Donnerstag, 17 Mai 2012
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Interviews mit Carol Grayson




Gsf-Interview mit Carol Grayson

Gsf: Hallo Carol. Vielen Dank, dass du dich in unserem Autorenverzeichnis eingetragen hast und uns nun auch noch ein paar Fragen beantwortest. Wie man in deinem Profil auf unserer Seite lesen kann, bist du offensichtlich eine viel beschäftigte Autorin. Kommt es mitunter schon einmal vor, dass deine Arbeit in Stress ausartet oder liebst du sie so, dass du derartige Empfindungen bei vermeintlich großer Belastung gar nicht verspürst?


Carol Grayson: An erster Stelle stehen natürlich immer die Terminarbeiten, zum Beispiel bei Übersetzungen. Das Schreiben von Kurzgeschichten und Romanen allein ist eher Entspannung. Eigentlich kommt es immer auf eine gute Organisation an. Ein 12-Stunden-Tag ist bei mir allerdings keine Seltenheit. Man muss auch Schwerpunkte beim Schreiben setzen. Letztes Jahr gab es zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien. Dieses Jahr werde ich kaum dazu kommen, an einer teilzunehmen, es scheint eher ein Jahr der Events zu werden :-)


Gsf: Kannst du unseren Leser kurz den Titel deines zuletzt erschienenen Romans nennen und kurz den Inhalt umreißen?


Carol Grayson: Die letzte Neuveröffentlichung war der Roman "Der Grabschänder" beim AAVAA Verlag. Es ist eine Mischung aus Abenteuer und Vampirdrama, untermauert mit realen Fakten und geschichtlichen Orten. Er geht dem heutigen Vampirhype auf den Grund und liefert eine recht "plausible" Erklärung dafür: Nathan Lynch, Professor der Archäologie in New York, ist im Besitz eines geheimnisvollen Amuletts und kommt dadurch einer Verschwörung der Vampire auf die Spur. Count Simon Ariel Langsley und sein Sohn Damian manipulieren die Menschen bereits seit Jahrhunderten und wollen die gefallenen Engel auf ihre Erweckung vorbereiten, um so den Himmel zurück zu erobern. Das erklärt auch den heutigen Vampirhype, denn die Menschen werden langsam an die Existenz der Untoten gewöhnt und vergöttern sie geradezu in Filmen und Büchern! Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Aurelia Gravenport macht sich Lynch auf die Suche, nach der einzigen Waffe, die das Gelingen dieses Plans noch verhindern kann: Das Schwert des Heiligen Michael. Die zarte Romanze zwischen dem Archäologen und Aurelia steht unter keinem guten Stern, denn sie fühlt sich ebenso zu Damian Langsley hingezogen. Professor Lynch kommt derweil alten Familiengeheimnissen auf die Spur: Die Langsleys und die Gravenports stehen von Anbeginn der Zeit auf verschiedenen Seiten, denn nur ein Gravenport kann das Schwert des Erzengels führen. Wird es Damian gelingen, Aurelia mit auf die dunkle Seite zu ziehen? Der ganze Roman ist eine Mischung aus Abenteuer, Romantik und Vampirgenre - eben Indiana Jones meets Dracula.


Gsf: An welchem größeren Projekt arbeitest du zur Zeit?


Carol Grayson: Im Augenblick laufen die Terminplanungen für die Buchmesse in Leipzig. Nur sechs Wochen später bin ich bereits auf der GOTHIKA Messe, die im Rahmen der RPC in Köln (Messegelände) stattfindet. Zwei weitere Events stehen im Herbst an. Die Vorbereitungen für die nächsten Romanprojekte werden getroffen, d.h. Plots entworfen (und auch wieder verworfen :-)), Recherchen laufen eigentlich ständig und - ach ja - das neue Vampire Magic Magazin steht noch für den Sommer an!


Gsf: Vampirstories, denen auch du dich ausgiebig widmest, erfreuen sich zur Zeit größter Beliebtheit. Wie kannst du dir diesen Boom erklären? Gab es einen bestimmten Film oder einen Roman, der diesen Hype ausgelöst hat?


Carol Grayson: Der "Hype" hat sich eigentlich eher schleichend entwickelt. Spürbar wurde er bereits im Jahre 2008 und so richtig gepusht natürlich durch die "Twilight" Filme. Es handelt sich eigentlich um ein "natürliches" Phänomen: Je schlechter die Zeiten, desto mehr Menschen flüchten in phantastische Welten. Das merkt man auch auf der Esoterikschiene besonders stark. Im Augenblick schwenkt der Hype übrigens auf das Thema "Engel" um.


Gsf: Ist die allgemeine Meinung, dass Vampirgeschichten eher was für jüngere Leser sind, richtig, oder ist diesbezüglich ein falsches Bild entstanden? Gibt es ausreichend Literatur dieses Genres, die sich auch an ältere Leser richtet?


Carol Grayson: Es gibt absolute Klassiker, die auch die ältere Generation kennt und mag. Ich schätze, dass die Mischung aus Gefahr, Verführung und Romantik den Boom bei den jüngeren Lesern ausgelöst hat. Es kommt nur auf das richtige Rezept an, denn - wie schon zuvor bemerkt - der Mensch flüchtet gern in eine Traumwelt. Auch in meinen Geschichten ist der Vampir nicht unbedingt immer der Böse, sondern kann genauso gut Opfer sein. Dadurch können sich Leser leicht mit den Figuren identifizieren. Wobei ich gerne meine Romane mit der Realität oder der Mystik kombiniere. Ein Beispiel dafür ist die Trilogie "Im Bann der Lilie" - hier werden reale, historische Fakten und Ereignisse in die Geschichte eingewebt.


Gsf: Ist das Verlegen von Vampirromanen wirklich so lukrativ, wie man glaubt? Verkaufen sich die Abenteuer des Vampirs Jason Dawn am besten oder gibt es andere deiner Werke, die erfolgreicher waren?


Carol Grayson: Lukrativ nein. Leben kann ich vom Schreiben nicht. Meine Werke sind nicht bei den großen Publikumsverlagen erschienen und selbst dort kann man aufgrund der Masse an Veröffentlichungen nicht davon ausgehen, dass ein einzelner Autor davon leben kann. Vergleichen kann man meine Romane so gar nicht miteinander. Ich selbst stelle fest, dass sich mein Schreibstil im Laufe der Zeit verändert hat. Einer meiner Leser meinte vor kurzem, "Der Grabschänder" wäre bislang das beste, was er von mir gelesen hat. So etwas spornt natürlich an. Aber es bleibt eben auch Geschmacksache. Da kann niemand völlig objektiv sein, genausowenig wie bei der Musik oder anderen künstlerischen Tätigkeiten. Jason Dawn ist zum Beispiel kein typischer Vampirroman, sondern - zumindest was die erste Serie angeht - eine Art Evolutionsgeschichte der Vampire, die mitten unter den Menschen leben.


Gsf: Manchmal klafft eine Lücke zwischen dem, was die Leser mögen und dem, was der Autor bzw. die Autorin selbst gerne schreibt. Ist es bei dir auch so oder magst du selbst das, was bei der Leserschaft gut ankommt?


Carol Grayson: Ich freue mich natürlich wie jeder andere Künstler über positives Feedback. Dazu kommt, dass es immer eine Zeit für ein bestimmtes Thema gibt. Wenn der Vampirhype vorbei ist, werde ich mich trotzdem weiter mit dieser Thematik beschäftigen, bin aber auch immer für andere Genres offen gewesen. Ja, ich gestehe, im Augenblick hat mich das Krimifieber gepackt. Der erste wird übrigens dieses Jahr noch erscheinen. Ich bin sehr gespannt, wie das bei meinen Lesern ankommt, denn ich schreibe jedes Genre in einem anderen Stil. Typisch für mich sind eigentlich nur die von manchen so gehaßten offenen Enden. Aber da gelobe ich Besserung :-)


Gsf: Wie in deinem Profil zu lesen ist, gibt es die beiden ´Lux Aeterna´-Bücher auch als Hörbuch. Hast du die Bücher selbst eingelesen?


Carol Grayson: LUX AETERNA gibt es nicht offiziell als Hörbuch. Noch nicht. Bis Ende 2010 gab es einen Podcast, den Dark Romance Channel, gesprochen von Rena Larf. Da jedoch die Abstände zwischen den einzelnen Bänden zu groß wurden, haben wir die Ausstrahlung eingestellt. Der aktuelle Hörbuchtitel heißt "Erbin des Schicksals", ist eine Gothicnovelle erschienen im Audiotrain Verlag und überall zum Download erhältlich.


Gsf: Wie lange dauert so eine Hörbuchproduktion?


Carol Grayson: Oh, das kommt auf den Umfang der Vertonung an und natürlich auf die Anzahl der Sprecher. Die Gothicnovelle "Schrei der Pfauen" wird gesprochen vom Profi Gerd Berghofer. Das dauerte keine zwei Wochen. Später wurden noch die Musik und die Geräusche vom Verlag unterlegt.


Gsf: Man hört, dass sich Hörbücher immer größerer Beliebtheit erfreuen. Ist das wirklich so oder werden von deinen Werken z.B. nicht immer noch viel mehr gedruckte als akustische Ausgaben verkauft?


Carol Grayson: Viele Bücher, vor allem Bestseller, werden ja erst nachträglich vertont, was einfach eine zusätzliche Verwertungsschiene für den gleichen Titel darstellt. Ebenso wie bei der Ebookvermarktung werden sich hier Liebhaber finden. Bei meinen ersten Hörbüchern wie "Süßes Blut" habe ich ein anderes Konzept verfolgt. Hier entstand zunächst die akustische Version aus dem einfachen Gedanken, kurze Geschichten während des Autofahrens oder der Reise anzuhören.


Gsf: Wieviele Stunden am Tag verbringst du mit deiner Autorentätigkeit? Kannst du auch mal 100%ig abschalten und ein paar Wochen Urlaub machen oder ist so etwas als begeisterte Autorin, wie du es bist, nur schwerlich zu realisieren?


Carol Grayson: Was ist Urlaub? Nein, im Ernst, bei mir gibt es fast nur Arbeitsurlaub und 100%ig abschalten gelingt mir aus dem Grunde nicht, weil mein Kopf dann wieder neue Ideen entwickelt. Die müssen nicht mal was mit dem Schreiben selbst zu tun haben, sondern sich vielleicht nur um eine Marketingstrategie drehen. Selbst beim Fernsehen braucht manchmal nur ein Wort oder ein Satz zu fallen, der mich zu einer Geschichte inspiriert. Also abschalten geht bei mir nicht wirklich :-)


Gsf: Zuletzt noch eine Frage zu dem Photo in deinem Profil. Wie hast du bzw. der Fotograf es geschafft, dass das Einhorn so still gehalten hat?


Carol Grayson: Hm, soll ich das wirklich verraten? Nicht doch, lassen wir der Fiktion den Zauber :-)


Gsf: Wir danken dir vielmals für dieses Interview und hoffen, dass wir noch viel von dir lesen bzw. hören werden.


Carol Grayson: Ich danke Euch für das Interesse!