingt. In einem Roman kann sich nicht nur der Autor, sondern auch der Leser über einen gewissen Zeitraum verlieren. Was ich lieber schreibe, kann ich aktuell nicht sagen. Letztendlich hängt es eh vom Thema und der Idee ab, ob daraus eine Kurzgeschichte oder ein Roman entsteht.

Gsf-User: Wie entsteht eine Kurzgeschichte bzw. ein Roman?

Frau Rensmann: Am Anfang steht die Idee. Die Ausarbeitung dauert manchmal Jahre.

Gsf-User: Wie gehen Sie an die erste leere Seite ran bzw. was machen Sie bei einer Schreibblockade?


Frau Rensmann: Schreibblockaden, wie sie oft beschrieben werden, gibt es nicht. Was es aber sehr wohl gibt, ist ein problemträchtiger und umfangreicher Alltag, ein stressiger, normaler Job, Sorgen – welcher Art auch immer oder der eigene Druck, den sich Künstler meist selbst aussetzen. All das hindert den kreativen Prozess. Die erste Seite? Sie ist nie lange weiß, denn ich beginne mit dem ersten Wort, dem viele weitere folgen. Die ersten Seiten werden zwar oft überarbeitet, besonders am ersten Satz feile ich heute sehr lange und immer wieder, aber bisher hatte ich noch keine Probleme, die erste Seite auch tatsächlich mit Worten zu füllen. Probleme tauchen dann eher später auf, wenn ich merke, dass ich einen Fehler im Plot habe, die Idee nicht aufgeht, der Spannungsbogen nicht funktioniert etc. Aber daran lässt sich arbeiten und aus Fehlern lernen.

Gsf-User: Benutzen Sie zum Schreiben einen Laptop? Welche Hilfsmittel nutzen Sie zum Schreiben?

Frau Rensmann: Ja, ich schreibe am Laptop. Ideen, Stichpunkte, Schlagwörter oder Blitzsätze schreibe ich per Hand, um sie schnell zu notieren, falls der Laptop nicht aufgeklappt vor mir steht. Da ich für die Geschichten häufig recherchieren muss, nutze ich natürlich das Internet, aber auch Sachbücher oder das Wissen anderer Menschen. Besonders letzteres ist sehr bereichernd.

Gsf-User: Wo haben Sie Ihr Handwerk gelernt? Wie waren Ihre Anfänge als Autorin?


Frau Rensmann: Ich bin Autodidakt und habe mir alles selbst beigebracht, ergänzt mit Tipps und Tricks von Lektoren oder anderen Autoren. Das bedeutet, ich muss meinen Text immer wieder selbst hinterfragen und mich ständig kritisieren. Aber auch alles was ich lese, analysiere ich, zwecks Lerneffekt, weitaus über das normale Maß eines Lesers oder Rezensenten hinaus, was ich dann natürlich nicht in eine Rezension einfließen lasse – das wäre unfair. Trotz dieser Lernprozesse bin ich froh, meine Erstleser zu haben, denn eins ist klar: Wir Autoren werden irgendwann betriebsblind. Aber Schreiben lernen Sie nur, indem Sie schreiben. Schreiben und lesen, erarbeiten, umarbeiten, neuschreiben, wieder lesen – nicht nur die eigenen Texte, sondern vor allem auch die der Kollegen und Vorbilder.

Gsf-User: Ab wann wussten Sie, dass Sie vom Schreiben leben können?

Frau Rensmann: Das weiß ich noch nicht, denn ich kann nicht vom Schreiben leben.

Gsf-User: Wie sind Sie zu Ihrer ersten Veröffentlichung gekommen, und was war es?

Frau Rensmann: Meine allererste honorierte Veröffentlichung war eine Horrorkurzgeschichte in der Gruselserie des Bastei Lübbe Verlags »John Sinclair«. Das war 1998. Die Story »Eine Begegnung besonderer Art« schrieb ich allerdings schon 1995. Aufgrund meiner – ich nenne es mal – Tätigkeit bei der KRAG (King Readers Association Germany) hatte ich Kontakt zum Bastei Verlag. Weniger, um dort etwas zu veröffentlichen, mehr, um Informationen zu Stephen King zu erhalten. Ich meine mich daran erinnern zu können, dass der damalige Lektor auf unserem Stammtisch sagte, es würden immer wieder Kurzgeschichten für John Sinclair gesucht. Ich witterte meine Chance. Bei Bastei habe ich in diesem Rahmen in den Jahren darauf noch zwei weitere Horrorstorys veröffentlicht. Das waren meine Anfänge.

Gsf-User: Welches Genre bevorzugen Sie?

Frau Rensmann: Ich habe in den ersten Jahren, bedingt durch meine Vorliebe für Romane von Stephen King und Dean Koontz, Horrorstorys geschrieben. Mein erster Roman war jedoch für Kinder. »Die Hobbijahns« – mein Debüt – erscheint übrigens im Herbst dieses Jahres, 14 Jahre nach seiner Fertigstellung. Es folgten viele Geschichten für Kinder, oftmals mit phantastischem Touch oder dem Thema über das „Anders sein“. Ich habe einen historischen Roman geschrieben, einen Liebesroman, ein Jugendroman mit gesellschaftskritischen Problemen, Science Fiction. Aber ich muss zugeben, dass all diese Romane nicht ohne Phantastik auskommen.

Gsf-User: Wie viele Ihrer Arbeiten wurden veröffentlicht und wie viele nicht?

Frau Rensmann: Was die Romane betrifft, wurden von acht Romanen sieben veröffentlicht. Mein erster und einziger Krimi liegt noch in der Schublade. Ich fürchte, dort wird er auch bleiben müssen. Allerdings arbeite ich aktuell an vier Romanen unterschiedlicher Genre, die noch keinen Verlag haben. Bei den Kurzgeschichten sieht das anders aus. Exakte Zahlen kann ich gar nicht nennen, allerdings weiß ich, dass mehr Kurzgeschichten veröffentlicht wurden, als sich Unveröffentlichte im gleichnamigen Dateiordner tummeln. Manche Geschichten brauchen ihre Zeit, um zu reifen. Irgendwann nehme ich sie mir wieder vor, wenn ich glaube, die Idee hätte es verdient, erneut bearbeitet zu werden, andere gehören zu meiner schriftstellerischen Laufbahn wie das Wort „Ende“, aber nicht zu den Highlights.

Gsf-User: Was muss für Sie eine gute Werksidee ausmachen?

Frau Rensmann: Sie muss mich begeistern und meine Phantasie sprießen lassen wie Gänseblümchen.

Gsf-User: Wie viel Stunden pro Woche sind Sie mit allem, was Ihre Autorentätigkeit angeht, beschäftigt?

Frau Rensmann: Das lässt sich nicht pauschalisieren. Es gibt Wochen, da arbeite ich nur zwei Stunden am Tag und Tage, an denen ich acht und mehr Stunden schreibe, recherchiere, Kontakte knüpfe, die Webseite aktualisiere, einen Blogartikel verfasse etc.


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